Filmkritik - Captain America

Zwar reicht der Auftritt von Captain America nicht ganz an die vorherigen Marvel-Filme heran, aber der Film ist dennoch gelungen.

Zur Abwechslung erscheint mal wieder eine Comicverfilmung. Und Captain America wurde genau nach der Marvelphilosophie gestaltet.

Captain America – es geht immer weiter

Wie viele Comicverfilmungen kann das Kinopublikum noch ertragen? Ein Abflauen des Trends ist jedenfalls nicht zu erkennen. Denn mit The Dark Knight Rises und The Amazing Spider-Man sind bereits zwei weitere Comicverfilmungen für das Jahr 2012 angekündigt. 2011 erscheint aber erst einmal Captain America. Also der Superheld, der das amerikanische Ideal verkörpert und dem aus jeder Pore Patriotismus tropft. Wer aber hofft, dass die Verfilmung des bekannten Comics ebenso patriotisch wird wie die ersten Comics, der wird enttäuscht werden. Auch wer eine weitere historische Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges erwartet, ist bei Captain America an der falschen Adresse. Denn der erste Einsatz des First Avenger ist mehr eine glatte Science-Fiction-Erzählung als ein patriotischer Kriegsfilm. Captain America unterhält aber gerade deswegen so gut.

Die Story von Captain America

Steve Rogers (Chris Evans) ist ein schmächtiger, kränklicher Jüngling, aber mit einem tapferen Herzen. Nur zu gern würde er seinen Mut gegen die Nazis beweisen und helfen, den Krieg gegen Deutschland zu beenden. Von der Armee wird er aber regelmäßig abgelehnt. Erst als der mysteriöse Wissenschaftler Abraham Erskine (Stanley Tucci) auf Rogers aufmerksam wird, bekommt er eine Chance. Er soll mittels eines Serums zu einem Supersoldaten werden und gegen die Nazi-Organisation Hydra kämpfen. Dies gelingt auch. Rogers wird zum mächtigen Captain America und zieht gegen den Kommandanten von Hydra, Johann Schmidt (Hugo Weaving), in den Kampf.

Captain America – weltmännisch statt patriotisch

In Captain America wird selten auf amerikanischen Patriotismus eingegangen. Nur der Name und das Kostüm des Titelhelden erinnern an dessen Ursprung als Amerikas Gewissen. Stattdessen verhält sich der Film weltmännisch. Rogers wird nie als mutiger Amerikaner gezeichnet, sondern als mutiger Mann aus einem x-beliebigen Land. Die Bösen sind nicht die Nazis, sondern eine Organisation, die sich von diesen gelöst hat. Hakenkreuze gibt es nicht. Captain America ist also nicht so amerikanisch wie es den Anschein hat. Die Comicvergangenheit ist dem Film aber nicht abzusprechen. Denn der Film ist komplett überzogen und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Dadurch macht Captain America richtig Laune. Wie schon die großen Brüder Iron Man und Thor zelebriert Captain America das Genre des Comicfilms in jeder Phase. Spaß soll er machen. Dies hat zwar nichts mit tiefgründigen Genreglanzstücken wie The Dark Knight oder Watchmen zu tun, ist aber auch meilenweit von Totalausfällen wie Elektra entfernt. Darüber hinaus ist Captain America kein Film, bei dem man das Gehirn abschalten muss. Zu einem tumben Effektfeuerwerk verkommt der Film selten. Dazu stehen die Figuren zu sehr im Mittelpunkt. Zudem gibt es in Captain America viele Anspielungen zu den anderen Marvelfilmen. So operiert Hydra mit einem magischen Würfel aus Odins Schatzkammer und der Vater von Tony „Iron Man“ Stark spielt eine entscheidende Rolle.

Captain America die Schauspieler

Darstellerisch kann sich Captain America durchaus sehen lassen. Chris Evans zeigt, dass er jederzeit in der Lage ist, einen überlebensgroßen Helden zu spielen und ist durchweg sympathisch. Die Figur des Captain America ist leider insgesamt zu glatt geraten. Er ist kein Held mit Ecken und Kanten wie der trotzige Thor oder der arrogante Iron Man. Stattdessen ein idealisierter Mann, der eine Vorbildfunktion hat. Darüber hinaus sind auch Stanley Tucci als väterlicher Freund und Hayley Atwell als weibliche Ausbilderin gut besetzt. Leider gibt es aber auch die obligatorische Reizbrettromanze. Erneut genial ist zudem Tommy Lee Jones in seiner Paraderolle als harter Knochen. Jeder kauzige Spruch sitzt und jede Geste ist passend. Zu wenig gefordert wird hingegen Hugo Weaving. Johann Schmidt ist zu keiner Sekunde eine interessante Figur, sondern ein unglaublich flacher Bösewicht. Dies spielt ein Ausnahmeschauspieler wie Weaving selbstverständlich im Schlaf.

Captain America – der Regisseur als Bremsklotz

Captain America kann aber nicht mit Marvel vorherigen Filmen mithalten. Dies liegt zum einen an den Bösewichten. Johann Schmidt ist niemals eine Bedrohung, aber seiner Organisation ergeht es noch schlimmer. Die Hydra-Soldaten sind so konturenlos wie nur möglich und besonders der Gruß „Heil Hydra“ ist die Lächerlichkeit pur. Mitfiebern tut man mit dem Helden deshalb selten, da er keiner Gefahr gegenübersteht. Weder von Hydra noch von Selbstzweifeln. Auch Regisseur Joe Johnston erweist sich nicht als Könner. Schon Jurassic Park 3 und Wolfman waren keine guten Filme und auch in Captain America lässt er Timing vermissen. Die Collage im Mittelteil, wo Rogers und sein Team einige Anschläge auf Hydra-Basen vornehmen, ist lustlos zusammengeschustert und auch viele Storyelemente weisen kaum Timing auf. Die Kussszene mit der Sekretärin beispielweise verursacht nur Kopfschütteln.

Johnston versteht es aber, spaßige Action zu inszenieren. Hier ist Captain America top, auch wenn man selten mitfiebert. Dennoch ist der Film in den Actionszenen auf höchstem Niveau. Nur in der finalen Konfrontation stimmt die Dramaturgie nicht und man verliert den Überblick. Der Endkampf endet zudem sehr unbefriedigend. Dass der Film darüber hinaus mehr ein Science-Fiction-Werk ist, stört nur punktuell. Denn es erstaunt schon sehr, dass Hydra die absurdesten Gerätschaften entwickelt, die selbst im 21. Jahrhundert für klare Kriegsverhältnisse sorgen würde. Nur leider spielt der Film während des Zweiten Weltkriegs. Darüber kann man aber leicht hinwegsehen, da der Film auch damit seinen Comicursprung bewahrt. Wirklich gut sind hingegen die Werbeszenen mit Rogers und auch die Aufnahme des Comics als Popkulturzitat.

Captain America – mit Spaß an der Freude

Captain Amercia ist eine spassige Comicverfilmung. Der Film unterhält und macht Spaß. Auch der gute 3D-Effekt ist eine Bereicherung für den Film. Darüber hinaus gibt es aber kleinere Kritikfelder an Captain America. Der Held ist zu glatt, die Bösen zu lachhaft und die Regie nicht fehlerlos. Spannend wird es aber erst nach Captain America. Denn 2012 erscheint auch The Avengers. Also das Superhelden-Happening mit Thor, Iron Man, Hulk, Captain America und vielen mehr. Und nach Captain America sind die Erwartungen an den Monsterblockbuster keinesfalls gesunken. Stattdessen freut man sich umso mehr, wenn alle Helden vereint gegen das Böse kämpfen. Mal sehen, ob Captain America dann mehr gefordert wird als dies noch in seinem eigenen Leinwandabenteuer geschehen ist.

7/10 Punkten

Quellen:

imdb.com

filmstarts.de