
- australische Fans - Reinhold Kiss/pixelio.de
Vom 16.01- 29.01.2012 wird der erste große Titel des Jahres in Melbourne ausgespielt. Mit Spannung wird bei diesem Grand-Slam- Turnier der Schlagabtausch zwischen den "Fab Four" des momentanen Herrentennis erwartet. Bei den anstrengenden Bedingungen unter der Sommerhitze in Australien scheinen nur Djokovic, Nadal, Federer oder Murray den Titel unter sich auszumachen. Oder gibt es tatsächlich noch andere Titelanwärter? Ein Blick auf den diesjährigen Favoritenkreis:
Novak Djokovic
Der Serbe hat sich im letzten Jahr zur unbestrittenen Führungsfigur im Herrentennis empor gespielt. Sein technisches Gesamtpaket ist zur Zeit unübertroffen. Mit seinem unvergleichlichen "Balancegefühl" ist er von der Grundlinie kaum zu stoppen. Aus jeder Position ist er auf der Vor- bzw. Rückhandseite in der Lage gewinnbringende Schläge zu kreieren. Zudem ist er der anerkannt beste Retournierer auf der Tour und somit immer in der Lage den Gegner bei seinen Aufschlagspielen unter immensen Druck zu setzen. Um ihn auf seinem Weg zum dritten Australien- Open- Triumph zu stoppen, bedarf es einer absoluten Weltklasseleistung.
Roger Federer
An einem sehr guten Tag kann der Schweizer Ausnahmekönner jeden Gegner "an die Wand spielen". Wie kein anderer Spieler verfügt er über die Mittel das Spieltempo zu varieren und dem Gegner keinen Rhytmus zu geben. Wenn er seine unheimlich gefühlvollen und präzisen Slicebälle mit plötzlichen unterarmbeschleunigten Angriffsschlägen paart, ist es eine Augenweide seinem
Tennisgenius zuzuschauen. Doch ob er über zwei Wochen die erforderliche Konstanz für den Titelgewinn aufbringen kann, ist fraglich.
Rafael Nadal
Der Spanier lebt von seiner Physis. Wenn er topfit ist, spielt er mit einer unerreichten Intensität, die seine Gegner zur Verzweiflung bringt. Dabei scheint er jeden Ballwechsel so zu spielen, als wäre es sein letzter. Doch diese große Stärke kaschiert seine spielerischen Schwächen. Denn falls er nicht in der zuweilen "übermenschlich" erscheinenden physischen Verfassung bei einem Turnier antritt, wird einem bewußt, dass er, bis auf seine unangenehme Topspinvorhand, keinen wirklichen Weltklasseschlag besitzt...
Andy Murray
Mit Ivan Lendl zum ersten Grand- Slam Titel? Man darf gespannt sein, ob der ehemalige tschechische Branchenprimus den begnadeten Schotten endlich zu neuen Ufern führt und dessen Talent das entscheidende Quäntchen abringt. In der Vergangenheit wirkte es so, als wollte er seinen ersten "Major-Titel" erzwingen und seinem Spiel ging in entscheidenden Momenten der "Esprit" verloren.
Milos Raonic
Ein neuer Stern schien im letzten Jahr am Tennishimmel aufzugehen bis sich der
kanadische 1,96m Hüne einer Hüftoperation unterziehen musste. Sein Spiel lebt von seinem sensationellen Aufschlag und er besitzt eine kompromisslose Spielanlage. Vom Spielertypus erinnert er an den jungen Goran Ivanisevic. Wenn er künftig von Verletzungen verschont bleibt, wird er bald die Top Ten aufmischen.
Jo- Wilfried Tsonga
Er ist der neue Liebling der Massen. Wenn er mit seinem brachialen Offensivspiel zu Werke geht, verzückt er die Fans. Sicherlich ist er noch längst kein kompletter Spieler, aber wenn er in seiner "Zone" ist, dann ist der bullige Franzose unaufhaltbar. Doch solch ein Niveau wird er wohl kaum über zwei Wochen halten können. Dennoch stellt er die größte Gefahr für die Top Vier dar.
Juan Martin del Potro
Der "Turm aus Tandil" ist zurück in der Weltspitze. Seine Vorhand ist immer noch die Spektakulärste im Herrentennis. Durch erstaunlich geschmeidige Bewegungen für seine Körpergröße kann er von der Grundlinie jedem Gegner sein druckvolles Spiel aufzwingen. Doch der argentinische "Nationalheld" scheint psychisch und physisch noch nicht wieder reif genug, um der absoluten Elite Paroli zu bieten.
David Ferrer
Der spanische Dauerläufer ist vermutlich der härteste Arbeiter auf der Tour. Wie aufgezogen läuft er selbst zwischen den Ballwechseln über den Platz. Er gibt kaum einen Ball verloren und verbeißt sich in jedes Duell, so dass ihm der Spitzname "Pitbull" angedacht wurde. Jeder Spieler, der physisch und psychisch nicht in Topform ist, verliert gegen ihn. Er ist ein Gradmesser für die besten Vier. Wenn die ihr bestes Niveau haben ist er aufgrund seiner spielerischen Limitierung überfordert. Aber wehe sie zeigen eine kleine Schwäche...
