Farbe als Stilmittel in der Malerei

Die Farbe in der Malerei - Oliver Moosdorf/pixelio.de
Die Farbe in der Malerei - Oliver Moosdorf/pixelio.de
Was versteht man unter Symbolfarbe, Erscheinungsfarbe und Lokalfarbe? Kurzer Überblick über die Bedeutung der Farbe in der Kunst.

Die Farbe ist zweifellos eines der wichtigsten Elemente der Malerei – je nach künstlerischer Intention und Epoche gar das Wichtigste. Sehr grob kann man eine Unterscheidung zwischen koloristischen und valoristischen Bilder treffen. Erstere werden von der Farbe bestimmt (z.B. Werke von van Gogh und Matisse), Letzere sind eher tonig gehalten (z.B. Werke von Goya und Manet ).

Die Farbe in der Malerei des Mittelalters und der Renaissance: Symbolfarbe und Gegenstandsfarbe

In der mittelalterlichen Tafelmalerei hat die Farbe noch einen starken Symbolwert, z.B. Gold als Sinnbild des Göttlichen und Blau als Farbe der Transzendenz, der Reinheit. Die Farben mit dem höchsten Symbolwert waren auch die teuersten: allen voran der Goldgrund, gefolgt von blauem Lapislazuli bis hin zu den preiswerteren Erdfarben.

Auch wenn die christliche Farbsymbolik erhalten bleibt, so tritt in der Renaissance mehr und mehr der Wunsch nach wirklichkeitsnaher Abbildung in den Vordergrund. Die wissenschaftliche Neugier der Erforschung der Perspektive, der anatomischen Genauigkeit, der detaillierten Wiedergabe von Lichtverhältnissen misst der Lokalfarbe hohen Wert bei. Von Lokalfarbe (auch Gegenstandsfarbe) spricht man, wenn die Dinge im Wesentlichen in den Farben wiedergegeben sind, wie sie unseren Sehgewohnheiten entsprechen, sprich: blauer Himmel, grüne Wiese etc.

Die Farbe in der Malerei vom Barock bis zur Romantik

Die Barockmalerei ist einerseits farbenfreudig und nutzt die Intensität der Primärfarben (rot-gelb-blau) und ihrer Abstufungen, wie z.B. die Deckengemälde Tiepolos aus dem 18. Jahrhundert zeigen. Zum Anderen bringt sie aber auch eine Hell-Dunkel-Malerei hervor. Ein Maler, der das koloristische und valoristische Prinzip (s.o.) besonders meisterhaft zu verbinden versteht, ist Rembrandt von Rijn. Leuchtende Farben treten aus einem halbdunklen Hintergrund hervor und entwickeln dadurch besondere Plastizität.

Im Klassizismus tritt die Bedeutung der Farbe zugunsten der Form in den Hintergrund. Auch wenn die Farbe Blau mit der Epoche der Romantik assoziiert wird, spielt die Farbe für die meisten Maler der Romantik noch eine untergeordnete Rolle. Koloristen wie Eugène Delacroix allerdings sind fasziniert von der Beobachtung des Lichts und des Zusammenwirkens von Licht und Farbe, die wenig später die Freilichtmaler beschäftigen wird.

Die Farbrevolution des 19. Jahrhunderts: Erscheinungsfarbe

Landschaften bei wechselndem Licht faszinieren – ihrer Zeit weit voraus – Delacroix und William Turner und werden für die Impressionisten zur wesentlichen Motivation zum Pinsel zu greifen. Ein – als Gegenstand an sich nicht besonders interessanter – Heuhaufen wird für Claude Monet zum Studienobjekt. In einer Serie von Bildern hält er die veränderliche Farbigkeit fest, die aus den unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu verschiedenen Tageszeiten resultiert. Die sogenannte Erscheinungsfarbe wird zum Hauptthema der impressionistischen Malerei. Zudem löst sich die Umrisslinie auf, sodass sich die Bildgegenstände aus autonomen kurzen Pinselstrichen zu einer vibrierenden Farbstimmung zusammensetzen.

Eine eher wissenschaftliche Weiterentwicklung dieser Malweise ist der Pointillismus (auch Divisionismus) von Georges Seurat. Mittels eines farbigen Punktesystems mischen sich die Farben optisch erst im Auge des Betrachters.

Die ausdrucksstarken Bilder von Vincent van Gogh rücken die Farbe in den Vordergrund. Pastos aufgetragen wird sie nicht nur zu einem eigenständigen bildnerischen Mittel, sondern auch zum Ausdruck eines inneren Zustandes: "Statt zu versuchen, genau das wiederzugeben, was ich vor Augen habe, bediene ich mich der Farbe viel willkürlicher, um mich kraftvoll auszudrücken" (Vincent van Gogh).*

Die Farbe in der Malerei des 20. Jahrhunderts: Ausdrucksfarbe und eigenständige Farbe

Die Farbe als Ausdrucksmittel kennzeichnet viele Strömungen der modernen Malerei, allen voran den Expressionismus und den Fauvismus.

Für Robert Delaunay ist die Farbe dann bereits das wichtigste Bildgestaltungsmittel. Losgelöst vom Gegenstand experimentiert er mit der Wirkung des Simultankontrastes. Dabei "überfluten" sich Komplementärfarben sozusagen optisch und wirken dadurch unruhig.

Farbe um der Farbe willen, so könnte man die logische Fortentwicklung in der abstrakten Malerei bezeichnen. Piet Mondrian befreit seine Bilder von jeglichem Gegenstandsbezug und stellt Flächen in Primärfarben in Beziehung zueinander, sodass sich ein harmonisches Gleichgewicht ergibt.

Das weltberühmte "Schwarze Quadrat" von Kasimir Malewitsch schließlich, ist der Versuch Gegenstandslosigkeit darzustellen und das Bild selbst von der Farbe zu befreien.

Quellen:

Die Geschichte der Farbe in der Malerei. Von der Gegenstandsfarbe zur Autonomie der Farbe. In: Hajo Düchting: Werk statt Farbe, Leipzig 2010, S. 21-28.

Die Farbe. Bestimmungen und Begriffe. In: Pawlik/Straßner: Bildende Kunst. Begriffe und Reallexikon, Köln 1969.

*Otto Hans Ressler: Der Wert der Kunst, 2007, S. 61.

Foto: Oliver Moosdorf/pixelio.de

Ursula Kohaupt - Hineingeboren in die Generation Golf, aufgewachsen in Bayreuth und Kunstgeschichte studiert in Bamberg, Marburg & London. Danach sechs ...

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