Das Thema ist brennend aktuell – und dies nicht nur, weil gerade in der dritten Oktoberwoche 2008 der Deutsche Bundestag das Mandat für den ISAF-Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan um fünfzehn Monate verlängert hat. Die Bundeswehr führt, auch wenn dieses Wort von Militärs wie von Politikern gescheut wird wie vom Teufel das Weihwasser, am Hindukusch Krieg. Mag sein, dass sie damit Deutschlands Freiheit verteidigt – auf jeden Fall auf Kosten des Lebens und der Gesundheit deutscher Soldaten. Seit 1996 sind allein 700 deutsche Soldaten an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) erkrankt.
"Willkommen zuhause" von Christian Pfannenschmidt thematisiert kriegsbedingte Traumata
Der Film "Willkommen zuhause", für den Drehbuchautor Christian Pfannenschmidt vier Jahre lang recherchiert hat, spricht nicht von den Toten, sondern von denen, die überlebt haben. Überlebt haben sie nicht allein den normalen Wahnsinn eines Krieges gegen einen meist unsichtbaren Feind, sondern Anschläge und kriegerische Überfälle. Dabei gibt es äußere Verletzungen, mehr aber noch posttraumatische seelische Verletzungen. Die Amerikaner kennen dies seit dem Vietnam-Krieg, und das Thema ist literarisch wie im Film und Fernsehen umfassend behandelt worden.
In Deutschland aber ist dieses Thema bislang tabu. Wie viele Soldaten davon betroffen waren und sind, weiß vielleicht am besten Oberstarzt Karl-Heinz Besold vom Bundeswehrkrankenhaus in Hmburg-Wandsbek. An seiner psychiatrischen Abteilung werden solche seelischen Verletzungen der Posttraumatischen Belastungsstörung PTBS behandelt. Der Oberstarzt hat darüber auch schon Bücher geschrieben, die natürlich nur in der Fachwelt Beachtung gefunden haben
Die Krankheit PTBS kommt mit Verzögerung und bedingt eine langwierige Behandlung
Das besondere Problem dieser seelischen Erkrankung: Die Betroffenen gestehen sich und ihrer zivilen und militärischen Umwelt diese Erkrankung erst einmal nicht ein. Zum einen in der Angst, stigmatisiert zu werden, zum anderen natürlich in der durchaus berechtigten Furcht, berufliche Nachteile zu erleiden. PTBS ist seine Stressreaktion nach schwerwiegenden bedrohlichen Erlebnissen wie Krieg, Gewalt, Unfällen oder Katastrophen. Sie setzt oft mit Verzögerung ein und ist unabhängig von der vorherigen psychischen Stabilität des Erkrankten. Sie äußert sich in Schlafstörungen, Albträumen, Lethargie, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit oder Panikattacken. Die Schreckensbilder und -erinnerungen kehren als “Flashbacks“ immer wieder. Ausgelöst wird das durch Geräusche, Gerüche oder visuelle Reize. In der Folge erlebt der Kranke mit Atemnot und Herzrasen die emotionale Ursprungssituation wieder. Die Behandlung kann Monate dauern. Anschließend muss der Patient beruflich und familiär wieder eingegliedert werden. Die Bundeswehr hat zwischen 1996 und 2006 700 Soldaten mit solchen Symptomen behandelt.
Film "Willkommen zuhause" will Bewusstsein für das Leiden durch PTBS stärken
Der Film “Willkommen zuhause“ mit Ken Duken (als Störtebeker einem breitem Publikum bekannt geworden) thematisiert – vielleicht viel zu harmlos - dieses Problem. “Krieg ist immer mit unbeschreiblichem Leid verbunden, für alle, die daran teilnehmen müssen“, sagt Regisseur Andreas Senn. Und dafür wolle er ein neues Bewusstsein schaffen.
“Willkommen zuhause“ mit Ken Duken, 23. Oktober 2008, 20.15 Uhr, im Ersten
