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Filme auf DVD speziell konzipiert für demenzkranke Menschen

Demenzfilm-Produzentin Sophie Rosentreter - Foto: Sophie Rosentreter
Demenzfilm-Produzentin Sophie Rosentreter - Foto: Sophie Rosentreter
Nicht über, sondern für Demenzkranke sind die Filme der ehemaligen MTV-Moderatorin Sophie Rosentreter. Das ist ein neuer Ansatz in der Demenzbeschäftigung.

Demenzkranke Menschen werden überwiegend von ihren Angehörigen zu Hause betreut und versorgt - viele Jahre lang und oft bis zur Selbstaufgabe. In Pflegeheimen und Demenz-Wohngemeinschaften leben die Betroffenen oft erst, wenn Angehörige die schwere Aufgabe der Rund-um-Betreuung nicht mehr leisten können oder wollen. Die größte Schwierigkeit bei der Betreuung liegt darin, mit den betroffenen Menschen zu kommunizieren und ihnen Möglichkeiten der Beschäftigung zu bieten, die ihren zunehmend eingeschränkten Fähigkeiten entsprechen. Um für kurze Zeit ein demenzkrankes Familienmitglied zu beschäftigen und für sich selbst Augenblicke der Ruhe zu finden, wird nicht selten der Fernseher als Babysitter genutzt.

TV-Programm ungeeignet für Demenzkranke

Allerdings können im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit Demenzkranke das dort Gezeigte kaum richtig einordnen oder Personen im TV-Gerät als fremde und bedrohliche Eindringlinge wahrnehmen. Die Bilderflut des Fernsehprogramms überfordert Menschen mit Demenz und macht sie unruhig und verschlechtert ihre Stimmungslage maßgeblich und lang andauernd. Denn einer US-Studie zufolge können Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen Gefühle und Stimmungen selbst dann noch erinnern, wenn sie den Anlass selbst schon längst wieder vergessen haben. Negative Gefühle bleiben dabei besonders lange haften. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, den Fernseher für die Beschäftigung von Demenzkranken zu nutzen. Auf diese Idee kam Sophie Rosentreter, die ihre an Demenz erkrankte Großmutter Ilse neun Jahre bis zu ihrem Tod begleitet hat. Dass sie die alte Dame bald nur noch über die Gefühlsebene erreichen konnte, brachte sie auf die Idee, für sie „schöne Stimmungen“ zu erzeugen.

Das Konzept der Filme für Demenzkranke

Damals produzierte die Hamburgerin nach ihrer Karriere als Modell und MTV-Moderatorin vor allem Reportagen für Stern-TV, Leute Heute, Brisant und Explosiv. Jetzt will sie demenzkranken Menschen mit Hilfe von Filmen „Augenblicke des Glücks und der Entspannung ermöglichen“, betont sie in der NDR-Talkshow am 5. November 2010. In ihren Filmen geht es um universelle Themen wie Liebe, Geborgenheit, Freude, Glück, Ruhe, Entspannung und Genuss. Das Erzähltempo ist langsam und hat praktisch keinen durchgehenden Handlungsstrang. Demenzkranke würden damit nicht überfordert, sie könnten sich den Bildern und Stimmungen entspannt hingeben.

Fachliche Begleitung von Demenzexperten

Auf dem Prinzip, mit Gesang, Musik und Rhythmik, Farben und Bildern oder durch Berührung den Weg in die Welt der Demenzkranken zu finden, beruhen die meisten Therapiekonzepte der Altenpflege und Demenzbetreuung: Validation, Snoezelen, Basale Stimulation, Bobath-Konzept. Um dies auch in den Filmen fachgerecht umzusetzen, arbeitet Sophie Rosentreter mit Demenzexperten zusammen. Beraten wird sie unter anderem vom Gerontologen und Mitgründer der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) Dr. Jens Bruder, von der Ergotherapeutin mit Schwerpunkt Gerontologie Gudrun Schaade, dem Musiktherapeuten Jan Sonntag oder Martin Moritz, Pflegeberater und Gründer der ersten Angehörigenschule.

Interaktives Beschäftigungskonzept

Nach den ersten offenbar erfolgreich verlaufenen Testläufen mit Demenzgruppen in Pflegeheimen und ehrenamtlich organisierten Betreuungsgruppen entwickelte das Team zu den Filmen auch umfangreiches Begleitmaterial. Es regt zur weiteren Beschäftigung mit den Themen der einzelnen Filmkapitel an. Die Anleitung ist konzipiert für Angehörige oder ehrenamtliche Helfer ohne Fachkenntnis. Bislang bietet die Produktionsfirma „Ilses weite Welt“ zwei Filme an: „Tierpark“ umfasst einen Spaziergang, der in verschiedene Kapitel geteilt ist wie zum Beispiel Ziegen streicheln, Picknick und so weiter. Der Film „Musik 1“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Musiktherapeuten Jan Sonntag, der unter anderem selbst singt, Musikinstrumente vorstellt und spielt.

Marion Seigel, (Foto: Martin Seigel)

Marion Seigel - Marion Seigel ist Fachjournalistin, PR-Beraterin und Referentin - sie betreibt das journalistische Handwerk, ...

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