Festgeld – die Vor- und Nachteile laufzeitabhängiger Zinsen

Die Entscheidung für einen bestimmten Anlagezeitraum kommt beim Festgeld einer Wette auf den Zins gleich, da die Konditionen sich ständig ändern.

Festgeld ist unumstritten eine sichere Geldanlage, sofern das Thema Einlagensicherung berücksichtigt wird. Es drohen weder Kursschwankungen noch besteht das Risiko, das eingesetzte Kapital ganz oder teilweise zu verlieren. Anleger und Sparer können sich dank garantierter Zinsen vielmehr auf eine sichere und planbare Rendite einstellen. Das macht Festgeld zu einem durchaus soliden Investment. Allerdings gibt es auch einen Haken, der häufig übersehen oder schlichtweg verschwiegen wird: Zinsgarantie ist nicht gleichbedeutend damit, dass es keinerlei Zinsrisiko gibt.

Ausgehend davon, dass die Verzinsung für die gesamte Laufzeit der Festgeldanlage garantiert wird, mag der Begriff Zinsrisiko auf den ersten Blick schwarzmalerisch klingen. Kommt man allerdings zu der Frage, wie lange das Geld angelegt werden soll, ist genau der Punkt erreicht, an dem der Kunde spekulieren muss. Und Spekulationen gehen grundsätzlich mit einem gewissen Risiko einher.

Je länger die Laufzeit, desto höher der Festgeldzins

Inzwischen reicht die Spanne möglicher Laufzeiten von sieben Tagen – die aufgrund der minimalen Verzinsung in der Regel nicht als Anlagezeitraum infrage kommen – bis hin zu zehn Jahren. Je länger das Geld festgelegt wird, desto höher die Zinsen. Die Verlockung, sich für den Spitzenzins und damit eine vergleichsweise lange Laufzeit zu entscheiden, um eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, ist groß – insbesondere bei unerfahrenen Anlegern. Sie vergessen dabei, dass zwar die Zinsen für ihren Vertrag „eingefroren“ werden, der Markt an sich aber immer weiter in Bewegung bleibt.

Was heißt das nun? Das lässt sich an einem Beispiel aus der Praxis erklären. Mitte 2008, als sich die Finanz- und Wirtschaftskrise noch nicht auf den Leitzins der Europäischen Zentralbank und damit die Verzinsung von Geldanlagen ausgewirkt hatte, boten die Deutsche Bank, die 1822direkt als Onlinetochter der Frankfurter Sparkasse und viele andere Banken bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und einem Anlagebetrag von 5.000 Euro über 5,0 Prozent Zinsen per annum. Wer das Geld nach einem Jahr erneut anlegen wollte, musste sich mit deutlich weniger als 2,0 Prozent Zinsen p.a. zufriedengeben. Während der vereinbarten Laufzeit war das Zinsniveau rasant in den Keller gerutscht.

Die Festgeldkonditionen sind ständig in Bewegung

Hätte man sich 2008 für eine längere Laufzeit entschieden, hätte man auch in Krisenzeiten noch 5,0 Prozent Rendite erwirtschaftet – Jahr für Jahr. Die Betonung liegt auf „hätte“. Denn die Zinsentwicklung lässt sich nur schwer vorhersagen. Dementsprechend ist die Wahl der Laufzeit immer auch eine Wette auf den Zins. Wer davon ausgeht, dass die Zinssätze konstant bleiben oder sinken, entscheidet sich für einen längeren Anlagezeitraum. Besteht die Hoffnung, dass die Verzinsung von Festgeld oder Tagesgeld steigt, ist eine kurze Laufzeit die logische Konsequenz. Anleger, die mit ihrer Einschätzung falsch liegen, verlieren – praktisch gesehen – zwar kein Geld. Rein theoretisch müssen sie aber mit Einbußen bei der Rendite leben.

Auf die richtige Anlagestrategie kommt es an

Die Idee, das Festgeldkonto deshalb vorzeitig zu kündigen, um von den höheren Zinsen zu profitieren, sollte man allerdings ganz schnell verwerfen. Der Verlust wäre aufgrund von Gebühren und Zinsabschlägen zu hoch. Besser ist es, das Zinsrisiko von Anfang an zu minimieren und nicht alles auf eine Karte zu setzen. Kurze Laufzeiten bringen zwar nicht den höchsten Zins, bieten dafür aber weitaus mehr Flexibilität und sind besser überschaubar. Denkbar wäre zudem, ein wenig zu streuen und das Geld auf mehrere Laufzeiten zu verteilen. Das ist natürlich nur dann möglich, wenn ausreichend Kapital angelegt werden kann. In der Regel wird eine Mindestanlage von 2.500 Euro je Vertrag verlangt. Es gibt allerdings auch Angebote, zum Beispiel das Bank of Scotland Festgeld, die auf einen Mindestanlagebetrag verzichten. Festgeld mag einfach sein. Ein wenig Strategie kann aber auch hier nicht schaden.

André Maßmann - Schon während der Schulzeit und des anschließenden Studiums der Neueren/Neuesten Geschichte, Politik und Soziologie hat ...

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