Filmkritik - Black Swan

In dem Thriller Black Swan spielt Natalie Portmann ihre bislang beste Rolle und Darren Aronofsky liefert einen seiner besten Filme ab.

Mit Black Swan nähert sich Darren Aronofsky wieder dem Thrillergenre zu. Und erneut besticht der Film mit toller Optik und tollen Darstellern.

Black Swan – der Gegenentwurf zu The Wrestler

Nachdem Regisseur Darren Aronofsky mit seinem Drama The Wrestler die Wrestlingszene entmystifizierte, war auch sein Nachfolgefilm Black Swan stark von der Demontage eines Sports geprägt. Aronofsky nimmt sich diesmal das Ballett vor und greift zu einer völlig anderen Inszenierung. Statt Black Swan als trauriges Drama wie The Wrestler aufzubauen, produzierte Aronofsky einen waschechten Thriller, der sogar Horrorelemente beinhaltet. Davon abgesehen bleibt Aronofsky seinem Konzept treu. Denn auch Black Swan ist optisch überragend, zeigt jederzeit das Talent des Regisseurs und wartet mit einer genialen Darstellerriege auf. Zudem ist auch Black Swan, wie schon The Wrestler, komplett auf seine Hauptfigur zugeschnitten und verhilft so Natalie Portmann zur Rolle ihres Lebens.

Die Handlung von Black Swan

Nina (Natalie Portmann) lebt zusammen mit ihrer Mutter (Barbara Hershey) in New York und ist Ballerina. Ihr Direktor Leroy (Vincent Cassel) plant für die neue Saison einige Veränderungen. Zum einen soll die verbrauchte Primaballerina Beth (Winona Ryder) abgesägt werden und zum anderen will Leroy das Stück Schwanensee neu aufführen. Nina sieht hierin ihre große Chance. Sie will als weißer und schwarzer Schwan besetzt werden und endlich Ruhm als Ballerina bekommen. Als weißer Schwan ist das junge, unschuldige Mädchen auch die perfekte Besetzung, aber Leroy sieht Nina nicht als den idealen schwarzen Schwan. Nina will dennoch die Rolle bekommen und beginnt an ihrem bisherigen Leben zu zweifeln.

Black Swan – eine Natalie Portmann zum Niederknien

The Wrestler lebte 2008 von der unglaublich guten Leistung von Mickey Rourke. Die Rolle des gefallenen, abgewrackten Ex-Stars war wie gemacht für den selbstzerstörerischen Rourke. Dass die süße Natalie Portmann die ideale Besetzung für eine unschuldige Ballerina ist, dürfte auch jedem klar sein. Dass aber auch Portmann eine dunkle Seite hat, zeigte sie in ihrer bisherigen Filmvita nicht. Insofern hat Aronofsky auch in Black Swan wieder einen wahren Besetzungscoup abgeliefert, da man den Weg von Nina auch als den Weg von Natalie Portmann begreifen kann. Genau wie bei The Wrestler und Mickey Rourke. Portmanns Leistung ist auch abseits jeglicher Gedanken über andere Filme oder ihres eigenen Lebensweg absolut beeindruckend. Die Figur der Nina wird sehr zugänglich präsentiert und darum sind ihre Handlungen jederzeit nachvollziehbar. Grandios ist zudem die laufende Veränderung, die Nina durchmacht, die in einem Finale gipfelt, das einem den Atem raubt. Portmann spielt dies alles mit einer solchen Durchschlagskraft, dass ihre Leistung noch auf Jahre hinweg in Erinnerung bleiben wird.

Hinter Portmann bleibt ein großes Vakuum an gleichberechtigten Stars. Die anderen Schauspieler sind Nebendarsteller. Gute Leistungen bieten sie dennoch. Vincent Cassel überzeugt auch in Black Swan mit einer charismatischen Darstellung. Auch Barbara Hershey bleibt in Erinnerung und kann der Klischeerolle der tyrannischen Übermutter viel abgewinnen. Winona Ryder hat zwar nur wenige Auftritte, füllt dieses jeoch mit Leben und hoher Emotionalität. Am ehesten mit Portmann mithalten kann aber Mila Kunis als Konkurrentin Lily. Kunis zeigt auch mit Black Swan ihr enormes Talent und gibt Lily als wunderbaren Gegenpart zu Nina. Kunis stellt Lily als freundliches Mysterium dar, mit dem man immer vertrauter wird, das man jedoch niemals entschlüsselt.

Black Swan – Aronofskys Brillanz in jeder Filmsekunde

Black Swan ist nicht nur ein Darstellerfilm. Überdeutlich trägt der Film die Handschrift von Regisseur Darren Aronofsky. Besonders optisch ist Aronofsky Talent und Ästhetik spürbar. Die hervorragend geschnittene Szene im Nachclub beispielweise oder die Trainingssequenzen von Nina. Absolut überragend stellt er das Finale dar. In der Transformationsszene entfesselt der Regisseur eine sinnliche Kraft, wie es sie 2011 nur selten auf der Leinwand gab. Aronofsky begreift dabei die Inszenierung jederzeit als Hilfsmittel für die Handlung und nicht als die einzige Substanz des Films. Davon kann sich jeder große Blockbusterregisseur mal eine Scheibe abschneiden. Gleiches gilt auch für den Musikeinsatz. Hier hat Aronofsky natürlich leichtes Spiel, da die Musik fast komplett aus dem Bühnenstück selbst übernommen wurde. So treffsicher wie bei Aronofsky wurde klassische Musik aber selten verwendet.

Ab und an trägt der Regisseur allerdings auch zu dick auf. Nicht jeder Schockeffekt sitzt und nicht jeder zu deutlicher Tonschnitt ist sinnvoll für den Spannungsaufbau. Abgesehen davon hat Aronofsky ein feines Gespür für die Spannung. Behutsam wird Ninas Leben dekonstruiert und die Verwandlung versinnbildlicht. Auch die Beziehungen zu Nina zwischen den einzelnen Figuren werden gut verflochten und glaubhaft in die Filmhandlung eingebaut. Niemals wirkt eine Szene unangebracht. Im Vergleich zu The Wrestler geht Aronofsky überdeutlich mit der Bildersprache um. Viel gibt es in Black Swan nicht zu enträtseln, dabei aber viel zu bestaunen. Die Parabel um die Schwanenseeaufführung und die Filmhandlung ist mehr als offensichtlich, wird allerdings stilistisch überragend präsentiert. The Wrestler war hier feinfühliger und eher von ruhiger Natur als der teilweise brachiale Black Swan. Da Aronofsky als Regisseur aber ein Genius ist, verfällt Black Swan niemals in Effekthascherei und hat besonders optisch einen hohen Spielwert.

Fazit – der düstere The Wrestler

Mit Black Swan ist Aronofsky sein düsterster Film seit Requiem for a Dream gelungen. Optisch genial eingefangen und mit einer tollen Darstellerriege gesegnet. Kritik muss sich der Regisseur nur punktuell gefallen lassen, da er die Schockeffekte nicht immer wohl dosiert. Davon abgesehen ist auch Black Swan wieder ein außergewöhnlicher Film geworden und mindesten so gut wie The Wrestler. Wirklich überragend ist Natalie Portmann, deren Leistung an Brillanz kaum zu überbieten ist. Durch sie wird auch Black Swan zu einem großartigen Film, wie es zuvor schon bei The Wrestler und Mickey Rourke geschehen ist.

9/10 Punkten

Quellen:

imdb.com

filmstarts.de