"Fenster zum Sommer" - Starttermin: 3. November 2011

Hauptplakat Fenster zum Sommer - Prokino
Hauptplakat Fenster zum Sommer - Prokino
Hendrik Handloegten hat einen Liebesfilm mit viel Fantasie gedreht. Auch der Zuschauer muß davon einiges investieren. Nina Hoss aber ist sehenswert.

Für "Fenster zum Sommer" sollte der Kinobesucher nicht nur eine Vorliebe für Liebes- und Beziehungsfilme, sondern auch für Rätsel mitbringen. Die ausdrucksstarke Präsens von Nina Hoss kriegt er dann noch dazu, ebenso die schönen Bilder von Kameramann Peter Przybylski.

"Fenster zum Sommer" spielt in Finnland und Deutschland

Die Eröffnungssequenz des Films ist optisch stimmungsvoll - eine lange gerade Straße, die durch scheinbar endlose Nadelwälder führt. Ein Paar im Auto. Juliane (Nina Hoss) und August (Mark Waschke). Es ist Sommer in Finnland. Ein glückliches Liebespaar auf dem Weg zu ihrem Vater. Juliane schläft in den Armen von August ein. Als sie aufwacht, befindet sie sich in Berlin, in ihrer ehemaligen Wohnung. Es ist Winter und ihr Ex-Freund Philipp (Lars Eidinger) erinnert sie an einen gemeinsamen Geschäftstermin. Beide arbeiten in der selben Firma, Juliane als Übersetzerin für Finnisch - ihr Vater ist Finne. Was ist los?

Ein Verwirrspiel um Schicksal und den Faktor Zeit beginnt

Juliane ist offensichtlich um einige Monate zurückgeworfen worden. In ihrer Verwirrung sieht sie das so eben Erlebte als Traum und sie macht sich auf einen neuen Weg in die Zukunft. Sie kennt Gespräche im voraus und sucht August, aber der kennt sie nicht. Ihre Freundin und Kollegin Emily versteht sie nicht. Aber da Emily Männer sowieso kaum versteht, beziehungsweise immer an die Falschen gerät, kann sie ihrer Freundin auch nicht helfen. Einzig Otto (Lasse Stadelmann), Emilys kleiner Sohn scheint zu verstehen, was Juliane umtreibt. Eine zweite Chance suchen, mit der Kenntnis des Vergangenen. Die Prioritäten neu setzen und die dann auch vertreten. Der zweite Anlauf wäre der entscheidende, weil Juliane dann viel weiter ist, als beim ersten Anlauf. Emily ist chaotisch, aber selbstironisch und steht durch die Liebe zu ihrem Sohn emotional viel gefestigter da, als Juliane. Diese muß lernen, mehr Distanz zu ihrer eigenen Rationalität zu gewinnen.

Mit "Fenster zum Sommer" mutet Hendrik Handloegten dem Zuschauer einiges zu

Es kommt zu einem guten Ende, auch wenn das nicht alle Beteiligten trifft. Aber es ist schon eine schwere Kost, die Regisseur und Autor Hendrik Handloegten dem Kinobesucher zumutet. Die verschiedenen Erzählebenen, die zwei Chancen im Leben einer jungen Frau beleuchten, ausloten, vergleichen beziehungsweise neu durchleben lassen. Einmal ist die Figur der Juliane unwissend, einmal wissend. Das Konzept ist als Experiment angelegt. Allerdings läßt es den Zuschauer ziemlich verwirrt zurück. Man sollte einen Sinn für derartige Experimente mitbringen und Freude am Lösen von Rätseln.

Die Darsteller spielen tapfer gegen das Konzept an. Ihnen kann man keinen Vorwurf machen, ebenso wenig dem Kameramann Peter Przybylski, der wirklich schöne Bilder liefert. Da sind die warm ausgeleuchteten Sommer-Aufnahmen aus Finnland und als Gegenpart die kalt wirkenden Sequenzen aus dem winterlichen Berlin. Nina Hoss ist auf beiden Erzählebenen sehenswert - wie gewohnt. Immerhin etwas.

"Fenster zum Sommer"

Deutschland/Finnland 2011

Buch und Regie: Hendrik Handloegten

Kamera: Peter Prybylski

Produktion: Maria Köpf

Musik: Timo Hietala

Darsteller: Nina Hoss, Mark Waschke, Lars Eidinger, Fritzi Haberland, Lasse Stadelmann

Quellen:

- Internet Movie Database: Fenster zum Sommer

- Pressezugang Prokino

Heinz-Jürgen Rippert, Blende11, Hamburg

Heinz-Jürgen Rippert - Jahrgang 1954, absolvierte ich den zweiten Bildungsweg bis zum Abitur in Braunschweig. Davor fuhr ich zwei Jahre als Marinesoldat zur ...

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