Filmkritik - Attack the Block

Wenn Aliens in den USA landen, stellt sich meist das gesamte Militär gegen die Besucher. In England muss aber eine Straßengang die Invasoren beseitigen.

Man braucht nicht immer Millionen von Dollar zu verheizen, um eine glaubhafte Alieninvasion im Film darzustellen. Attack the Block stellt dies eindrucksvoll unter Beweis.

Attack the Block – ungewollte Realitätsbezüge

London 2011: Die Straßen brennen, die Jugend randaliert, Chaos herrscht überall und die Polizei ist heillos überfordert. Die TV-Bilder von marodierenden jungen Engländern sind vielen im Gedächtnis geblieben. Immerhin spielten sich diese Szenen im zivilisierten Europa ab und nicht in einem diktatorischen Unrechtsstaat. Mit Attack the Block kommt nun ein Film in die Kinos, der die schockierenden Bilder wieder in Erinnerung ruft. Gewollt ist dies freilich nicht. Denn nicht nur ist die zeitliche Spanne zwischen Realität und Film zu gering, sondern auch das Thema ein etwas anders. Denn in Attack the Block prügelt sich eine Gang im tristen Süden von London mit mannshohen außerirdischen Invasoren. Dabei geht es nicht nur ziemlich deftig zu, auch viel absurder Humor findet sich im Film wieder.

Die Handlung von Attack the Block

Moses (John Boyega) und seine Gang sind die Herrscher ihres Viertels. Zwar sind die Jungs erst in der Pubertät, haben es aber bereits faustdick hinter den Ohren. Gerade als sie die Krankenschwester Sam (Jodie Whitaker) ausgeraubt haben, kracht ein mysteriöses Wesen vor ihre Füße. Sofort geraten Moses und das Alien in einen Konflikt und Moses kann den Besucher töten. Damit öffnet er aber die Büchse der Pandora. Denn weitere Aliens sind bereits auf den Weg und haben es auf Moses und seine Gang abgesehen. Aber die Jungs wollen ihren Block verteidigen und rüsten sich zum Kampf. Bald bekommen es die Halbstarken aber mit der Angst zu tun.

Attack the Block – Action aus England

Dass Attack the Block nicht aus den USA kommt, sieht man dem Film nicht an. Die Optik und die Effekte stimmen und die Einstellungen sitzen zu jeder Zeit. Nur bei den etwas härteren Szenen sieht man das Kunstblut zu deutlich. Attack the Block macht dennoch das Beste aus seinen bescheidenen Möglichkeiten. Besonders am bescheidenen Design der Aliens kann man dies sehen. Hier punktet man nicht unbedingt mit Detailreichtum, setzt die Mischung aus Affen/Werwolf mit leuchtenden Zähnen aber sehr wirkungsvoll ein.

Ebenfalls finden sich kaum bekannte Namen auf der Besetzungsliste. Die Jungdarsteller füllen ihre Rollen aber sehr gut aus. Besonders John Boyega zeigt die Entwicklung von Moses sehr glaubhaft. Aber auch der Rest seiner Bande ist toll besetzt. So bekommt jedes der Gangmitglieder ein eigenständiges Profil. Ein wirklicher Szenendieb ist aber Nick Frost. Immer wenn der sympathische Engländer die Leinwand betritt, muss man einfach lachen. Egal, was er auch tut. Einziger Ausfall in der Figurenriege ist der Oberdealer Hi-Hatz. Diese Figur ist nicht sehr berechenbar integriert, sondern nervt wegen ihrer unfassbaren Blödheit auch permanent.

Attack the Block – Identifikationsprobleme

Attack the Block ist jedoch am Anfang ein unterdurchschnittlicher Film. Dies liegt daran, dass man Moses und seine Band schlicht zu unsympathisch findet. Mit der kriminellen Band aus Heranwachsenden kann man sich nur schwer identifizieren, wodurch man zeitweise mehr mit den Aliens mitfiebert. Die wichtigste Funktion in dieser Phase übernimmt Jodie Whitaker. Sie ist die einzige wirkliche Identifikationsfigur und hat das Publikum auf ihrer Seite. Erst mir der wachsenden Bedrohung durch die Invasoren gewinnen auch die Gangmitglieder an Sympathie. Wirklich überdurchschnittlich wird Attack the Block aber erst, als sich die Figuren im Hochhaus verschanzen. Ab diesem Punkt wird der Film immer besser und ist kaum aufzuhalten.

Regieneuling Joe Cornish hat zudem ein gutes Händchen für Einstellungen und Musikeinsatz. Hervorzuheben sind hier die Kollage in der sich die Gang ausrüstet und die Kämpfe im Hochhaus. Auch das spektakuläre Zeitlupen-Final ist voll mit Energie. Es sind aber auch die Details, die Cornishs Inszenierung sehr flüssig machen. Beispielweise die Musik in den Szenen in der die Protagonisten Kopfhörer anhaben. Cornish baut zudem so oft es geht auf Humor. Neben dem fantastischen Nick Frost sind es besonders die absurden Situation in der die Gang über die Filmdauer gerät. Außerdem bringen der bemitleidenswerte Studenten Brewis oder der Dauerquassler Pest jede Menge Witz in Attack the Block. Des Weiteren sind auch ein Minibike, zwei Kinder als Guerillakämpfer oder eine zweckentfremdete Gitarre wahre Volltreffer für den Humor.

Attack the Block – ein Achtungserfolg

Attack the Block entzündet erst gegen Ende ein wahres Feuerwerk. Zu Beginn ist der Film sehr schleppend und kaum unterhaltsam. Ab dem Mittelteil häufen sich aber die Lacher und die atmosphärisch dichteren Szenen. Hier kann der Film locker mit vielen ähnlichen Werken mithalten. Da er zudem mit knapp 90 Minuten sehr kurzweilig gehalten ist, stellen sich nach dem schwachen Anfang keine Längen mehr ein. Wirkliches Highlight sind aber die tollen Darsteller mit einem starken John Boyega und einem irrelustigen Nick Frost. An absurde britische Höhepunkte wie Hot Fuzz oder Snatch kommt Attack the Block zwar nicht heran, aber vom Regisseur und den Nachwuchsdarstellern darf man noch viel Erwarten.

7/10 Punkten

Quellen:

imdb.com

myfanbase.de