Fesselnde Geschichten schreiben – der Ups-Effekt

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Lassen Sie den Leser Zeit und Raum vergessen. Erfahren Sie Tricks, wie man Stories mit dem "Ups-schon-so-spät-Effekt" schreibt. Mit Schreibübungen!

Ein wichtiger Aspekt jeder Geschichte ist die Nähe, die der Autor zu seinen Figuren und den Ereignissen aufbaut. Anfänger schreiben oft distanziert, leblos und damit langweilig. So bringen sie keinen Leser dazu, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. Was aber ist das Geheimnis solcher Autoren wie J. K. Rowling oder Stephenie Meyers?

Der Einstieg in die Geschichte

Alles beginnt mit dem Haken, einem Aufhänger, der den Leser mit den ersten Sätzen gefangen nimmt.

"An diesem Morgen ging ich auf meine Beerdigung."

In diesem Fall braucht es acht Worte, um den Leser zu einer Reise einzuladen. Kein Mensch wohnt normalerweise seiner eigenen Beerdigung bei. Sofort poppt die Frage im Kopf auf: Wieso der Protagonist? Der Leser will mehr erfahren und muss weiterlesen.

Es gilt also, die ungewöhnliche Idee spannend umzusetzen. Gerade Anfänger machen den Fehler, dem Leser lange Beschreibungen der Szene zu liefern. Das führt aber nur zu Langeweile. Die erste Regel von Spannung lautet: Handlung!

Ausarbeitung der Charaktere

Die Handlung wird von starken, ungewöhnlichen Charakteren vorangetrieben und genau diese sind das Salz jeder Geschichte. Die Personen sollten mehrdimensional sein. Ein einfaches, aber effektives Mittel ist es, mit Klischees zu arbeiten, die man um gegensätzliche Merkmale ergänzt. Der Metzger ist grobschlächtig und romantisch. Die Nonne ist gläubig und arbeitet doch als Hure. Die Mutter liebt ihre Kinder, aber schlägt sie. Wieder die Frage nach dem Warum!

Bevor man das erste Wort schreibt, sollte man sich wenigstens mental Notizen über folgende Punkte machen:

  • Welche Licht- und Schattenseiten hat der Hauptcharakter?
  • Wie entwickelt er sich im Verlauf der Handlung?

Visualisierung

Eine Geschichte lebt von der Lebendigkeit, mit der sie vorwärts getrieben und erzählt wird. Visualisieren bedeutet, genau hinzuschauen und Einzelheiten zu entdecken – allerdings die richtigen Einzelheiten.

Für Anfänger gibt es dazu eine Übung. Zunächst schaut man sich ein Foto, das zwei oder mehr Menschen zeigt, einige Minuten intensiv an. Dann legt man es weg und listet alle Dinge auf, die einem einfallen. Dabei kristallisiert sich heraus, welche Details einem zuerst einfallen und demnach wichtig sind. Aber interessant ist es auch, näher zu beleuchten, woran man sich gar nicht mehr erinnert und warum.

Aus seinen Notizen schreibt man dann eine zwei- bis dreiseitige Geschichte. Ist diese fertig, kürzt man sie um mindestens eine Seite. So kann man gut vergleichen, welche der Details stehen geblieben sind und demnach für den Verlauf der Geschichte wichtig sind.

Wie geht nun so eine Bildanalyse?

Auf dem zum Artikel gehörenden Foto dominiert das rechte Mädchen, da sie ein wenig im Vordergrund steht. Die Spannung kommt von ihren Händen. Warum reibt sie sie gegeneinander? Was wird sie als nächstes tun? Auffällig ist hier auch das grelle Rosa ihrer Jacke. Aber Achtung! Dass sie darunter einen beigen Sweater trägt, fällt kaum auf. Man kann also auf eine Erwähnung verzichten.

Danach fällt das linke Mädchen ins Auge. Sie strahlt über das ganze Gesicht und schaut zu ihrer Freundin. Die Tasse in ihrer Hand ist interessant. Sieht die Kleine nicht ein wenig aus, als würde sie diese gleich ihrer Freundin reichen? Wieder: Handlung = Spannung!

So ähnlich wie einer Bildbeschreibung nähert man sich auch einer Szenenbeschreibung. Der Fokus liegt darauf, was die Charaktere tun und was sie sagen. Pointiert sucht man sich dabei einige Merkmale heraus, die die Personen charakterisieren. Im Bezug auf die rosa Jacke: Sie zeigt, das Kind ist fröhlich und keinesfalls kontaktscheu.

Die Umgebung und die anderen Personen stehen auf diesem Bild im Hintergrund. Somit reicht es, sie mit einem oder zwei Sätzen zu schildern.

Beschreibungen sollte man, wenn möglich, an die Handlung koppeln. Vergleichen Sie:

  • Das Mädchen hatte schwarze Haare.
  • Das Mädchen schüttelte sich vor Lachen und ihr störrisches schwarzes Haar stand ihr kreuz und quer vom Kopf ab.

Geschichten sind im Allgemeinen keine starren Momentaufnahmen wie Fotos, sondern sie enthalten eher wie ein Film eine Handlungsabfolge. Im Gegensatz zum Film (hier gibt es aber auch Ausnahmen) kann man in einer Geschichte von den emotionalen und gedanklichen Vorgängen erzählen.

Mit welchen Eindrücken, Empfindungen und Emotionen wird der Charakter konfrontiert? Angst, Wut, Demütigung, Schmerz, das Herz, das bis zum Hals klopft, das Gesicht, das sich verzieht ... an all diesen Auswirkungen des Ereignisses kann der Leser den emotionalen Zustand der Figur ablesen.

Was verrät die Mimik des linken Mädchens über ihre Gefühle und Gedanken?

Vergleichen Sie:

  • Sie mochte ihre Freundin.
  • Ihre Augen strahlten ihre Freundin an.

Den ersten Satz muss der Leser intellektuell erfassen. Was bedeutet mögen? Er schafft somit Distanz zur Geschichte. Der zweite entwirft ein Bild im Kopf und zieht den Leser so in die Geschichte.

Die Sprache einer Geschichte

Beschreibt man etwa, wie eine Artistin vom Seil fällt, stehen in dieser Situation alle Beteiligten unter hohem emotionalem Stress. Es herrscht eine große Aufregung. Entsprechend muss man sein Erzähltempo steigern. Kurze und/oder nicht beendete Sätze, hier und da auch nur ein Wort, Wiederholungen, das alles sind Mittel, um dem Tumult des Ereignisses gerecht zu werden.

"Fassungslos starrt Callia auf das grotesk verdrehte Knie. Alles verloren! Nie wieder wird sie auf dem Seil tanzen können! Ihr Herz poltert, trommelt entrüstet gegen die Brust. Und dann der Schmerz, dieser ungeheure Schmerz!"

Die Lebendigkeit der Szene sollte im sprachlichen Ausdruck zum Leben erweckt werden. Wer rennt, hat keine Luft für lange, ausführliche Beschreibungen. Werden Sie dem im Text gerecht. Die Geschichte ist für den Leser der einzige Zugang zu Ihrer fiktionalen Welt. Lassen Sie Bilder im Kopf des Lesers entstehen! Handlung und Dialog, wenige, aber pointierte Beschreibungen, eine klare Darstellung der Innenwelt des Charakters und die entsprechenden Umsetzung in der Sprache, das sind Ihre Werkzeuge. Dann klappt es auch mit dem "Ups-Effekt"!

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Cassidy Rees, Cassidy Rees

Cassidy Rees - Mein Name ist Cassidy Rees. Ich bin 46 Jahre alt und lebe mit meinen beiden Katern in Berlin. Zum Schreiben gehört nicht nur Talent, es ...

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