Der Fußbaltrainer Felix Magath ist am 16. März 2011 bei Schalke 04 ausgeschieden und stand zwei Tage später schon wieder beim VfL Wolfsburg auf dem Platz und hat dort das Training geleitet. Vormittags hatte er seinen neuen Vertrag bis 2013 unterschrieben um nachmittags bereits die Profis des VW-Clubs, den er zwei Jahre zuvor zur Deutschen Meisterschaft geführt hatte, wieder zu betreuen. Wie ist dieses Tempo zu erklären? Und warum wurde ausgerechnet Magath verpflichtet?
Der Tabellenplatz
Der VfL Wolfsburg steht im Augenblick auf dem vorletzten Tabellenplatz und befindet sich damit in der Bundesliega auf einem Abstiegsplatz. Wie verlautet, gilt zwar Magaths Vertrag auch für die 2. Liga, aber natürlich will der VW-Konzern einen Abstieg aus Imagegründen unbedingt vermeiden. Geld scheint in diesem Fall nicht die entscheidende Rolle zu spielen, sondern man hat in Felix Magath den Mann gesehen, der vielleicht noch das Ruder herumreißen kann. Deshalb hat man ihn mit sämtlichen Kompetenzen ausgestattet und den bisherigen Geschäftsführer Dieter Hoeneß wie auch den Trainer Pierre Littbarski, beides auch ehemalige Nationalspieler, abgelöst. Warum wird seitens der Club-Leitung, also des Aufsichtsrats angenommen, dass Magath diese Aufgabe stemmen kann?
Felix Magath - der Trainer und Mensch
Er gehört zu den Trainern, die dafür bekannt sind, dass sie sehr hart trainieren lassen und auf Fitness ausgesprochen viel Wert legen. Nicht umsonst hat er den Spitznamen Quälix. Seine Methoden, mit Medizinbällen und Bergläufen die Spieler an die Grenzen ihrer Leistung zu bringen, sind legendär. Wer in seinen Augen nicht aktiv mitmacht, wird gerne zu Liegestützen gebeten oder auch ausgetauscht. Er ist ein Trainer, der nicht viele Worte macht und sich Respekt verschafft. Weshalb ist er so wie er sich gibt?
Magath wurde in Aschaffenburg geboren, einer bayerischen Provinzstadt an der Grenze zu Hessen. Er stammt aus kleinen Verhältnissen, der Vater ist Porturicaner und war bei der US-Army. Er hat Deutschland früh verlassen und Felix, der mit erstem Vornamen Wolfgang hieß, wuchs bei der Mutter auf. Um es von dort, wo er herkam bis in die Fußball-Bundesliga und die Deutsche Nationalmannschaft zu schaffen, muss es ein hartes Stück Arbeit gewesen sein. Außerdem ist er einer der wenigen, die es als Spieler wie auch als Bundesliga-Trainer zu Meisterschaftsehren gebracht haben.
Seine Vorbilder
Entscheidend für seine Trainingsphilosophie waren sicherlich die beiden Trainer Ernst Happel und Branco Sebec. Sie galten ebenfalls als sehr harte Übungsleiter, die bei manchen Spielern durchaus gefürchtet waren, aber eben auch Erfolge vorweisen konnten. Dieser von ihnen propagierte Offensivfussball erforderte viel Laufbereitschaft und Fitness. An diese Tradition knüpft Magath an. Außerdem gibt er sowohl jungen wie auch älteren Spielern überraschend Chancen und hat beim Einwechseln öfter eine glückliche Hand bewiesen.
Wird er zum Retter?
Auffallend in der Trainer-Karriere von Felix Magath sind zwei Fakten: Einmal, dass er so gut wie immer im Rhythmus von nur zwei Jahren in der Bundesliga den Verein gewechselt hat und dass er fast immer dann eingestellt wurde, wenn die Mannschaft abstiegsgefährdet war. Er hat sich nie gescheut, ganz schwierige Aufgaben zu übernehmen und hat sie dann tatsächlich auch gemeistert. Ob ihm das jetzt wieder beim VfL Wolfsburg in der Saison 2010/11 gelingt, wird sich in den ausstehenden Spielen zeigen. Der Abstand zu den anderen Mannschaften im unteren Drittel der Bundesliga-Tabelle ist jedenfalls noch nicht so groß, als dass dieses Ziel nicht erreichbar wäre.
Und tatsächlich, am letzten Spieltag hat seine Mannschaft, zwischenzeitlich auf einem Abstiegsplatz, doch noch aus eigener Kraft durch einen 3:1 Sieg in Hoffenheim den Verbleib in der 1. Bundesliga geschafft. Felix Magath, sein Vorname bedeutet der Glückliche, war noch nie mit einer Mannschaft abgestiegen, aber dieses Mal hat er wirklich besonderes Glück gehabt.
