Feigen-Kakteen liefern Gemüse, Salat, Obst & Öl

Opuntien bilden wohlschmeckende Scheinfrüchte und Scheinblätter

Feigenkakteen bilden als Früchte Kaktusfeigen - Dr. Gerald Albach
Feigenkakteen bilden als Früchte Kaktusfeigen - Dr. Gerald Albach
Und ewig lockt die Kaktusfeige: Opuntia gehört zu den ältesten Nutzpflanzen-Gattungen der Welt, die derweil wild in Deutschland wächst - für Hauptspeise und Nachspeise.

Der Mensch lebt nicht vom Affenbrot allein, besonders mexikanische Menschen leben deshalb auch von verschiedenen Nutzkakteen in äußerst verschiedener Weise: Hungermäuler bereichern ihre Maisfladen namens Tortillas gerne mit Kakteensprossen namens Nopalitos, Schnapsdrosseln berauschen sich gerne mit Kakteen-Likör namens Copil und Freaks bedröhnen sich gerne mit ihrem heiligen Rauschkaktus namens Peyotl. Während der berauschende Peyotl aus der Kakteen-Gattung Lophophora kommt, werden Nopalitos und Copil aus Kakteen der Kakteen-Gattung Opuntia hergestellt. Mit momentan knapp 200 Opuntia-Arten gehören die Opuntien zu den artenreichsten Kakteen-Gattungen innerhalb der Kakteengewächse (Cactaceae).

Feigen-Kakteen wachsen weltweit und haben als Kulturpflanze 3000 Jahre auf den Dornen

Neben Agaven und Mais sind die Opuntien die ältesten Kulturpflanzen Mexikos, schon die Azteken schätzten die Feigenkakteen als Ackerfrucht, man vermutet dass der Feigenkaktus Opuntia ficus-indica bereits 3000 bis 8000 Jahre als Kulturpflanze auf seinen stacheligen Dornen hat. So ist es nicht ungewöhnlich, dass Mexiko als einziges Land der Welt einen Feigenkaktus im Staatswappen führt. Opuntia ficus-indica wird mit seinen Sorten und Varietäten als einzige Art weltweit angebaut, Mexikaner bauen jedoch noch zusätzlich Opuntia amyclaea an und ernten die Feigenkaktus-Früchte wild wachsender Arten wie Opuntia megacantha und Opuntia joconostle. Auch in Deutschland können die blattartigen Flachsprosse von Opuntia ficus-indica angebaut werden, auch in Deutschland gibt es mittlerweile wild wachsende Opuntien: So wächst der winterharte Feigenkaktus Opuntia humifusa als Neophyt am Kaiserstuhl und im hessischen Lahntal. Der englisch als Eastern Prickly Pear bezeichnete Opuntia humifusa besitzt essbare Feigenkaktus-Früchte und "Blätter".

Scheibenkakteen-Kleister - Feigenkakteen haben als Scheibenkakteen keine Blätter

Die Gattung Opuntia ist nach einem geheimnisumwitterten Gewächs in der Nähe der griechischen Stadt Opus benannt, welches Theophrast beschrieb und Plinius der Ältere opuntia nannte. Später glaubte man nach der Entdeckung Amerikas die geheimnisvolle griechische opuntia wieder entdeckt zu haben, eine Pflanze die aus den Blättern Wurzeln treiben konnte - doch das war leider falsch: Opuntien treiben zwar Wurzeln, die fleischigen "Blätter"-Scheiben der Scheibenkakteen sind aber botanisch gesehen Platykladien oder Kladodien, es sind umgewandelte flache blattähnliche Blattdornen. Opuntien bilden wie alle Kakteen Blattdornen statt Blätter aus, nur wenige ursprüngliche Kakteen-Arten wie Pereskia bilden noch echte Laubblätter aus. Doch die meisten Menschen lässt das vollkommen kalt, gegessen wird, was auf den Tisch kommt, die flachen Kakteensprossen namens Nopales vom Feigenkaktus Opuntia ficus-indica kommen weltweit als Nopalitos auf den Tisch - zur Hauptspeise als Salat oder Gemüse: Als Nachspeise werden die süßen Früchte der Feigenkakteen gereicht.

Scheinfrüchte - wenn die Kaktusfeige uns eine Beere aufbindet

Manche Kakteenfrüchte wie zum Beispiel die gelben Pitahayas sind Scheinfrüchte, weil man in Feinkostläden ungefähr einen Fünf-Euro-Schein pro Stück berappen muss, anders verhält es sich bei den bis zu etwa 12 Zentimeter langen und breiten Kaktusfeigen der Feigenkakteen, die von den Azteken Tuna genannt wurden. Die billigeren aber nicht weniger schmackhaften Früchte des Feigenkaktus Opuntia ficus-indica bezeichnet man auch als "westindischen Feigen", da sie an mediterrane Feigen erinnern, oder man beschreibt ihre 5 bis 8 Zentimeter langen Früchte als stachlige birnenförmige "Beerenfrüchte". Kakteen bilden aber nur Scheinfrüchte aus, die so genannten "Beeren" werden nicht nur ausschließlich aus der Wand des unterständigen Fruchtknotens gebildet, sondern auch aus unfertilen Achsengewebe, welches ganz normale Schuppenblätter bilden kann. Pericarpell nennt man das speziell bei Kakteen gebildete Gewebe aus dem unteren Teil des Achsenbechergewebes und des Fruchtknotens. Doch die meisten Menschen lässt das vollkommen kalt, gegessen wird, was in der Kaktusfeige steckt, je nach Feigenkaktus-Sorte leuchtet das Fruchtfleisch gelb, orange oder rot dem Feinschmecker entgegen und schmeckt angenehm süß-säuerlich. Als Dreingabe stecken noch etwa 300 essbare Samenkerne in der Frucht, aus welchen mittlerweile edles Kaktusfeigenkernöl für Ernährung und Kosmetik gewonnen wird.

Systematik

Abteilung: Magnoliophyta – Bedecktsamer

Klasse: Rosopsida – Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige

Unterklasse: Caryophyllidae – Nelkenähnliche

Ordnung: Caryophyllales – Nelkenartige

Familie: Cactaceae – Kakteengewächse

Unterfamilie: Opuntioideae – Feigenkakteen

Tribus: Opuntieae

Gattung: Opuntia - Feigenkaktus

Weiterführende Literatur:

  • Einen tieferen Blick unter die Hypodermis der Kakteen gewährt in englischer Sprache das Buch: "Cacti: biology and uses" von Park S. Nobel.
  • Über die Verwendung von Opuntien als Tierfutter informiert sie in englischer Sprache das Buch "Cactus (Opuntia spp.) as Forage" aus der Reihe der Plant Production and Protection Paper der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen.
Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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