Sowohl für Hausbauer als auch für Mieter in Stadtgebieten, in denen nur Fernwärme, aber keine Erdgasanschlüsse verfügbar sind oder über Stadtverordnungen die Nutzung der Fernwärme vorgeschrieben wird, stellt sich die Frage, ob diese Energieoption für den Verbraucher günstiger oder teurer ist als das Heizen mit Erdgas oder Heizöl.
Fernwärme kurz erklärt
Wer sein Haus an die Fernwärme der Kommune anschließt, erhält warmes Wasser von kommunalen oder auch privaten Heizwerken, die dieses in der Regel mit Erdgas erzeugen oder bei denen Fernwärme als Abfallprodukt bei der Stromerzeugung anfällt. Im eigenen Haus wird daher keine eigene Heizanlage und auch kein Vorratsbehälter für die Speicherung von erwärmtem Wasser benötigt. Es besteht lediglich kleiner Platzbedarf für den Anschluß und die Verbrauchsableseeinrichtungen. Die Wartung kann normalerweise bei den zuständigen Stadtwerken per Servicevertrag abgeschlossen werden.
Kosten der Fernwärme
Die Kosten für die Fernwärme setzt sich zusammen aus dem sogenannten Anschlußwert, der bei einem Einfamilienhaus ab 5 kW anfängt. Je nach Verbrauchsverhalten kann aber auch ein Wert von 10 kW und mehr anfallen. Für diesen Anschlußwert fällt eine jährliche Gebühr pro kW an, der sogenannte Grundpreis.
Darüberhinaus wird der tatsächliche Verbrauch berechnet, der für ein Einfamilienhaus zum Beispiel zwischen 8.000 kWh und 15.000 kWh liegen kann. Wird die Fernwärme mit Gas erzeugt, ist der Preis pro kWh an den Ölpreis gekoppelt (wie der Erdgaspreis auch) und kann jährlich variieren. Als Anhaltspunkt kann die herstellerunabhängiger Informationen zur Fernwärme verwendet werden: Hiernach beträgt der Preis im Durchschnitt (gewichtet) 57,68 Euro pro Megawattstunde in Deutschland. Bei einem Verbrauch von zum Beispiel 10.000 MWh
Vergleich der Kosten der Fernwärme mit Erdgas
Bei der Betrachtung der Gesamtkosten der Fernwärme im Vergleich zum Heizen mit Erdgas ist für den Hauseigentümer nicht nur der Vergleich der Verbrauchskosten interessant, sondern auch die Ersparnis in eigene Heiz- und Brenneranlagen. Ein entsprechender Vergleich der Vollkosten fällt daher in der Regel für die Fernwärme positiv aus.
Für den Mieter dagegen ergibt sich durch die Einsparung der Heizanlagen nicht unbedingt ein Vorteil, denn er zahlt nur die Verbrauchskosten, die aber bei Fernwärme untrennbar mit den Kosten der Anlagen der Wärmeerzeugung verbunden sind. Für den Mieter lohnt sich daher vor Anmietung einer Wohnung, zu prüfen, welche Nebenkosten für ihn genau mit der Nutzung der Fernwärme verbunden sind. Gleiches gilt, wenn der Vermieter von Erdgasheizung auf Fernwärme umstellt, eine Umstellung, die der Mieter laut aktueller Rechtsprechung zu dulden hat, auch wenn eine Steigerung der Nebenkosten damit einher geht. Mietrechtsanwälte schlagen vor, dass bei Wohnungen mit Fernwärme, wo gegebenfalls höhere Nebenkosten anfallen, die Miete niedriger sein sollte als bei einer Wohnung mit Erdgasheizung.
Die oben beschriebenen Szenarien dienen lediglich als Anhaltspunkt. Die Situation hängt im Einzelfall immer von den lokalen Kosten, der Energieeffizienz des Gebäudes und dem persönlichen Verbrauchsverhalten ab, so dass man keinesfalls sagen kann, dass Fernwärme im Vergleich für den Mieter immer kostspieliger ist. Alte Heizungen, die durch Fernwärme ersetzt wurden, arbeiteten gegebenfalls sehr ineffektiv und verursachten hohe Kosten. Bei vielen Neubauten von Mehr- und Einfamilienhäusern in Gebieten mit Fernwärmeversorgung stehen zudem außer der Fernwärme keine weiteren Heizoptionen zur Verfügung.
