
- Der Totenkopf: beliebt in Horrorfilmen - Dirk Stollhans, Pixelio
Psychologen und Psychotherapeuten erklären die Faszination von Horrorfilmen auf viele Zuschauer damit, dass die Ausschüttung von Adrenalin bei aufregenden, spannenden, unheimlichen Szenen eine Art "Kick" im Gehirn auslöst und somit trotz nervenzerreißender Bilder ein gewisses Glücksgefühl ausgelöst wird.
Bei Menschen hingegen, die eher ängstlich veranlagt sind, verstärken Horrorfilme gewisse Ängste eher noch, sodass diese meist ohnehin freiwillig auf Gruselfilme verzichten, um nachfolgende Alpträume und Schlafstörungen zu vermeiden.
"Der Exorzist" hat selbst bei Horror-Fans Panikattacken ausgelöst
Anlässlich der Oscar-Verleihung am 7. März 2010 berichtete Pro7 in seinem Magazin "Galileo Big Pictures" (5. März 2010) über spektakuläre Szenen und ihre Entstehung aus allen möglichen bekannten Filmen. Auf Platz 12 landete der Horrorklassiker "Der Exorzist" aus dem Jahr 1973. Im Rahmen der Sendung wurde darüber berichtet, dass bei der Szene, in der sich der Kopf der besessenen Regan mehrfach um 180° dreht, etliche Zuschauer schreiend den Kinosaal verlassen haben, wobei diese Szene noch nicht einmal zu den blutrünstigsten, aufreibendsten des gesamten Films gehört.
Positives bekommt im Horrorfilm einen überraschend negativen Beigeschmack
Eine Reihe von Gruselfilmen begründet die Spannung damit, dass positiv besetzte Figuren wie etwa Kinder, Haustiere oder Clowns aus etwaigen Gründen plötzlich ihre böse Seite ausleben. Im bereits erwähnten Film "Der Exorzist" ist die 12-jährige Regan (Linda Blair) von Satan besessen und wird vom niedlichen Teenager zunehmend zu einer bösartigen, verzerrten Teufelsfratze, die obszöne Wörter ausstößt, sich selbst mit einem umgedrehten Kruzifix entjungfert und deren ehemals kindliche Stimme zunehmend verzehrt, männlich und diabolisch klingt.
Ähnliches gilt auch für den Gruselfilm "Das Omen", der im Jahr 1976 gedreht wurde und von dem es ein Remake aus dem Jahr 2004 gibt. Dass Damian, der Sohn des US-Botschafters, eigentlich der Sohn des Teufels ist, wird im Laufe des Films immer klarer.
Kindern werden gemeinhin Eigenschaften wie Reinheit, Unschuld und Hilflosigkeit zugeschrieben, sodass es auf den Zuschauer umso schockierender wirkt, wenn ein liebes Kind plötzlich seine böse, teuflische Seite in unterschiedlichen Facetten auslebt.
Auch Clowns werden positive Eigenschaften zugeordnet – sie sind kinderlieb, freundlich und bringen ihre kleinen Zuschauer durch Kunststückchen oder Tollpatschigkeit zum Lachen. Genau an diesem Punkt setzt Stephen Kings "ES" an. Der Clown Pennywise (gespielt von "Rocky Horror Picture Show"-Darsteller Tim Curry) wirkt zunächst wie ein ganz normaler freundlicher Clown und lockt Kinder vielfach mit einem roten Luftballon zu sich, um sie dann mit seinen Reißzähnen zu zerfleischen.
Mysterium Tod im Gruselfilm
Das Thema "Tod" spielt im Horrorfilm eine wesentliche Rolle. Da kein Mensch mit 100-prozentiger Sicherheit sagen kann, ob und wie es nach dem Tod weitergeht, wirken Filme, in denen Untote oder Seelen, die nach ihrem Tod aus unterschiedlichsten Gründen keine Ruhe finden und die die Lebenden auf unterschiedlichste Art malträtieren, eher verstörend und beängstigend auf den Zuschauer. Als Beispiele hierfür gelten Filme wie "Die Nacht der lebenden Toten" aus dem Jahr 1968, der sogar Eingang in das New Yorker Museum of Modern Arts fand, "Landhaus der toten Seelen" (1977), John Carpenters "The Fog – Nebel des Grauens" (1980) oder "Poltergeist" (1983).
Beliebte Orte und Wetterphänomene im Horrorfilm
Um die Spannung des jeweiligen Films noch mehr zu steigern, tauchen in vielen Horrorfilmen bevorzugt immer wieder dieselben Orte und/oder Wetterlagen auf. Was das Wetter betrifft, sind entweder heftige Gewitter (beispielsweise in "Poltergeist" oder "Das Omen") oder auch Nebel (vergleiche "The Fog") als dramaturgisches Stilmittel sehr beliebt in einem Teil der Szenen.
Zu den am häufigsten vorkommenden Orten in Horrorfilmen zählen neben alltäglichen Wohnhäusern und -siedlungen Friedhöfe ("Friedhof der Kuscheltiere", "Das Omen", "Poltergeist" und viele mehr), Kirchen und Kapellen ("The Fog", "Das Omen") auch eher abgelegene Gebäude und Hotels wie etwa in Stephen Kings "Shining" (1977) von Regisseur Stanley Kubrick, "Psycho" von Alfred Hitchcock oder "The Amityville Horror" (1976).
Gerade vor dem Hintergrund, dass Kirchen und Friedhöfe gemeinhin Orte der Ruhe, Besinnung, des Glaubens und des Friedens sind, wirkt deren Vorkommen in Horrorfilmen umso unheimlicher. Hinzu kommt, dass Kirchen auch im Alltag vielfach, obwohl sie Häuser Gottes sind, etwas Düsteres, Unheimliches an sich haben.
Horrorfilme spielen mit alltäglichen, zum Teil verdrängten Ängsten
Dadurch, dass positiv besetzte Begriffe wie Kinder, Haustiere, Kirchen, Wohnhäuser oder Friedhöfe in Gruselfilmen mit etwas Negativem in Verbindung gebracht werden, werden vielfach die (verdrängten) Ängste des Zuschauers angesprochen. Was ist, wenn ein Verstorbener nach seinem Tod keine Ruhe findet und den Zuschauer selbst in irgendeiner Form belästigt? Gibt es den Teufel wirklich? Kann sich der Zuschauer auf einem Friedhof oder in einer Kirche wirklich sicher fühlen? Was ist, wenn das eigene Kind in irgendeiner Form seine böse Seite zeigt?
Horrorfilme: für die meisten Jugendlichen eine Mutprobe
Die meisten Gruselfilme sind aufgrund ekelerrenger, sehr unheimlicher Szenen erst ab 16 Jahren, vielfach sogar erst ab 18 durch die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) freigegeben. Dennoch ist es gerade für jüngere Teenager ein zusätzlicher Nervenkitzel, wenn sie sich heimlich mit Freunden Filme anschauen, die erst für (fast) Erwachsene freigegeben sind und wenn sie den Horrorfilm überstehen, ohne weinend/ schreiend das Zimmer zu verlassen beziehungsweise bei jeder besonders aufregenden Szene wegzuschauen.
