Wer noch nie Tarotkarten in der Hand hatte, hat vielleicht Berührungsängste, entweder, weil er die ganze Wahrsagerei für einen ausgemachten Schwindel hält oder weil er vielleicht auch befürchtet, dass doch etwas am Kartenlegen „dran sein“ könnte. Viele Bilder sehen, je nach der Art des verwendeten Kartensatzes vielleicht furchterregend aus, sind das aber nur auf den ersten Blick. Wer in den verschiedenen Interpretationen zu den einzelnen Karten nachliest, erkennt, dass auch grausige Bilder wie etwa „der Gehenkte“ oder „der Tod“ durchaus auf positive Aspekte hindeuten können und nicht das bedeuten müssen, was man spontan dahinter vermutet.
Auch als Hilfsmittel zum Plotten sind Tarotkarten nicht unumstritten.
Figurenentwicklung
Bei der Verwendung der Karten zum Plotten kann der Autor ganz gelassen an die Sache herangehen, denn es werden nicht ihm die Karten gelegt sondern einer seiner Romanfiguren. Viele, wahrscheinlich sogar die meisten Autoren, entwickeln ihre Romane aus den Figuren heraus, die darin auftreten. Damit die Charakter (wie die Figuren im englischsprachigen Raum genannt werden) nicht flach und oberflächlich bleiben, bekommen sie eine eigene Biographie verpasst, die ihre Stärken, Schwächen, Aussehen und zum Beispiel auch das Verhältnis zu den anderen Figuren beinhaltet. Einige Softwareprogramme für Autoren sehen Menüs vor, in denen mit gezielten Fragen die Biographie einer Figur entwickelt werden kann. Damit ist aber nur das Gerüst vorgegeben und noch nicht das, was in die Leerstellen eingefügt werden soll.
Hauptfiguren
Bei den Hauptfiguren, die einmal vereinfacht auf Protagonist und Antagonist beschränkt werden, haben Autoren meistens weniger Probleme, diese mit einer entsprechenden Biographie zu versehen. Gerade die Hauptfiguren sind es, die die Geschichte tragen und dem Schreibenden bestens vertraut sind.
Nebenfiguren
Nebenfiguren bereiten da öfter Probleme. Hier können Tarotkarten als Inspirationsquelle genutzt werden. Zunächst wird dabei eine Karte einer Figur (nicht zufällig, sondern durch Aussuchen) zugeordnet und in die Mitte gelegt.
Die verbleibenden Karten werden gemischt. Dabei kann man nun ein wenig inspirierenden Hokuspokus machen und seine Aufmerksamkeit auf die Biographie der Figur, deren Karte nun in der Mitte vor einem liegt, hinwenden. Manche heben nach dem Mischen mit der linken Hand (weil die vom Herzen kommt) dreimal ab. Wichtig ist dabei allein die Ritualisierung dieser Handlung, unabhängig davon, worin das Ritual besteht. Rituale geben Sicherheit und die soll der Autor bei der Verwendung von Karten haben, damit seine Gedanken frei assozieren und fließen können.
Verschiedene Arten der Kartenanordnung
Es gibt viele verschiedene Arten, wie die Karten, die nun aus dem Stapel gezogen werden, angeordnet werden. Ganz einfach kann man die drei Karten „Vergangenheit“, „Gegenwart“ und „Zukunft“ für die Figur ziehen. Komplizierter, dafür aber detaillierter, wird es, wenn man noch Einflüsse aus der Vergangenheit, offen und verborgen, Ziele und Hindernisse zieht und sich von den Bildern inspirieren lässt. Es gibt zahlreiche Bücher, die die Bilder der einzelnen Karten erläutern, meist in einer Mehrdeutigkeit, wie man sie aus Horoskopen kennt. Das ist aber hier kein Nachteil. Die mehrdeutigen Erläuterungen geben einerseits Denkanstöße, lassen anderseits aber die Freiheit, dass das nach wie vor die Geschichte des Kartenlegenden bleibt.
Wenn man es nicht zu ernst nimmt, kann die Figurenentwicklung mittels Tarotkarten durchaus ein Hilfsmittel sein, um auf neue interessante Ideen zur Biographie der Figuren einer Geschichte zu kommen.
