Feuerwehr schützt sich selbst

Gefahr bei Unfällen auf der Sauerlandlinie

Bei Einsätzen auf der Autobahn hat die Feuerwehr Angst vor Rasern, die von hinten in die Unfallstelle krachen. Sie schützt sich mit einer Art fahrbarem Prellbock.

Mitarbeiter von Berufsfeuerwehren, der Freiwillige Feuerwehren, aber auch die des Technisches Hilfswerk und die der Hilfsorganisatoren wie Deutsches Rotes Kreuz, Johanniterunfallhilfe, Malteserhilfsdienst oder Arbeitersamariterbund riskieren bei Einsätzen ihr Leben, weil andere unaufmerksam sind, zum Beispiel auf der Sauerlandlinie.

Wenn es dort kracht - und nicht nur dort -, dann ist Eile geboten, auch für die Siegener Feuerwehr. Bei Unfällen auf der A45 begeben sich die Helfer allerdings immer auch selbst in Gefahr. Raser und unaufmerksame Autofahrer sehen die Einsatzstellen oft zu spät. Deswegen hat die Siegener Feuerwehr zur Selbsthilfe gegriffen: Sie stellt seit einiger Zeit einen ausgedienten und schrottreifen Rettungswagen als Prellbock auf die Autobahn. Die Siegener Feuerwehrmänner sahen keine andere Möglichkeit mehr: "Besser, unaufmerksame Autofahrer rasen in den Schrottwagen, als in meine dahinter arbeitenden Kollegen", sagt Matthias Ebertz, der Leiter der hauptamtlichen Feuerwache in Siegen.

Zwei Mitarbeiter kamen ums Leben

Vor einigen Jahres gab es im April einen schlimmen Unfall: Zwei Mitarbeiter der Autobahnmeisterei kamen ums Leben, als sie an einem Parkplatz die Folgen eines Unfalls beseitigen wollten. Ein PKW-Fahrer hatte die Warnhinweise übersehen, überfuhr die Straßenwärter und verletzte sie tödlich. Und bei dem Versuch, das Leben der Opfer zu retten, wurden dann eine halbe Stunden später beinahe Notärzte und Sanitäter von einem LKW überrollt. Auch dessen Fahrer hatte die Warnlampen übersehen, raste in die Unfallstelle und demolierte mehrere Streifenwagen der Polizei.

Sprünge in den Straßengraben

Über Beinahe-Unfällen auf der Sauerlandlinie können Feuerwehrleute und Rettungsdienstpersonal des Roten Kreuzes einiges erzählen - etliche Male konnten sie sich nur durch Sprünge in den Straßengraben vor Autos retten, die an Absperrungen und Warnhinweisen vorbeigerast waren. "Besonders kritisch ist es zu Beginn eines Einsatzes, wenn wir nur mit ein oder zwei Fahrzeugen vor Ort sind", erläutert Siegens Stadtbrandmeister Bernd Schneider. Dies ist meistens der Fall, denn in Siegen werden überwiegend freiwillige Feuerwehren eingesetzt, verstärkt durch eine Minimalbesetzung der hauptamtlichen Wache. Bis alle Einsatzkräfte am Unfallort sind und sich dort mit schweren Fahrzeugen gegenseitig abschirmen können, dauert es einige Zeit. Die ersten Minuten aber zählen: Die Feuerwehrleute müssen sofort helfen, die Polizei ist oft noch nicht da, um die Einsatzstelle abzusichern. "Nach unserer Vorstellung sichert die Polizei nicht vernünftig ab", kritisiert Stadtbrandmeister Schneider.

Beinahe-Unfälle nicht erfasst

Über ein ähnliches Absicherungsfahrzeug, wie es sich nun die Siegener Feuerwehr gebastelt hat, verfügt auch die Autobahnpolizei. Doch das ist für größere Abschnitte zuständig, hat längere Anfahrten zurückzulegen als die Wagen der Feuerwehr. Die Polizei selbst sieht keine Notwendigkeit, die Absicherungen zu verbessern. Die vielen Beinahe-Unfälle werden nicht statistisch erfasst - und die tatsächlichen Unfälle fallen wegen ihrer geringen Zahl aus ihrer Sicht nicht ins Gewicht.

Klaus Martin Höfer, Robert Frie

Klaus Martin Höfer - Freier Rundfunk-, Print- und Online-Journalist. Ich beschäftige mich mit Hochschul-, Bildungs-, Wissenschafts- und ...

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