FC Schalke 04: Wann schießt Geld endlich Tore?

Raúl, Huntelaar, Metzelder, Jurado - 36 Millionen Euro hat Schalke 04 im Sommer 2010 für Neuzugänge ausgegeben. Resultat: Fehlstart auf der ganzen Linie.

Der Messias hat einen Namen: Felix Magath (57). Nachdem der Trainerfuchs 2009 den VfL Wolfsburg sensationell zur ersten deutschen Meisterschaft in der Vereinsgeschichte führte, unterschrieb Magath beim Revierklub aus Gelsenkirchen.

Im ersten Jahr unter Felix Magath blieb der große Umbruch aus. Die Schalker erreichten dennoch auf Anhieb den zweiten Platz und qualifizierten sich für die Champions League. Für die Fans war klar: Wo Magath arbeitet, da ist Erfolg.

Umfeld vertraut Magath

So setzten Fans, Vorstand und Spieler vollstes Vertrauen in den gebürtigen Aschaffenburger. 52 Jahre warten die "Knappen" jetzt schon auf einen Meistertitel. Hohn und Spott des Erzrivalen Borussia Dortmund ("50 Jahre, keine Schale: Das schafft nur der S04" oder "Ein Leben lang, keine Schale in der Hand") prallen mittlerweile von ihnen ab, doch langsam müssen Titel her. Der letzte große Erfolg liegt schon 13 Jahre zurück. 1997 besiegten die Schalker "Euro-Figther" Inter Mailand und gewannen den Uefa-Pokal.

Nach dem Stadionneubau 2001 und dem neuen Sponsor "Gazprom" sollte nun mit Magath dem externen Umbruch auch der Neuanfang der Truppe folgen. Leistungsträger wie die Abwehrasse Rafinha (FC Genua) und Marcelo Bordon (Al Rayyan) verließ mit Kevin Kuranyi (Dynamo Moskau) auch der erfolgreichste Torschütze der Vorsaison die "Königsblauen".

"Metze" und Raúl kommen aus Madrid

Felix Magath, der vom Vorstand Vollmacht über die Teambildung erhielt, legte schnell nach. Von keinem geringerem Club als Real Madrid lotste "Quälix" den Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder und den spanischen Superstar Raúl in den Ruhrpott. Neben Erik Jendrisek (ablösefrei), dem erfolgreichsten Torschützen von Zweitliga-Meister Kaiserslautern und WM-Teilnehmer für die Slowakei, folgten weitere Top-Männer.

Klaas-Jan Huntelaar kommt zum S04

Die neuen auf Schalke sind Nicolas Plestan (ablösefrei, OSC Lille) Kyriakos Papadopoulos (2.000.000 Euro, Olympiakos Piräus), Ciprian Deac (3.000.000 Euro, CFR Cluji), José Manuel Jurado (13.000.000 Euro, Atlético Madrid). Kurz vor Toreschluss dann noch ein Hammer: Der niederländische Starstürmer Klaas-Jan Huntelaar kam für 14.000.000 Euro vom AC Mailand zum FC Schalke 04.

Der Vorstand der Schalker hat offensichtlich keine Mühen, vor allen Dingen aber keine Kosten gescheut um endlich wieder Titel nach Gelsenkirchen zu holen. Alle Zeichen standen somit auf Erfolg, was sollte also schiefgehen?

Zittersieg gegen Drittligisten

Nach einer guten Vorbereitung mit dem Gewinn des "LIGA total!"-Cups folgte ein Zittersieg beim Drittliga-Aufsteiger VfR Aalen. Durch zwei Tore des peruanischen Nationalspielers Jefferson Farfán schlugen die Schalker die Aalener mit 2:1. Dass die "Knappen" bereits seit 18. Minute in Überzahl spielten, war zu keiner Sekunde des Spiel zu merken.

Bundesliga-Start vermasselt

Viele glaubten hier noch an das bekannte Wunder "DFB-Pokal", bei dem sich schon viele etablierte Clubs bis auf die Knochen blamierten und in der ersten Runde gegen Amateur-Teams ausschieden. Doch schon der Start in die Bundesliga-Saison 2010/2011 sollte allen Schalkern die Augen öffnen: 1:2 Niederlage beim Hamburger SV, bei dem Ex-Kapitän Heiko Westermann eine gute Rolle spielte.

Ex-Borusse Metzelder ist der Sündenbock

Was folge, war blanker Hohn: 1:2 Niederlage gegen den letztjährigen Abstiegskandidaten Hannover 96 vor eigenem Publikum. Eine Woche später verlor Magaths Millionen-Truppe 0:2 in Hoffenheim. Das Prunkstück der Vorsaison - die Abwehr - wirkte heillos überfordert und unorganisiert. Besonders der als Führungsspieler nach Schalke gekommene Christoph Metzelder zeigte kein Bundesliga-Niveau. Schnell steht der Ex-Dortmunder bei den S04-Fans als Sündenbock fest. Die Sturm-Neuzugänge Raúl und Huntelaar waren bemüht, blieben aber dank fehlender Zuspiele aus dem Mittelfeld blass.

In Fachkreisen wird bereits gegrübelt: Wann schießt Geld denn endlich Tore? Der Trainer bleibt ruhig, versucht Team und Umfeld zu beruhigen, aber Schalke ist zu dieser Zeit ein Pulverfass. Der zweitteuerste Neuzugang José Jurado sitzt auf der Bank, ist noch ohne Spielminute. Magath will den talentierten Mittelfeldspieler erst ins Team integrieren, wenn es sich gefangen hat. Jurado wird wohl noch lange auf seinen ersten Einsatz warten müssen.

Die Krise ist perfekt - Niederlage gegen den BVB

Mitte September ist die Krise perfekt. Nach dem mutlosen Auftritt der Schalker im ersten Champions-League-Spiel bei Olympique Lyon (0:1), folgte der absolute Offenbarungeid. Vor eigenem Publikum verlor Schalke ausgerechnet gegen den Erzrivalen aus Dortmund mit 1:3. Die Derby-Niederlage hätte angesichts drei Dortmunder Alluminiumtreffer deutlich höher ausfallen können. Der Nachbar aus Dortmund spielte die Millionäre an die Wand, lies zu keiner Zeit den Zweifel zu, wer das Feld als Sieger verlassen würde.

Die Fans der Schalker waren so geschockt, dass sie ihr Team nicht einmal auspfiffen - zu schlecht war das Schalker Spiel, zu überlegen der Gegner. Viele krallen sich an das letzte Fünkchen Hoffnung. Der Niederländer Huntelaar traf kurz vor Schluss gegen den BVB und erzielte sein erstes Bundesliga-Tor. Bleibt für den S04 nur zu hoffen, dass zumindest bei ihm der Knoten geplatzt ist. Geld schießt bekanntlich Tore, die Frage bei Schalke ist nur, wann?

Marcel Waalkes, Marcel Waalkes

Marcel Waalkes - Mein Name ist Marcel Waalkes, 21 Jahre alt. Ich wohne in Bremen und studiere dort Journalistik. Ich habe praktische Erfahrungen bei ...

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