Faszination Nachtfotografie für Hobbyfotografen

Faszination Nachtfotografie - Stefan Dassler
Faszination Nachtfotografie - Stefan Dassler
Stimmungsvolle Nachtaufnahmen haben ihren eigenen Charme.

Wenn nur sehr wenig Licht zur Verfügung steht, scheint unser Auge überwiegend Schwarz-Weiß zu sehen. Die Kamera hingegen kann eine solch dunkle Umgebung in einem farbigen Lichtermeer und mit tollen Effekten zeigen. Mit der richtigen Ausrüstung und den geeigneten Einstellungen gelingen faszinierende Nachtfotos.

Motivideen für Hobbyfotografen

In der Dämmerung kann sich die Lichtstimmung sehr schnell ändern. Erkunden Sie den Ort für das Foto-Shooting zur Bildgestaltung vorher und finden Sie die besten Positionen für die Kamera heraus. Beispiele für Motivideen:

  • Beleuchtete, ältere Brücke mit angestrahlter Drahtseilkonstruktion von der Seite mit 10-30 Sekunden Belichtungszeit fotografieren
  • Von einer Aussichtsplattform das bunte Lichtermeer einer modernen Großstadt zur „Blauen Stunde“ nach Sonnenuntergang mit Weitwinkelobjektiv einfangen
  • Von einer Fußgängerbrücke über einer Stadtautobahn bei Nacht die weißen und roten Lichtspuren der vorbeifahrenden Autos mit Langzeitbelichtung abbilden
  • Den geheimnisvollen Mond formatfüllend mit einer Telebrennweite und etwa 10 Sekunden Belichtungszeit richtig belichtet fotografieren
  • Bei nächtlichem, tosendem Gewitter mit der „Bulb“-Langzeitbelichtungsfunktion und Fernauslöser die Blitze einfangen. Drücken Sie beim ersten Blitz den Fernauslöser und lassen Sie ihn kurz nach dem zweiten Blitz wieder los
  • Ein Karussell bei Nacht auf der Kirmes mit langer Belichtungszeit als originellen Leuchtstrudel abbilden
  • Eine Person vor einer mittelalterlichen Burg bei Dämmerung mit Aufsteckblitz aufgehellt und etwa 1/15 Sek Belichtungszeit fotografieren

Tipps für gelungene Nachtaufnahmen

Die folgenden Tipps sind als Anregungen gedacht – experimentieren Sie damit:

  • Ausrüstung beachten

Um scharfe Nachtfotos bei längeren Belichtungszeiten zu erhalten, sollte unbedingt ein stabiles Dreibeinstativ verwendet werden. Zusätzliche Stabilität erreicht man, indem man die Kameratasche oder ein anderes Gewicht an die Mittelsäule des Stativs hängt. Um Erschütterungen beim Auslösen zu vermeiden, sollte ein Fernauslöser genutzt werden. Eine Taschenlampe erleichtert die Kamerabedienung bei Dunkelheit.

  • Blende und/oder Belichtungszeit manuell vorwählen

Mit einer kleinen Blendenöffnung von etwa F16 wird meist die ganze Szenerie eines nächtlichen Architekturmotivs scharf abgebildet. Bei Leuchtspuraufnahmen von vorbeifahrenden Autos sollte man mit Belichtungszeiten zwischen 10 und 30 Sekunden experimentieren.

  • ISO-Einstellung herunterregeln

Da das Bildrauschen bei Langzeitbelichtungen beispielsweise bei Architekturaufnahmen nicht lange auf sich warten lässt, sollte man mit der kleinstmöglichen ISO-Einstellung (beispielsweise ISO 100) arbeiten. Zwar ist bei aktuellen Spiegelreflexkameras bis etwa ISO 800 kaum Rauschen sichtbar, aber die Fotos wirken bei diesem ISO-Wert flauer und weniger knackig. Wenn Sie Ihre Fotos bei einer Bildagentur zum Verkauf anbieten möchten, sollte die ISO-Einstellung grundsätzlich maximal ISO 400 betragen.

  • RAW-Format nutzen

RAW liefert bei wenig Licht eine maximale Bildqualität. So kann man im Nachhinein am PC die Farbtemperatur (Weißabgleich) beeinflussen und es ist eine nahezu verlustfreie Aufhellung der Belichtung möglich.

  • Weißabgleich der Kamera variieren

Bei Nachtfotos kann sich der automatische Weißabgleich der Kamera schnell irren – besonders wenn man sich in direkter Nähe von Straßenlaternen befindet. Wählen Sie dann beispielsweise den Weißabgleich „Schatten“ (6.000 Kelvin). Damit wirkt das Bild wärmer, der Orangeton ist stärker. Die Einstellung “Kunstlicht“ (3.200 Kelvin) beim Weißabgleich lässt dagegen die Aufnahme durch mehr Blau kühler erscheinen.

  • Spiegel der Kamera feststellen

Bei langen Belichtungszeiten kann die kleinste Erschütterung die Aufnahme verwackeln Dazu zählt auch das Wegklappen des Spiegels bei der Spiegelreflexkamera. Aktivieren Sie daher im Kameramenü die Funktion „Spiegelvorauslösung“.

  • Manuell fokussieren

Oftmals versagt bei wenig Licht der Autofokus der Kamera. Fokussieren Sie am besten gleich manuell, in dem Sie den Schalter am Objektiv von „AF“ auf „M“ stellen. Schalten Sie auch den optischen Bildstabilisator beispielsweise des Objektivs aus, da der Kreiselsensor bei Stativverwendung unter Umständen eine ungewollte Bewegung und Unschärfe hervorrufen kann.

  • Mit verschiedenen Perspektiven experimentieren

Erzeugen Sie „Hingucker-Nachtaufnahmen“, indem Sie beispielsweise bei einer nächtlich beleuchteten Gasse eine tiefe Perspektive einnehmen. Der Blick verläuft dann entlang des Kopfsteinpflasters der Gasse. Wenn Sie eine angestrahlte Brücke vor einer Skyline aufnehmen, setzen Sie den Horizont bewusst tiefer an. Bei interessanten Spiegelungen im Wasser sollte man den Horizont jedoch nicht zu tief platzieren.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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