Will Smith hat wahrlich schon viele Rollen gespielt. Einen Superhelden spielte er aber erst in Hancock.
Hancock – es gibt noch Neuerungen bei den Superhelden
Superhelden sind der Kassenknüller im Kino. Filme wie Iron Man, X-Men und Spider Man spülen gewaltige Gewinne in die Kinokassen und haben eine weltweite Fangemeinde. Besonders seit The Dark Knight einen Gewinn von über einer Milliarde Dollar erbrachte, sind die Superhelden nicht mehr aus dem Kino wegzudenken. Meist basieren diese Filme auf Comics. Also einer langen, verkannten Kunst, die sonst nur in Nerdkreisen angesehen war. Durch die beeindruckenden Einspielergebnisse haben sich die Comics und die Superhelden von ihrem Dasein als Nerdutensil gelöst und wurden salonfähig. Dass irgendwann jemand auf die Idee kommen musste, einen Superhelden ausschließlich für den Film zu konzipieren, war klar. Und mit Hancock konnte man tatsächlich einen sehr guten Vertreter vorweisen. Auch wenn der Film nicht an die Klassenbesten des Genres anknüpfen kann.
Die Handlung von Hancock
Hancock (Will Smith) ist kein normaler Mensch, denn er besitzt unbändige Kraft und kann dazu auch noch fliegen. Seine Kräfte setzt er für das Gute ein und bekämpft in L.A. Gangs und Verbrecher. Geliebt wird er von den Bürgern aber nicht. Denn Hancock ist ein Rüpel, ständig betrunken und verursacht meist mehr Schäden, als er wieder gut macht. Als er bei einem Einsatz den gutmütigen Ray kennenlernt, beginnt für den Superhelden ein neuer Lebensabschnitt. Denn Ray (Jason Bateman) ist PR-Berater und hat sich in den Kopf gesetzt, dem schwierigen Hancock ein neues Image zu verpassen. Sehr zum Unmut von Rays Frau Mary (Charlize Theron).
Hancock – eine Idee für die Ewigkeit
Die Idee von Hancock macht schon beim Lesen viel Spaß. Ein alkoholisierter Superheld der Kollateralschaden als Markenzeichen hat, muss einfach ein Knaller werden. Hier macht Hancock auch sein Versprechen weitestgehend wett. Die erste halbe Stunde ist eine beeindruckende Montage des Superheldengenre und der ewigen gutmütigen Leier. Immerhin hat sich jeder Mal gefragt, wer eigentlich für den ganzen Schaden aufkommt den Batman, Spider Man und Konsorten ständig anrichten. In der Anfangsphase machen Hancock und Hauptdarsteller Will Smith richtig Laune. Smith ist zwar sehr dominant, aber es macht viel Spaß dem glatten Superstar bei der unfreiwilligen Zerstörungsorgie zuzuschauen. Besonderes Highlight ist hier natürlich das Video mit dem bemitleidenswerten Wal. Nach diesem fulminanten Start nimmt sich der Film erst einmal eine Pause und entwickelt die Geschichte. Die Charakterentwicklung ist zwar etwas schnell, aber Regisseur Peter Berg lässt so auch keine Längen aufkommen. Jason Bateman spielt hier die intensivste Rolle und erweist sich als eine gute Besetzung für den Part des idealistischen Helfer. Hancock hat aber auch in dieser Phase viele Lacher zu bieten und unterhält bestens. Nur die schwachen Computereffekte sind ein kleines Ärgernis, da man von einem Blockbuster dieser Größenordnung Besseres gewohnt ist.
Hancock – nach starkem Beginn ein merklicher Substanzverlust
Nach dem Twist in der Mitte nimmt Hancock aber eine etwas unglückliche Wendung. Der Film wird hier dramatischer und ernster. Dies erweist sich aber als Fehler, denn die Erklärung für Hancocks Kräfte ist zwar originell, aber doch sehr weit hergeholt. Ein selbstironischer Umgang wäre hier deutlich besser gewesen. Auch darüber hinaus ist das letzte Filmdrittel das schwächste. Die Action ist nicht mehr so punktgenau wie noch zu Beginn und auch das Final überzeugt nur teilweise. Die Charakterentwicklung stottert zudem gewaltig, da sich im Mittelteil zu wenig Zeit für das Ausformen der Figuren genommen wurde. Besonders undankbar ist dabei die Rolle von Eddie Marsen. Denn sein Bösewicht bekommt niemals genug Spielzeit und strahlt keinerlei Bedrohlichkeit aus. Lediglich Charlize Theron legt eine hohe Spielfreude an den Tag und ist im letzten Teil die beste Schauspielerin. Leider ist die Endeinstellung sehr konventionell geraten. Besonders schade ist dies, da Hancock versucht hat, sich mit der Ausgangslage und dem Twist von den Genrekonventionen zu lösen und neue Wege zu beschreiten.
Hancock – kein Genreüberflieger
Hancock ist zweifelsohne ein außergewöhnlicher Film. Ein Superheldenfilm der nicht auf einem Comic basiert und auch keinen klassischen Helden präsentiert. Auch während der Filmdauer wartet Hancock mit einigen neuen Ideen auf. Leider hält der Film das Anfangstempo nicht durch und verheddert sich zum Ende hin in der eigenen Mythologie. Auch sonst ist der Film nicht perfekt und hat besonders Probleme mit dem Bösewicht und der zu schnellen Charakterzeichnung. Will Smith und Peter Berg fahren den Karren aber nicht vollständig an die Wand. Denn der Film ist, trotz aller Fehler, ein kleines Highlight im Genre und der etwas andere Blockbuster, der mit viel Witz und etwas frischem Wind in die Superheldenwelt geflogen kommt.
6/10 Punkten
