Fasten im Buddhismus

Buddhistische Mönche beim Spaziergang - Anne Roberts
Buddhistische Mönche beim Spaziergang - Anne Roberts
Eine dogmatische Herangehensweise an das Thema „Fasten" gibt es im Buddhismus nicht, doch auch die fernöstliche Religion kennt asketische Zeiten.

Im Christentum gibt es die Fastenzeit zu Ostern, Muslime halten sich während des Ramadans an strenge Regeln und beim Judentum gibt es Jom Kippur oder Tischa be-Aw. Der Buddhismus bildet an dieser Stelle eine Ausnahme innerhalb der großen Weltreligionen: Das Fasten kann zu bestimmten Anlässen durchaus ein probates Mittel sein, um Körper und Geist zu reinigen. Reglements findet man jedoch nur selten.

Askese im Buddhismus: alles in Maßen

Im Dhammapada, welches im Pali-Kanon unter den kurzen Texten (Khuddaka-Nikaya) eingeordnet ist, spricht der historische Buddha unter anderem auch von dem Fasten und der Askese: „Nicht Nacktheit, Fasten, Schmutz, noch sonstiges Kastei'n Macht den in Sinnenlust befang'nen Menschen rein. Wer ruhig, selbstbeherrscht, gleichmütig, gütig, rein, Mag auch in gutem Kleid ein rechter Bhikkhu sein“. Es ist überliefert, dass sich der historische Buddha (Siddhartha Gautama), bevor er selbst die Buddhaschaft erreichte, unter der Führung mehrerer Lehrmeister in der Askese übte. Später erkannte er jedoch, dass auch die Askese nicht zum gewünschten Ziel führt. In Erzählungen heißt es, dass der junge Siddhartha fastete, bis er "sein Rückgrat durch seinen Magen spüren" konnte. Danach wurde er ohnmächtig und erkannte, dass die Geißelung des eigenen Körpers nicht zur Erleuchtung führen kann. Getreu diesen Vorbildes verstehen die meisten Strömungen im Buddhismus durchaus den Vorteil des Fastens, üben es jedoch nicht extrem aus.

Khao Phansa oder Vassa: buddhistische Fastenzeit?

Im Buddhismus kennt man eine dreimonatige Periode – üblicherweise zwischen Juli und Oktober – die den Beginn der Regenzeit einläutet. Der erste Tag dieser Regenzeit wird im Buddhismus als Vassaoder auch Khao Phansa bezeichnet und fällt immer auf den ersten Tag des abnehmenden Mondes des achten Monats im thailändischen Mondkalender. Sehr oft wird die dreimonatige Regenzeitklausur auch als buddhistische Fastenzeit benannt. Eine Bezeichnung, die zum einen nicht hundertprozentig korrekt und zum anderen irreführend ist, da während dieser Periode nicht ausschließlich gefastet wird. Zu Beginn der Regenzeit finden überall Ordinationsfeierlichkeiten statt und es ist traditionell eine Phase, in der junge Männer – in der Moderne auch Frauen – für eine begrenzte Zeit ins Kloster eintreten. Anders als in der westlichen Welt gehört es in vielen Ländern, in denen der Buddhismus stark vertreten ist, durchaus zum Alltag, dass Männer und Frauen in ein Kloster eintreten. Es wird nicht nur als Zeit des Erwachsenwerdens gekennzeichnet, sondern auch als ein Dienst an der Gemeinschaft.

Bedingtes Fasten im Kloster

Der Grund, warum der Eintritt in ein Kloster genau auf diesen Zeitraum fällt, liegt auch in der Vergangenheit des Buddhismus begraben. Siddhartha Gautama legte seinen Anhängern nahe, diese Zeit in einem Kloster zu verbringen und das Reisen ruhen zu lassen. In der Regenzeit gibt es viele junge Sprösslinge und diese sollten nicht zertreten werden. Eine sehr pragmatische Motivation, die aber recht stellvertretend für die Philosophie des Buddhismus im Generellen steht. Während dieser Zeit, die viele Buddhisten im Kloster verbringen, wird selbstverständlich nach den dort herrschenden Regeln gelebt, die unter Umständen sehr viel asketischer sein können, als vom nicht ordinierten Leben bekannt ist. Zum Beispiel nehmen viele Mönche und Nonnen nach dem Mittagsmahl keine festen Speisen mehr zu sich, was jedoch nicht in allen buddhistischen Strömungen der Fall ist und von Kloster zu Kloster unterschiedlich sein kann. Es ist kein Fasten, das Buddhisten während dieser Zeit betreiben, es ist das alltägliche Leben im Kloster.

Quellen:

Andreas Schnell, Andreas Schnell

Andreas Schnell - Andreas Schnell ist freier Autor / Journalist und lebt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frankfurt/Main. Redaktionell ...

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