Filmfestival Locarno mit neuem Chef

Der Franzose Olivier Père will den jungen Autorenfilm fördern

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Das Filmfestival in Locarno ist nach 62 Jahren im Umbruch. Ein neuer Direktor soll die Weichen neu stellen und dem Nachwuchs eine größere und breitere Basis geben

Das Filmfestival in Locarno am Lago Maggiore gilt als das kleinste unter den großen Festivals. Seit 62 Jahren ist es ein Kleinod für die Cineasten. Für 2009 ist an der Spitze wieder ein Wechsel angesagt: Festival-Direktor Frédéric Maire verlässt nach vierjähriger Tätigkeit die aufreibende Idylle, und ab September 2009 wird der 38 Jahre alte Franzose Olivier Père der Nachfolger sein. Er ist ein exzellenter Vertreter seines Fachs: Vier Jahre lang war Père zuvor Leiter der „Quinzaine des réalisateurs“, der renommierten unabhängigen Programmsektion des Festivals von Cannes.

Der neue Festival-Direktor Olivier Père hat in Paris an der Sorbonne studiert

Der 1971 in Marseille geborene Père studierte an der Sorbonne in Paris Geisteswissenschaften. Nach dem Wechsel 1995 zur Cinémathèque francaise wurde er bald Programmverantwortlicher und organisierte zahlreiche Hommagen und filmische Themenzyklen. Gleichzeitig begann er Ende der 1990er Jahre eine dann langjährige Zusammenarbeit mit dem Festival Entrevues von Belfort, für das er Retrospektiven organisierte. Seit 1997 arbeitete er schließlich für die Kulturzeitschrift „Les Inrockuptibles“, für die er regelmäßig über Kino und Fernsehen schrieb.

Aufbruchstimmung und kein Abschiedsfrust

Der Ruf jetzt nach Locarno hat seine besondere Logik: Denn Père hat den Fokus seiner Arbeit in den vergangenen Jahren auf das junge Kino und die verstärkte Förderung von Nachwuchstalenten gerichtet. Dafür hat der Vorgänger am Lago Maggiore, Frédéric Maire, den Boden bereitet. Und so will der Nachfolger weiter machen. Es gehe ihm „um die Entdeckung und Förderung des jungen internationalen Autorenfilms“, sagte er bei der Vorstellung vor dem Verwaltungsrat des Festivals. Der sah Aufbruchstimmung und keinen Abschiedsfrust angesichts des anstehenden Wechsels zum Abschluss des Festivals im August 2009.

Die Zukunft des Filmfestivals in Locarno: Videos und digitale Filme einbinden?

Indessen ist nicht zu übersehen, dass dies kleine, feine Festival in einem Umbruch mit leicht ungewisser Zukunft steckt. Das liegt weniger an den Direktoren, sondern mehr an den äußeren Begebenheiten. Das mit den Zeiten des immerwährenden Aufschwungs inzwischen überladene Programm bedarf der Entflechtung, muss übersichtlicher gestaltet werden. Beispielsweise ist bislang offen geblieben, wie Videos und digitale Filme bündig integriert werden sollen, ob der engagierte politische Autorenfilm breiteren Raum gewinnen soll. Das sind offene Fragen, denn das Festival von Locarno ist im Pensionsalter; auch wenn es entgegen mancher Befürchtungen zuletzt nicht provinzieller geworden ist. Père jedenfalls hat versprochen, nicht alles auf den Kopf zu stellen, aber er verfügt über ein internationales Netzwerk, und das will er für Locarno nutzen. Und dabei die Balance halten zwischen reinem Arthouse-Festival und Glamour-Event.

Das alte Grand Hotel, wo alles begann, gibt es nicht mehr

Schließlich gibt es für das Filmfestival in Locarno ein besonderes Problem, es fehlt ein geeignetes Festival-, Kongress- und Kulturzentrum. Das alles gibt es in Planspielen, aber sie haben sich wieder zerschlagen. Und das Grand Hotel, in dem alles im Jahr 1946 begonnen hatte – das gibt es nicht mehr.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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