
- Der TWE-Bahnhof in Lienen-Höste - Schmedt, Lienen in alten Ansichten, Nr. 88
Der erste Bauabschnitt der Lienener Dorfentlastungsstraße ist am 15. Juni 2011 nach mindestens 75 Jahren der Planung feierlich eingeweiht worden. Nur wenige Jahrzehnte mehr als die Umsetzung dieses Umgehungsprojektes gedauert hat, ist es nun her, dass eine andere Verkehrsverbindung auf Lienener Gebiet festlich eröffnet wurde: die Teutoburger-Wald-Eisenbahn – kurz TWE. Vor genau 110 Jahren wurde am 18. Juli 1901 der Streckenabschnitt Laer (heute Bad Laer) – Ibbenbüren eingeweiht.
Erste Planungen 1889
Bereits 1889 ist der Plan für die Anlage einer Bahnstrecke von Hörstel über Bevergern, Tecklenburg, Lengerich, Iburg, Dissen und Rothenfelde entlang des Teutoburger Waldes nachweisbar, nachdem bereits mehrere kleinere Nebenbahnen in der Region in Betrieb genommen worden waren. Das Kleinbahngesetz von 1892 schuf die rechtliche Grundlage für den Betrieb von Eisenbahnstrecken mit niedrigem technischen Standard, der die Baukosten enorm reduzierte. Nach zähen Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern wurde der Bau des ersten Streckenabschnitts der TWE – Gütersloh-Laer – Ende August 1899 begonnen. Am 1. November 1900 konnte der erste Zug auf dieser Etappe planmäßig verkehren. Währenddessen befanden sich die Bauarbeiten für den Weiterbau bis Ibbenbüren auf Hochtouren. Wegen der hügeligen Geländeverhältnisse war dieser Abschnitt um Tecklenburg, Brochterbeck und Iburg ungleich schwieriger zu bewerkstelligen. Die Gleisüberführungen auf der Strecke zeugen noch heute davon. Alle größeren Bahnhöfe erhielten ein massives zweigeschossiges Empfangsgebäude, während weniger bedeutende Stationen wie Lienen mit eingeschossigen kleinen Fachwerkbauten ausgestattet wurden.
Feierlicher Festakt am 18. Juli 1901
Der offizielle Festakt zur Einweihung des Streckenabschnitts Laer-Ibbenbüren wurde mit der Fahrt eines Fest-Sonderzuges am Donnerstag, dem 18. Juli 1901, begangen. Von Ibbenbüren fuhr der Zug über Brochterbeck, Tecklenburg, Lengerich, Höste, Lienen bis Iburg und nahm Festgäste auf. Die Ankunft in Laer erfolgte um 10.30 Uhr. Ein weiterer Zug aus der anderen Richtung beförderte die zwischen Gütersloh und Laer wartenden Festteilnehmer. Ein in Laer eingesetzter Sonderzug brachte um 11.00 Uhr alle Festgäste zurück nach Iburg, wo ein gemeinsames Frühstück eingenommen wurde. Von dort ging es zunächst nach Ibbenbüren, weiter zum Hafen des Dortmund-Ems-Kanals bei Dörenthe und schließlich nach Tecklenburg, wo im Hotel „Zu den Drei-Kronen“ ein Festmahl serviert und die Burgruine besichtigt wurde. Das Infanterie-Regiment Nr. 78 aus Osnabrück sorgte für den musikalischen Rahmen während der Fahrt und bei der Festtafel. Für die Rückreise wurden wiederum Sonderzüge für beide Richtungen bereitgestellt.
Ernst von Wedel – Gegner der TWE
Doch der Bau der TWE hatte nicht nur Befürworter. Keinem Geringeren als dem damaligen Bewohner des Gutes Hohenfelde, Graf Ernst von Wedel, der als „Schelm von Lienen“ durch das Buch des Schriftstellers Friedrich Kipp unsterblich geworden ist, war dieses moderne Transportmittel, das jeden Tag laut bimmelnd an seinem Gutshaus vorbeifuhr, ein Dorn im Auge. Deshalb ärgerte er den Lokomotivführer, wo er nur konnte. Als sich beide wieder einmal am Lienener Bahnhof trafen und abermals trefflich stritten, schaffte es der Graf anschließend, den Zug auf der Strecke zum Anhalten zu bringen, indem er mit seinem Pferd seelenruhig die Gleise blockierte. Doch auch „Graf Ernstken“, wie von Wedel genannt wurde, konnte den Fortschritt nicht aufhalten.
Literatur
- Högemann, Josef, Die Teutoburger Wald-Eisenbahn, Nordhorn 1997.
- Schmedt, Friedrich, Der Schelm von Lienen auf Gut Hohenfelde. Aus der Geschichte des ehemaligen Bauernhofs Upmeyer, in: Unser Kreis 1988. Jahrbuch für den Kreis Steinfurt, Bd. 1, S. 20-23.
- Schmedt, Friedrich, Lienen in alten Ansichten, Zaltbommel/NL 1978.
