
- Filmfestspiele Locarno - Montage: Schwehn
Die 63. Filmfestspiele von Locarno im schweizerischen Tessin warten 2010 mit zwei Leckerbissen auf: Zunächst zur Eröffnung auf der Piazza Grande am 4. August mit der Welturaufführung von "Au fond des Bois" des französischen Regisseurs Benoit Jacquot, der dazu nach Locarno gekommen ist. Dann – über den gesamten Zeitraum des bis zum 14. August 2010 währenden Festivals – mit einer umfassenden Retrospektive zu Ehren von Ernst Lubitsch. Kein Wunder, dass sich auch die schweizerische Bundespräsidentin Doris Leuthard mit einigem Vergnügen zur Eröffnung der Festspiele angesagt hat.
In diesem Jahr nur 280 Filme im Programm der Filmfestspiele von Locarno
Filmkunst nicht allein, aber vor allem mit der besonderen Kulisse der Piazza Grande, das ist Jahr für Jahr ein besonderes Erlebnis. Der neue Festspielleiter Olivier Père hat unter dem Motto „Weniger ist mehr“ die Zahl der zugelassenen Filme drastisch reduziert: Statt bisher 400 werden nunmehr nur 280 Filme gezeigt. Im Wettstreit um den Goldenen Leoparden konkurrieren 18 Filme. Daneben stehen im Programm eine Hommage an den amerikanischen Schauspieler John C. Reilly und den französischen Künstler Philippe Parreno sowie ein Special zu Zentralasien.
Erinnerungen an Ernst Lubitsch
Ein besonderes Highlight ist indessen die umfassende Retrospektive zu Ehren des großen Regisseurs Ernst Lubitsch. Zu sehen sind alle noch vorhandenen Filme im 35-mm-Format; das heißt: Rund 50 Filme mit und von Lubitsch. Neben Hollywood-Klassikern zeigt die Retrospektive auch Stummfilme aus Lubitschs Anfängen als Schauspieler. Beispielsweise: In „Der Stolz der Firma“ ist der Künstler in seiner ersten Hauptrolle überhaupt zu sehen. Dabei wird insgesamt nicht allein das Lebenswerk, sondern auch das Leben Ernst Lubitschs in Locarno ausgebreitet:
Der Aufstieg zum Starregisseur
So wird sein Aufstieg zum Starregisseur nach dem Ende des 1. Weltkriegs nachgezeichnet. Als er Filme mit Pola Negri, Emil Jannings, Asta Nielsen und den anderen Filmgrößen jener Zeit drehte. Und so wird auch daran erinnert, wie er 1922 erstmals nach Hollywood reiste, um einen Film mit Mary Pickford zu drehen. Was damals ursprünglich nur ein Gastspiel sein sollte, wurde zum endgültigen Abschied aus Deutschland und zu einer großen Karriere, mit Filmgrößen wie Charlie Chaplin oder Erich von Strohheim, mit Maurice Chevalier oder Jeanette MacDonald. An all dies erinnert das 63. Filmfestival von Locarno und verbindet somit Klassik mit Moderne. Ernst Lubitsch starb 1947. Auf seiner Beerdigung soll der Regisseur Billy Wilder gesagt haben: „Kein Lubitsch mehr“. Worauf Wilders Kollege William Wyler erwiderte: „Schlimmer noch – Keine Lubitsch-Filme mehr“.
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Das Abendticket für die Vorführungen auf der Piazza Grande in Locarno kostet 34 Franken; für den zweiten Film allein 24 Franken. Vorverkauf auch online.
