Filmkritik - 300

Die Comicverfilmung 300 ist zwar voll mit Testosteron und Action, nimmt sich aber selbst viel zu ernst und ist oft langweilig.

Mit 300 verfilmte der Regisseur Zack Snyder den Comic von Frank Miller. Der Film wurde eine optisch beeindruckende Adaption, kam allerdings ohne Augenzwinkern daher.

Das Jahrzehnt der Comicverfilmungen

Möglicherweise wird das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhundert in der Filmwissenschaft einmal als das Jahrzehnt der Comicverfilmungen bezeichnet werden. Immerhin überschwemmte Hollywood die Kinos quasi mit Adaptionen von Comicbüchern. Beispielsweise die Spider Man Reihe, das X-Men-Franchise oder die Batman-Filme. Aber nicht nur große Superheldenfilme wurden produziert, sondern auch kindlichere Comicverfilmungen, wie Asterix und Obelix oder Garfield. Sogar auf weniger bekannte Stoffe wurde aufgrund von akuter Ideenarmut zurückgegriffen. Denn auch Filme wie A History of Violence oder V wie Vendetta basieren auf einem Comic, auch wenn man es ihnen selten ansieht. Ein ganz besonderer Trend war die detailgetreue Verfilmung von Comics. Primus in dieser Disziplin ist der fantastische Sin City. Im Fahrwasser von Sin City bewegt sich auch 300. Auch hier wurde der Comic Szene für Szene auf die Leinwand gebracht. Optisch macht dies auch viel her und muss nicht den Vergleich zum Klassenbesten scheuen. Ansonsten kann 300 aber bei weitem nicht mit Sin City mithalten.

Die Geschichte von 300

Es droht der größte Krieg, den die Welt bis dahin gesehen hat. Der persische Großkönig Xerxes (Rodrigo Santoro) plant die gesamte bekannte Welt zu unterjochen. Auch die griechische Welt soll Teil seines Imperiums werden. Hier aber stößt Xerxes auf Widerstand. Der König von Sparta Leonidas (Gerard Butler) will Xerxes Pläne stoppen und mutig gegen die persische Übermacht in den Krieg ziehen. Da der Rat von Sparta aber die Unterstützung verweigert will Leonidas ein Zeichen setzen um die ganze griechische Welt zu mobilisieren. Mit nur 300 Mann stellt er sich der Armee von Xerxes.

300 – ein Film mit Wucht

Optisch gesehen ist 300 ein hervorragender Film. Die computergenerierten Bilder entfesseln schon nach kurzer Zeit viel Charme, wozu auch die große Farbpalette beiträgt. Dass die Geschichte von 300 sehr einfach gehalten ist, stört dabei zunächst mal kaum. Sobald die Spartaner und die Perser erst einmal in Stellung gebracht wurden und der Verteidigungskrieg beginnt, entfaltet der Film seine ganze Wucht. Jede Kampfszene ist beeindruckend montiert und höchst abwechslungsreich. Regisseur Zack Snyder versteht es spektakuläre Action mit einem sehr innovativen Stil zu präsentieren. Dass der Film dabei sehr brutal und nichts für schwache Gemüter ist, sollte jedem bewusst sein. Auch, dass hier der Style jederzeit über die Substanz geht, muss klar sein. Denn an Handlung hat 300 eigentlich nichts zu bieten. Das gesamte Vorgeplänkel um das Orakel und den Rat ist zwar historisch sehr interessant, aber filmisch extrem langweilig umgesetzt. Auch der zweite Handlungsstrang um den korrupten Senator und die Königin von Sparta weiß nicht zu fesseln und durchbricht permanent den Filmfluss. Seltsamerweise hätte 300 weniger Substanz sogar besser zur Gesicht gestanden, aber irgendwie muss man den Zuschauer auch vor der Ermüdung retten.

300 – keinerlei Auflockerung

Eine weitere Schwäche ist das großspurige Gehabe. In 300 wird mit pathetischen Phrasen nicht gekleckert, sondern geklotzt. Es geht um Ehre, Freiheit und gute Krieger. Da dies alles aber bierernst präsentiert wird, wird auch hier der Spaß abgebremst. Von einer selbstironischen Inszenierung kann keine Rede sein. Dazu kommt noch, dass man den Spartanern und ihrem Gerede von Freiheit und Selbstbestimmungsrecht keinen Glauben schenken kann, da man schon in einer der ersten Szenen die Spartaner als ein Volk charakterisiert, dass Kinder tötet, die nicht in das spartanische Bild passen. Humor gibt es nur selten. Höchstens wenn Leonidas genüsslich einen Apfel genießt, während seine Männer die sterbenden Perser erlösen oder die Gespräche zwischen Xerxes und Leonidas zwischen den Kämpfen. Ansonsten bietet 300 nur ernste Dialoge und keinerlei Augenzwinkern. Dies könnte man verschmerzen, wenn man das Argument bringt, dass 300 ein Historienfilm ist. Immerhin basieren die gezeigten Ereignisse auf den Historien des altgriechischen Geschichtsschreiber Herodot. Der Grundlage eines Geschichtsfilms beraubt sich 300 aber schon im Ansatz. Denn da sich die Spartaner mit allerlei merkwürdigem Gesindel herumschlagen und die Perser komplett überzogen gezeichnet werden, kann man kaum von einem ordentlich recherchierten Geschichtsfilm sprechen.

Fazit – 300 beraubt sich seiner Stärken

300 entledigt sich schnell seiner eigentlichen Stärken. Zweifelsohne sind die Kampfszenen beeindruckend und die große Stärke des Films. Leider wird der Spaß an den Actionszenen immer wieder von langweiligen Nebengeschichten unterbrochen. Der Beginn und die Szenen in Sparta haben keinerlei fesselnde Momente. Zudem kommt nur in den Actionszenen Freude am Film auf. Das pathetische Gehabe ist nämlich deutlich zu überzogen und hat keine humoristischen Elemente. Hier liegt also das große Problem von 300, da sich der Film viel zu ernst nimmt, als es für eine solche Over-the-Top-Produktion gut ist. Snyder zeigt also ein großes Talent als Meister der Action. In puncto Inhalt findet er aber zu keiner spannenden Inszenierung und somit bleibt bei 300 nicht viel. Dass es Snyder aber besser machen kann als mit der missglückten Schlachtoper 300, sollte er später mit Watchmen und auch mit Sucker Punch eindrucksvoll unter Beweis stellen.

4/10 Punkten

Quellen:

imdb.com

cinema.de