Faszination "Vampir" - Der Erfolg von Twilight, True Blood & Co.

Prototyp Vampir - Lego Dracula - Ednaar
Prototyp Vampir - Lego Dracula - Ednaar
Vampirserien feiern derzeit große Erfolge. Doch woher kommt der Glaube an Vampire und warum üben Vampire heute (wie früher schon) große Faszination aus?

Der erste Film der beliebten Bis(s)-Serie, "Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen", spielte bereits am ersten Wochenende über 70 Millionen US-Dollar ein. Der Serienauftakt "Gezeichnet" aus der "House of Night"-Buchserie befand sich 88 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times und war zudem im letzten Jahr die Nummer 1 auf der Spiegel-Bestsellerliste. Auch im TV geht nichts mehr ohne die Geschöpfe der Nacht: "Buffy" und "Moonlight" erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit und auch die amerikanische Serie "True Blood" läuft sehr erfolgreich in Deutschland. Im Internet finden sich schließlich diverse Foren, in der man seine Begeisterung für Vampire und Vampir-Serien leben kann und in denen sogar Personen von ihrer Überzeugung berichten, selbst Vampire zu sein.

Doch woher rührt die Faszination für Vampire? Warum glaubten viele Menschen früher an Vampire und warum hat sich das bis heute nicht geändert?

Woher kommt der Glaube an Vampire im Allgemeinen?

Wesentliche Merkmale der Vampire entstammen dem Wunsch nach Erklärbarkeit von Phänomenen, die sich zunächst nicht erklären lassen.

Menschen suchen generell nach Erklärungen für unerklärliche Phänomene, wie zum Beispiel für sogenannte Scheintote. Aufgrund geringerer medizinischer Kenntnisse kam es vom 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhundert vor, dass Menschen lebendig begraben wurden, nachdem ein Arzt aus Unkenntnis ihren Tod festgestellt hatte. Klingeln sollten dafür sorgen, dass solche Scheintote sich aus ihrem Grab heraus bemerkbar machen konnten. Dies könnte ein wichtiger Faktor zur Entstehung der Angst sein, dass "Untote" ihren Gräbern entsteigen und zum Vampir werden.

Eine andere Art der Erkrankung, die es schon damals gab - jedoch ohne, dass man sie sich erklären konnte - war die sogenannte Porphyrie. Bei der kutanen Form kommt es unter anderem zu starken Verbrennungen der Haut, sobald diese ungeschützt der Sonne ausgesetzt sind. Um diese äußerst schmerzhaften Symptome (und drohende Folgeschäden der Leber) auszuschließen, wird eine Lichtexposition vermieden. In der Folge verlagern die Betroffenen ihr Leben zumeist auf nachts, zusammen mit der charakteristisch blassen Haut ein wichtiges Merkmal des klassischen Vampir-Bildes.

Attraktivität von Vampir-Serien für Jugendliche

Gerade für Jugendliche haben Geschichten von Vampiren oft einen großen Reiz. Zum einen werden die jetzt aktuellen Vampir-Serien von den Machern geschickt mit typischen Jugendthemen wie Liebe, Pubertät und dem Konflikt mit anderen (wie Eltern oder Freunden) verknüpft, zum anderen haben Vampire, wie sie in der neuesten Vampirliteratur dargestellt werden, vieles, was auch für Jugendliche extrem begehrenswert erscheint: Überirdische Schönheit (wie in der Vampir-Buchreihe "House of Night" oder in "Twilight"), mächtige Freunde, starke Kräfte wie zum Beispiel Gedankenlesen, körperliche Stärke ("Twilight"), Weisheit oder sogar das Beherrschen der Elemente.

Darüber hinaus machen viele Vampire etwas durch, das vielen Jugendlichen gut bekannt ist. Sie fühlen sich als Außenseiter, können mit anderen nicht über ihr Dasein als Vampir sprechen und müssen dennoch versuchen in einer oft sehr feindlichen Umgebung zurechtzukommen. Vielen Jugendlichen geht es ähnlich: Sie fühlen sich unverstanden, können sich auch engen Vertrauten (oder gar den eigenen Eltern) bei Problemen nicht mehr anvertrauen und ziehen sich zurück.

Vampire in der Realität: Real Life Vampire

Natürlich gibt es keine Vampire im Sinne von fliegenden Wesen mit Reißzähnen, doch es gibt auch heutzutage Menschen, die sich als Vampire bezeichnen und deren Leben immer noch deutliche Parallelen zu dem aufweist, was unserem klassischen Vampirbild entspricht.

So gibt es auch in Deutschland schätzungsweise 150 Menschen, die sich als Vampir verstehen und regelmäßig Blut von sogenannten "Spendern" zu sich nehmen. Besonders viele Real Life Vampire gibt es laut einer Studie der "Atlanta Vampire Association" in den USA und in Kanada.

In der heutigen Zeit geschieht das zwar nicht mehr durch Bisse am Hals, sondern durch kleine Schnitte in die Haut oder durch Blut-Kanülen. Im Gegensatz zum klassischen Bild von einem Vampir ebenfalls wichtig: Das Einverständnis des "Spenders" und der Nachweis, nicht an gefährlichen durch Blut übertragbaren Krankheiten zu leiden, zum Beispiel HIV-positiv zu sein. Das Trinken von Blut dient ihnen nicht zur Nahrung, sondern zur Aufnahme von Energie, von der sie ihrer eigenen Meinung nach zu wenig haben. Blut hat für sie die gleiche Wirkung wie für andere Kaffee oder Cola, sie gibt ihnen ein Gefühl von Wachheit, Konzentration und führt dazu, dass sie sich kraftvoll und lebendig fühlen.

Doch nicht alle, die sich als Vampire verstehen, trinken Blut. Die sogenannten "Psychic Vampire" zapfen lediglich die Aura ihrer Opfer an.

Vampir-Experte Mark Benecke zum Thema

Tatsächlich gibt es, so Mark Benecke, Vampir-Experte, Kriminalbiologe und Vorsitzender der deutschen Dracula-Gesellschaft, Vampire, die auch äußerlich dem klassischen Vampir-Schema (helle Haut, schwarze Kleidung) entsprechen. Einige lassen sich sogar ihre Eckzähne zu Reißzähnen feilen oder tragen entsprechende Attrappen. Doch gilt das bei Weitem nicht für alle. Auch das Gerücht, alle Real Life-Vampire seien Anhänger der Gothic-Szene, stimmt daher so pauschal nicht, obwohl es durchaus Überschneidungen der Überzeugung, Vampir zu sein mit der Präferenz für Gothic-Musik, Kleidung und Ähnlichem gibt. Auch deutlich zwanghafte Züge bei einigen Vampiren (im Volksglauben hielt man das Verstreuen von Linsen lange für ein Mittel zum Schutz gegen Vampiren, da dieser diese erst zählen muss) bestätigt Benecke, ein klares Bild ergibt sich aber auch hier nicht.

Doch wie wird man zum Vampir, wenn nicht durch Biss wie in vielen Filmen dargestellt? Laut Benecke spielen dabei Traumata in der Kindheit und besondere Erlebnisse mit Blut eine Rolle. Für einige ist das Trinken von Blut auch sexuell erregend und daher wird Vampirismus auch oft in den Zusammenhang mit Fetischismus gebracht. Doch nur, wer ohne das Dasein als Vampir und Elemente wie dem Trinken von Blut sein Leben nicht mehr führen kann, leidet an einem ernsthaften Problem. Ein in der Subkultur verankerter Vampirismus erscheint zwar vielen verrückt, verletzt jedoch in keiner Weise die Regeln einer modernen Gesellschaft.

Weitere Informationen zum Thema Vampire

Vampir Subkultur auf wiki.benecke.com

Irrer Vampir-Kult in Deutschland: Dieser Mann trinkt Menschenblut (Bild.de)

Gibt es Vampire wirklich? - Realität oder reiner Mythos? (ProSieben: Galileo)