Die Stadt Thun im Berner Oberland gelegen, wird auch gerne das Tor zu den Alpen genannt. Das Gebiet um den Thunersee, ist besonders deutschen Fussballnostalgikern ein Begriff. Der Geist von Spiez und das damit verbundene "Wunder von Bern".
Gründung und erste Erfolge
Der Fussball Club Thun wurde im Jahre 1898 gegründet. Bis in die 50er Jahre dümpelte der FC Thun in der Bedeutungslosigkeit unterer Ligen herum. 1954 stieg man in die höchste Spielklasse der Schweiz auf, um ein Jahr später direkt wieder abzusteigen. 1955 erreichte der FC Thun, zum ersten und bis jetzt einzigen Mal, den Schweizer Cupfinal (Pokalfinale). Der damals berühmte FC La Chaux de Fonds (ausgesprochen: "la schod fon") war für die Thuner jedoch eine Nummer zu gross. Diese unterlagen mit 1-3. Aus jener Zeit gilt es den Thuner Spieler Heinz Schneiter hervorzuheben.
Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse
In den 90er Jahren entschloss man sich beim FC Thun, den Aufstieg in die Nationalliga B (heute Challenge League) anzustreben. Mit Stefan Marini wurde ein junger und profierfahrener Trainer engagiert. Zweimal war der FC Thun ganz nah dran, doch zum Aufstieg reichte es am Ende nicht. Also verpflichtete man als Trainer den ehemaligen Nationalspieler Andi Egli. Die Thuner schafften erneut die Aufstiegsspiele. Zuerst wurde Rennens nach Hin und Rückspiel besiegt. Dann kam es zum finalen Akt gegen den FC Tuggen, einen Provinzverein aus dem irgendwo der Deutschschweiz. In Tuggen verlor der FC Thun mit 0-1. 4800 Zuschauer kamen ins Lachenstadion um das Rückspiel zu sehen. In der 85. Minute schossen die Thuner das entscheidende 2-0. Als der Schiedsrichter schon auf die Uhr sah um das Spiel abzupfeiffen, lancierten die Tuggener noch einen letzten Angriff. Tatsächlich schossen sie das vermeintliche 2-1, doch der Schiedsrichter annulierte diesen Treffer. Niemand weiss bis heute weshalb. Ein Regelverstoss war offensichtlich nicht zu erkennen. Hätte der Treffer gegolten, wäre der FC Tuggen aufgestiegen. So war es jedoch der FC Thun, der den langersehnten Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse (Nationalliga B, heute Challenge League) schaffte.
Der unglaubliche Weg bis zu den Sternen
In der ersten Saison der Nationalliga B stieg der FC Thun beinah wieder ab. Der Rückstand ans rettende Ufer betrug teils über 10 Punkte. Das spezielle Spielsystem der Liga halbierte jedoch im Frühjahr den Rückstand. Bevor die Thuner sich aufmachten eine unglaubliche Serie zu starten, besiegten sie zunächst noch im Pokal den Rekordmeister und damaligen Tabellenersten der Nationalliga A, Grasshoppers Zürich, mit 2-1. Dieser Erfolg stärkte das Selbstvertrauen der unerfahrenen Truppe.
Im Jahre 2002 geschah etwas, mit dem niemand gerechnet hatte. Der FC Thun stieg in die höchste Spielklasse der Schweiz auf. Vor 5600 Zuschauern wurde der FC Winterthur mit 1-0 bezwungen. Bevor man überhaupt noch richtig begriffen hatte was hier geschah, erreichte das Team von Hans-Peter Latour (später kurz Trainer des 1. FC Köln) den sensationellen 2. Platz in der höchsten Spielklasse (2005). Nachdem man Dynamo Kiew und dann noch Malmö FF in der Qualifikation besiegt hatte, stand der FC Thun in der Gruppenphase der Champions League. 1997 hiess der Gegner noch FC Tuggen. 2005 hiessen die Gegner Arsenal London, Ajax Amsterdam und Sparta Prag. Das Fussball-Märchen war geschrieben.
Verlorene Millionen, Sex Skandal & Abstieg und erneuter Aufstieg
Es kam, wie es eben auch kommen kann. Die Championsleague-Millionen flossen in die "unendlichen Weiten des Irgendwo". Recherchen darüber, führten lediglich ins Land der Spekulation. Ein ehemaliger Spieler des FC Thun meinte später einmal vielsagend: "Die Championsleague hat dem FC Thun mehr geschadet als genutzt."
Im November 2007 erschütterte ein Sex-Skandal die Thuner Fussballandschaft. Einige Spieler aus dem damaligen Kader hatten sich an einer Minderjährigen vergangen. Diese Geschichte setzte den Verein in ein negatives Licht: Spielerentlassungen, Gerichtsverhandlungen und unangenehme Fragen liessen sportliche Belange in den Hintergrund rücken.
2008 verabschiedete sich der FC Thun aus der höchsten Schweizer Fussballklasse. Viele Experten rechneten nicht sobald mit einem Wiederaufstieg. Im folgenden Jahr beendete der FC Thun die Meisterschaft in der zweithöchsten Spielklasse (Challenge League) im Mittelfeld der Tabelle. Für die Saison 2009/2010 wurde der Ex-Internationale Murat Yakin verpflichtet. Niemand erwartete oder forderte gar den Aufstieg. Ohne Druck der Fans und der Vereinsleitung schaffte es der FC Thun überraschend, sich am Ende auf dem 1. Platz zu positionieren.
In der Saison 2010/2011 erreichte das Team den nicht erwarteten 5. Platz in der Super League. Der Lohn dafür: ein Platz in Europa. Der FC Thun hatte endgültig den Weg aus der Negativspirale hinaus gefunden.
Neues Stadion und das Hier & Heute
Am 11. Juli 2011 wurde das neue Stadion (Arena Thun) eingeweiht. Die schmucke Arena bietet 10.000 Zuschauern Platz. Bis zum heutigen Tag wurden bereits zwei Gegner besiegt. In der Europaleague-Qualifikation wurde Vllaznia Shkoder (ALB) mit 2-1 (Hinspiel 0-0) besiegt. Die Grasshoppers aus Zürich wurden mit einem 3-0 wieder an die Limmat zurück "geschwemmt". Zur Zeit steht der FC Thun also, nach zwei gespielten Runden in der neuen Spielzeit 2011/2012, an erster Stelle.
Die Zielvorgabe des neuen Trainers Bernhard Chalandes heisst jedoch Klassenerhalt. Doch wer weiss, was für wunderliche Dinge noch im Berner Oberland geschehen. Niemand kann sagen, was die Zukunft bringt, und niemand weiss was geschehen wäre, hätte damals der Schiedsrichter das Tor gegeben. Hat er aber nicht.
