Filmkritik - Inception

Inception ist nicht nur ein beeindruckender Blockbuster, sondern auch ein Film mit Tiefe und Charakteren.

Mit Inception liefert Christopher Nolan einen revolutionären Blockbuster ab, der den Zuschauer in eine völlig neue Welt einführt.

Inception – der neue Blockbustermaßstab

Christopher Nolan gehört schon seit einiger Zeit zu den besten Regisseuren von Hollywood. Zunächst arbeitete sich der Mann aus England mit seinen Independentwerken Following und Memento an die Traumfabrik heran, eher er mit Insomnia seinen ersten Mainstream-Film realisierte. Besonders Memento war dabei ungemein komplex und gilt zu Recht als einer der besten Filme der letzten 30 Jahre. Dass Nolan aber kein One-Hit-Wonder bleiben sollte, bewiesen seine nachfolgenden Werke. Denn Nolan vollbrachte das Wunder, die totgesagte Batman-Reihe mit Batman Begins und The Dark Knight wieder zum Leben zu erwecken. Ganz nebenbei drehte er dazwischen noch den genialen Zauberer-Thriller Prestige. Nolan vollbringt dabei das Kunststück, seine Big-Budget-Filme mit einer unglaublichen Tiefe und Charakterschärfe zu versehen, was im derzeitigen Hollywood eine ganz seltene Ausnahme ist. Was aber sollte nun noch kommen? Nolans Vita ist makellos und mit jedem weiteren Werk bestünde die Gefahr, sich diese zu verderben. Nolan aber überraschte die Filmwelt einmal mehr. Denn mit dem Mindfuck Inception lieferte er den perfekten Blockbuster ab, der erneut ein Meilenstein des Kinos wurde.

Die Handlung in Inception

Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein Dieb. Mittels einer Maschine dringt er in die Träume von Geschäftmännern ein und stiehlt dort geheime Informationen. Sein letzter Auftrag geht aber schief. Er wird vom gefährlichen Saito (Ken Watanabe) ertappt und verschleppt. Dieser will Dom aber nicht töten, sondern für seine Zwecke gebrauchen. Dom soll mit seinen Partnern Arthur (Joseph Gordon-Levitt) und Eames (Tom Hardy) in den Kopf von Robert Fischer (Cillian Murphy) eindringen, dem Erben eines Milliardenimperiums. Aber der Auftrag wird schwerer als gedacht. Insbesondere wegen Cobbs innerer Zerrissenheit über seine Frau Mal.

Inception – Alte Ausgangslage in völlig neuer Form

Das Thema von Inception ist nicht neu. Schon in Matrix wurde die Frage nach dem Sein der Realität gestellt und hervorragend ausgeleuchtet. Nach dem Jahrhundertwerk Matrix schaffte es aber kein Film diese komplexe Thematik mit der Wucht eines Blockbusters zu interpretieren. Inception geht also den ersten Schritt mit Matrix zusammen, aber danach gehen die Werke in eine andere Richtung. Zunächst mal muss man Inception Zeit geben, um den Film zu genießen. Die erste Stunde von Inception ist im Grunde eine große Exposition. Nolan legt hier die Spielregeln fest, die Charaktere werden eingeführt und die Beziehung verdeutlicht. Hier ist vom Zuschauer eine genaue Auffassungsgabe gefragt, denn alles Gesagte wird noch wichtig. Nolan verlangt zwar viel vom Zuschauer, aber verheddert sich nicht in unglaubwürdigen Dingen. So wird die ominöse Maschine überhaupt nicht erklärt, sondern als Prämisse vorgegeben, wodurch die komplexe Thematik entschlackt wird. Dies ist auch wichtig, denn die zweite Hälfte von Inception ist eine einzige intellektuelle Kampfansage von Nolan. Das Universum von Inception wird nicht erklärt, sondern muss selbst erforscht werden. Nolan zeigt was möglich ist und wirft viele Fragen auf, die man selbst beantworten muss. Wie funktioniert die Schwerkraft in den Traumebenen? Wie sind die Kicks geregelt? In welchem Traum befinden sich die Protagonisten gerade? Antworten liefert Nolan selten, Fragen aber dafür viele. Besonders interessant sind die Fragen hinter den offenkundigen Fragen, die sich meist erst nach mehrmaligem Sehen und mit einem tiefen Einstieg in die Thematik offenbaren. Die Fragen sind dabei der Teil, indem sich Inception von Matrix unterscheidet, wo sich mit völlig anderen Problemen befasst wird.

170 Millionen Dollar für einen Monsterfilm

Das Inception 170 Millionen Dollar an Produktionskosten verschlang, ist jederzeit sichtbar. Zum einen sind die Actionszenen und die Spezialeffekte auf dem neusten Stand der Technik. Nolan verzichtet, wie schon in den Batman-Filmen, auf ein durchgestyltes Bombastspektakel, sondern serviert greifbare und vor allem originelle Actionszenen. Besonders hervorzuheben sind ein Zug der durch eine Stadt rast, der schwerelose Hotelkampf und der knackige Kampf um die Schneebasis. Dies alles wurde in dieser Form noch niemals gezeigt und ist perfekt inszeniert. Auch die Effekte bringen einen jederzeit zum Staunen. Beispielweise die Stadt, die sich einklappt, oder die Zerbrechung von Ariadnes Traum. Nolan inszeniert den kompletten Film mit höchster Konzentration, setzte die Musik punktgenau ein und zeichnet sich auch durch interessante Kameraeinstellungen aus. Erneut genial ist aber wieder einmal der Tonschnitt, den Nolan meisterhaft beherrscht.

Selbstverständlich floss auch ein Teil des Budgets in die Darsteller. Hier hat Inception nur Topstars auf der Liste. Größter Star ist natürlich Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio. Er stellt Dom mit einer sehr hohen Tiefe dar und ist ein absoluter Träger des Films. Wirklich brillant sind seine Szenen mit Marion Cotillard, in denen mit nur wenig Spielzeit höchste Emotionalität vermittelt wird. Neben den beiden glänzen auch die Nebendarsteller. Joseph Gordon-Levitt gibt den idealen Sidekick, der in jeder Szene herausragend eingesetzt wird. Auch Tom Hardy hinterlässt einen blendenden Eindruck, da er seine Figur Eames mit sehr viel Charisma spielt und einige der besten Filmszenen hat. Für den Zuschauer wichtig ist die Figur der Ariadne, die von Ellen Page gespielt wird. Sie ist der Neuling in der Mannschaft und fungiert als Fragensteller, was dem Zuschauer besser ins Universum von Inception leitet. Inception zaubert zudem noch die beiden Charakterdarsteller Ken Watanabe und Cillian Murphy aus dem Hut. Auch diese sind Volltreffer, da Watanabe seinen Saito mit der erforderlichen Aura aus Bedrohlichkeit und Zutraulichkeit verkörpert und Murphy seine kurzen Auftritte sehr prägend gestaltet. Dass sich auch noch renommierte Darsteller wie Michael Cain und Pete Postlethwaite in kurzen Auftritten wiederfinden, ist der endgültige Beweis, dass in Inception die Rollen perfekt besetzt sind.

Inception – der perfekte Blockbuster

Inception wurde einer der besten Filme der jüngsten Zeit und die ultimative Symbiose aus Blockbuster und thematischer Tiefe. Nolan unterstreicht mit diesem zugleich intellektuellen als auch unterhaltsamen Film seinen Ruf als einer der derzeitigen Topregisseure von Hollywood. Denn Inception ist mit perfekten Actionszenen, handwerklicher Raffinesse, grandiosen Darstellern und einem spannenden Drehbuch versehen. Kurzum: ein perfekter Film. Nur einen Makel hat Inception dann doch. Denn fortan müssen sich, wie mit Der Herr der Ringe im Fantasybereich, alle Blockbuster mit diesem Monsterfilm messen, was selten ein fairer Vergleich ist.

10/10 Punkten

Quellen:

imdb.com

filmstarts.de

cinema.de