
- Fasching in Rottweil - morguefile
Es ist wohl nicht mehr möglich, die unterschiedlichsten Typen der Narren und der Faschingsfreiheit zu unterscheiden. Sucht man nach historischen Wurzeln, muss man sehr schnell erkennen, dass sich Mischformen entwickelt haben, dass neue Traditionen begründet worden sind, die nicht mehr original sind und trotzdem noch Spuren früherer Fastnachst- und Faschingstradition enthalten.
Die berühmte fünfte Jahreszeit
Reist man tatsächlich am Rosenmontag in der Frühe in das badische Städtchen Rottweil, kann man noch ursprüngliche, traditionsreiche Fasnet erleben. Zuerst gilt es natürlich zu hoffen, von Schnee und glatten Straßen verschont zu bleiben.
Zu verstehen ist die Rottweiler Fasnet als Fest zu Beginn der vierzigtätigen Fastenzeit vor Ostern. Schon fünf Jahrhunderte lang wir hier eine Tradition gepflegt: der Narrentanz und das Narrenspiel. Schon am Dreikönigstag beginnt sie: Jetzt ziehen die ‚Abstauber’ los und reinigen die Narrenkleider mit Besen und Bürsten vom Staub des zurückliegendes Jahres.
Am ‚schmotzigen Donnerstag’ schließlich, am Tag vor den großen Ereignissen, sind die Schmotzigen Gruppen in den Wirtshäusern unterwegs, um das Geschehen im vergangenen Jahr sprachlich ironisch verschmitzt darzubieten.
Am Sonntag schließlich übernimmt die Narrenzunft das Regiment in der Stadt und setzt den Oberbürgermeister ab. Nun strömen die Narren aus, um auch die ‚Stubahocker’ auf die Ereignisse aufmerksam zu machen. Sonntagnachmittags findet dann der Kinderumzug statt, der auf seine Weise auf die bevorstehendes Ereignis einstimmt.
Am Rosenmontag um acht Uhr findet er dann endlich statt: der erste Narrensprung. Dieser findet auch am Faschingsdienstag um acht Uhr und außerdem um 14 Uhr statt. Rosenmontag und Faschingsdienstag, das sind ‚höchste Feierdäg' für alle Narrengestalten: den Gschell, Biß, Fransenkleid, Schantle, Federahannes, Bennerrössle, Guller, den langen Mann und neuerdings wieder den Bettelnarr. Sie versprechen viel Spaß für die Zuschauer.
Der Narrenumzug
4.000 Narren sind im Einsatz bei einem dreistündigen Zug, der seinesgleichen sucht, der jährlich 20 000 Besucher in seinen Bann zieht. Der Zug wird begleitet von der Stadtkapelle in historischer, der Zunft gehöriger Tracht. Der Narrensprung ist eigentlich nur der Auftakt. Wichtig ist den Narren das ‚Aufsagen’. Bis zum Betzeitläuten wird auf der Straße überall in der Stadt, in den Häusern und Wirtschaften mit oder ohne Narrenbuch aufgesagt, also werden Vorkommnisse der Stadt auf heitere Art und Weise beschimpft. Hier ist natürlich die rottweilerische Sprache gefragt, die selbstverständlich heute nicht mehr alle Narren beherrschen. Daher bedauern viele das ‚Eiheitsschwäbisch’, das Einzug hält. Durch diese Verwässerung werden Allerweltsweisheiten ausgesprochen - lokales Kolorit geht verloren. Nichtsdestotrotz lohnt es sich sicher, einmal an Fasching in Rottweil zugegen zu sein und die ursprüngliche Fasnet zu erleben.
