Nachdem Marvel mit Iron Man einen bombastischen Erfolg feiern konnte, wollte man nachlegen und versuchte es mit einem neuen Hulk-Film
Der unglaubliche Hulk – ein Teil in Marvels großem Mosaik
Die Verfilmung von bekannten Marvelcomics brachte einigen großen Hollywoodstudios Milliardengewinne. Der Comicverlag Marvel bekam von diesem Kuchen meist eher weniger ab. Marvel hielt aber nicht lange die Füße still, sondern entschloss sich ein eigenes Filmstudio aufzumachen und selbst Comicverfilmungen zu produzieren. Das vorläufige Ziel war es, eine ganze Reihe von Filmen zu konstruieren, die alle im selben Universum spielen. Dadurch wollte man verschiedene Crossover von Superhelden möglich machen, wie sie in den Comics bereits alltäglich sind. Den Anfang machte dabei Iron Man, der nicht nur ein großer Kassenerfolg war, sondern auch bei Fans und Kritikern als eine der coolsten Comicverfilmungen seit langem gilt. Der zweite Teil des großen Marvelpuzzle, das mit der großen Superheldenzusammenführung The Avengers gipfeln soll, ist Der unglaubliche Hulk. Obwohl es bereits einen Hulk-Film gab, wird dieser außen vorgelassen und eine neue Version gestaltet. Ein zweiter Iron Man wurde Der unglaubliche Hulk zwar nicht, aber gute Unterhaltung gab es trotzdem.
Die Handlung von Hulk
Bruce Banner (Edward Norton) lebt seit einem Unfall mit Gamastrahlen einsam in Brasilien. Denn seit diesem Unfall verwandelt er sich in ein gewaltiges Monster, sobald sich sein Puls zu sehr beschleunigt. Banner sieht sich selbst als eine Gefahr für die Menschen die er liebt, besonders für seine große Liebe Betty (Liv Tyler). Bettys Vater, General Ross (William Hurt), sieht in Banner aber eine Waffe. Ein Waffe, die rechtmäßig ihm gehört und die er nutzen will. Er sendet den Elitekämpfer Emil Blonsky (Tim Roth) um Banner zurückzubringen - mit allen Mitteln.
Hulk – lernen aus den Fehlern
Das Verhältnis von Der unglaubliche Hulk zu der vorherigen Hulk-Verfilmung von Ang Lee von 2003 ist eine schwierige Angelegenheit. Im Grunde wird auf die 2003er Version wenig Rücksicht genommen, da die Ereignisse, die zu Banners Unfall führten, kurz im Vorspann erläutert werden. Allerdings lässt sich Ang Lees Film als Basis für Der unglaubliche Hulk sehen, auch wenn dies teilweise zu logischen Schwächen führt. Am einfachsten ist es somit, Der unglaubliche Hulk als eigenständiges Werk zu begreifen, dass auch unabhängig von der vorherigen Verfilmung leben kann. Da der Film von Ang Lee aber sehr durchschnittlich bewertet wurde und kein großer Kassenerfolg war, wollte man aus den Fehlern lernen und man entschloss sich, Hulk eine neue Richtung zu geben. Zunächst einmal holte man mit Louis Leterrier einen Regisseur ins Boot, der als reiner Unterhalter bekannt war und kein eigenbrötlerischer Visionär wie Ang Lee. Leterrier sollte besonders die Actionsequenzen aufwerten, die im Hulk-Film von 2003 noch komplett missglückten. Dies gelingt auch spürbar. Zwar sind nur drei Actionszenen im Film, diese sind aber hervorragend gelungen. Besonders der Mittelteil, wo sich Hulk mit den Soldaten des Generals anlegt, ist spektakulär gut gelungen. Aber auch die anderen beiden Actionszenen sind gut inszeniert und sehr abwechslungsreich.
Daneben wollte man Hulk einen echten Gegner vorsetzen. Nachdem die Feinde in Ang Lees Film noch sehr lachhaft waren und insbesondere die mutierten Hunde ein ganz schwarzer Fleck waren, holte man einen von Hulks Erzfeinden aus den Comics. Emil Blonsky und dessen Mutation, The Abomination, sollten Hulk in das beste Licht rücken und fordern. Im Vergleich zum Vorgänger ist dies auch gelungen. Unglaublich Neues kommt dabei aber nicht heraus, aber immerhin unterhalten die Aufeinandertreffen der beiden sehr gut. Auch Tim Roth ist in dieser Rolle gut aufgehoben und gibt einen prima Gegenspieler.
Charakterschauspieler für Charaktere
In Iron Man konnten man deutlich einen bestimmten Kurs von Marvel erkennen. Man holte sich keine kassenträchtigen Stars als Hauptdarsteller, sondern Charakterdarsteller, welche den Figuren Leben geben sollten. Hier lässt sich also viel Liebe erkennen, da man die Charaktere nicht sinnlos verheizen will. Robert Downey Jr. war dabei als Iron Man ein genialer Besetzungscoup und holte alles aus seiner Rolle hinaus. Edward Norton als Bruce Banner ist auch keine Fehlbesetzung, liefert aber keine große Show wie Downey Jr. Gutes Schauspiel zeigt Norton dennoch, auch wenn Banner leider keine besonders tiefe Figur ist. Ebenfalls gelungen sind die Auftritte von Liv Tyler und William Hurt. Zwar waren beide auch schon in besseren Rolle zusehen, aber Tyler als süße Schönheit und Hurt als fieser General sind gut besetzt. Die Darsteller sind es auch, die den Film tragen, wenn Leterrier der Spannungsaufbau und die Inszenierung weniger gelungen sind.
Marvel lernte somit aus den Fehler, die im ersten Hulk-Film begangen wurden, aber es kamen auch ein paar Schwächen hinzu. Das größte Problem ist die Vorhersehbarkeit. Der unglaubliche Hulk erzählt eine Story, wie sie bereits oft verfilmt wurde. Überraschende Ideen sind Mangelware in der Geschichte des einsamen Mannes mit dem dunklen Geheimniss und der unerreichbaren Liebe. Außerdem wertet Leterrier seinen Film nicht mit interessanten Einfällen auf. Er verwendet übliche Einstellungen und gibt dem Film keine eigene Note. Nur bei den Actionszenen zeigt sich die Handschrift des Regisseurs, dessen Inszenierung ansonsten weitestgehend austauschbar bleibt. Dadurch schleichen sich auch ab und an Leerläufe ein, die glücklicherweise oft von den guten Darstellern abgefedert werden. Zur Auflockerung gibt es aber einige Gags, wie der Hosenkauf von Banner, sowie einen netten Gastauftritt vom Lou Ferrigno, dem Hulk-Darsteller aus den 80ern und dem saucoolen Cameo von Robert Downey Jr.
Der unglaubliche Hulk – Ware nach Vorschrift
Der unglaubliche Hulk wurde kein unglaublicher Film. Stattdessen wurde ein durchschnittlicher Film abgeliefert, der sehr überraschungsarm und mit wenig neuen Ideen auftrat. Jedoch wird der Film besonders durch die Actionszenen und auch die überzeugende Darstellerriege aufgewertet. Für ordentliche Unterhaltung ist Hulk also eine gute Wahl. Der großartige Iron Man ist aber ein um Längen besserer Film geworden und bekam zu Recht eine Fortsetzung spendiert. Der unglaubliche Hulk ist aber nur ein kleiner Schritt auf den Weg zu Marvels Weg in die Riege der großen Filmstudios und zu The Avengers. Denn das größere Augenmerk dürfte auf Thor und Captain America liegen, denen Marvel ebenfalls eigene Filmauftritte gönnt und die weitaus wichtiger für Marvels weiteren Weg werden sollen.
6,5/10 Punkten
