Felix Sturm und Martin Murray boxen um die WM auf Sat1

Felix Sturm in Ringaction - BoxingPress
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Profiboxen: der Sturm Boxkampf gegen Murray, die Weltmeisterschaft um den WBA-Superchampion-Titel im Mittelgewicht. Der Vorbericht zum Fight.

Boxen auf Sat1: Felix Sturm (32) verteidigt am 2. Dezember 2011 seinen WBA-Weltmeistertitel des Superchampions in der Mannheimer SAP-Arena gegen den ungeschlagenen Engländer Martin Murray (29). Und Sat1 wird den WM-Boxkampf wieder einmal mit viel Punk und Pomp live ab 22.15 Uhr in die Haushalte übertragen. Schließlich ist der Deutsche das einzige Boxaushängeschild des Fernsehsenders und soll für hohe TV-Quoten sorgen. Wohl deshalb werden Sturm und Sat1 nicht müde, ständig den vermeintlichen Legenden- und Superstarstatus ihres Hauschampions zu betonen.

Boxen: Felix Sturm kämpfte schon viele Weltmeisterschaften

Unbestritten: Felix Sturm zählte einst zu den hoffnungsvollsten Boxern in Deutschland. Als Ersatzgegner kurzfristig für seinen verletzten Stallkollegen Bernd Schenk eingesprungen holte er sich 2003 die WBO-Weltmeisterschaft. In den USA lieferte der als Adnan Catic geborene Bosnier 2004 dem „Golden Boy“ und mehrfachen Boxchampion Oscar De la Hoya einen sensationellen Kampf und musste sich nur durch ein umstrittenes Punkturteil geschlagen geben. 2007 fightete er sich in der Revanche gegen Javier Castillejo zurück und gewann den WBA-Titel im Mittelgewicht. Doch seit Sturm 2010 von der WBA mit dem fragwürdigen Titel des Superchampions bedacht wurde, stagniert seine Boxkarriere.

Felix Sturm: Superweltmeister und Boxlegende im Mittelgewicht?

Dabei wollte Felix Sturm nach eigenen Aussagen als Superweltmeister mit einem exklusiven Fernsehvertrag im Rücken ausschließlich die Besten seiner Zunft boxen. Leider folgten den vollmundigen Ankündigungen bislang wenig Taten. Sturms letzte Kämpfe gegen mehr oder weniger handverlesene Gegner verliefen zumindest auf dem Papier nur noch gut genug, um viele Boxzuschauer zu blenden, aber ein Platz neben wahren Mittelgewichtslegenden wie Sugar Ray Robinson, Carlos Monzon, Thomas Hearns oder Marvin Hagler konnte er sich mit seinen Ringvorstellungen nicht ergattern.

Vom Superchampion zum Papierchampion: Felix Sturm

Bei seiner letzten Titelverteidigung gegen Matthew Macklin benötigte Felix Sturm gar die Hilfe der Punktrichter, um Weltmeister zu bleiben. Selbst in „Schlag den Star“ glänzte er lediglich als Nullnummer und wurde von einem Kandidaten besiegt, ohne ein Spiel gewonnen zu haben. Felix, den Glücklichen, scheint das Glück verlassen zu haben, und er versucht mit allen Mitteln dagegen zu steuern. Seine gelungenste Maßnahme dabei: das Angebot eines Rematches an Macklin, das dieser wegen der zu geringen Börse dankend ablehnte. Peinlich hingegen Sturms unberechtigte Kritik an Schwergewichtsboxer Axel Schulz, der als Co-Kommentator den Superweltmeister in der Begegnung gegen Macklin nicht als klaren Sieger sah. Konsequenz: Schulz wird jetzt von Exweltmeister Markus Beyer abgelöst.

Sturm, der Leonidas: Krieger, Läufer oder Schokoladenliebhaber?

Ebenfalls ein Indiz für Sturms glückloses Auftreten: sein neuer Kampfname „Leonidas“, mit dem er Eindruck schinden möchte, doch von Boxexperten ausschließlich Gelächter und Unverständnis erntete. Denn: nennt sich Sturm Leonidas, weil er dem löwengleichen Spartaner nacheifern möchte, der am Ende in einer aussichtlosen Schlacht als Verlierer unterging? Oder: Böse Zungen behaupten, dass „Leonidas“ sich auf den gleichnamigen Läufer von Rhodos bezieht und spielen damit auf Sturms Davonlaufen vor sportlich anspruchsvollen Gegnern an. Vielleicht ist der Kampfname aber auch nur Ausdruck von Sturms Geschäftskalkül und er betreibt just Schleichwerbung für den Schokoladenhersteller „Leonidas“?

Felix Sturm gegen Martin Murray - Boxweltmeisterschaft als Wiedergutmachung?

Gegen den eher unbekannten Murray jedenfalls will Sturm sich von seiner Schokoladenseite zeigen und sein angekratztes Image aufpolieren. Einmal mehr hat sich der Deutsche mit dieser Gegnerwahl allerdings wenig Gefallen getan. Selbst Boxinsidern ist der Engländer auf Anhieb kein geläufiger Begriff, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass Murray ein Aufbaugegner, ein „Boxer, der mit Verlieren Geld verdienen will,“ ist. Im Gegenteil: Der Mann von der Insel ist unbequem und nicht zu unterschätzen. Geht man allein nach seinem Boxrekord verfügt der ungeschlagene Murray zwar nicht über die gefährliche Schlagkraft (nur 10 KO bei 23 Siegen), um Felix Sturm (39 Kämpfe, 15 durch KO, 36 Siege, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden) gefährden zu können, doch hinter den statistischen Kulissen sieht die Sache ein bisschen anders aus.

Sturm steht gegen Murray vor einer schweren Aufgabe

Murray verfügt über eine lange Amateurboxerfahrung, gewann als Profi ein gut dotiertes Preiskämpfer-Turnier und hat boxerisch durchaus was auf dem Kasten. Der Engländer boxt technisch sauber und auf der Innenbahn. Seine Führhand ist gut, seine Schlaghand und seine Kombinationen kommen gerade. Überdies sollte Murray (1.83 m) körperlich stärker als der Deutsche sein. Während Sturm (1.81 m) stets das Mittelgewichtslimit brachte, boxte Murray schön öfter im Supermittelgewicht. Erst seit 2010 klettert der englische Boxer als Mittelgewicht mit etwas über 72 Kilogramm in den Boxring.

Sturm oder Murray? Welcher Boxer gewinnt die Weltmeisterschaft?

Die Erfahrung lehrt, dass es für den Herausforderer immer schwerer ist nach Punkten zu gewinnen als für den Champion. Erst recht, wenn der Meisterboxer Heimbonus hat und vom Boxverband und Fernsehsender „protegiert“ wird. Da Murray nicht für seine Schlaghärte bekannt ist, steht ein ähnlicher Kampfverlauf wie bei Sturm gegen Macklin zu befürchten. Wobei Murray boxerisch stärker und unberechenbarer einzuschätzen ist als sein erfolgloser Landsmann. Gegen einen Mann wie Murray kann Sturm also nur verlieren und wenn er in Mannheim keine vernünftige Beinarbeit an den Tag legt und sich nicht auf solides technisches Boxen besinnt, wird er das auch.

Nachlese zu Felix Sturm gegen Martin Murray

Beide Boxer lieferten sich ein enges und ausgeglichenes Gefecht. Sturm wirkte explosiver und schneller, Murray zeichnete sich durch beständige Workrate aus. Das offizielle, aber zum Teil auch umstrittene Urteil: Unentschieden! Der französische Punktrichter sah den Kampf 116:112 zugunsten des Superchampions, der Amerikanische wertete 113:115 und Kampfrichter Pasquale Procopio entschied sich für 114:114.

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Felix Sturm gegen Sebastian Zbik - Boxen um die WM im Mittelgewicht

Quelle: Boxdatenbank "BoxRec"

Marco Theuer, Boxjournalist, Sportautor

Marco Theuer - Marco Theuer, Jahrgang 1972, Sportautor und Boxjournalist war selbst jahrelang aktiver Boxer und Leistungssportler. Als Landesmeister und ...

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