Filmkritik - Iron Man 2

Dass Fortsetzungen selten an die Qualität des Vorgängers anknüpfen ist eine Tatsache. Iron Man 2 ist dennoch ein guter Film geworden

Mit Iron Man wurde 2008 deutlich, dass sich eine explosive Inszenierung sehr gut mit charakterlicher Tiefe und schauspielerischer Klasse vertragen. Der Film wurde aber nicht nur ein qualitativer Erfolg, sondern mit einem Einspielergebnis von über 500 Millionen Dollar auch ein finanzieller Gewinn für das Neufilmstudio Marvel. Der Plan von Marvel, einen Filmcrossover von verschiedenen Filmfiguren zu produzieren, ist mit dem Erfolg von Iron Man erst möglich geworden. Iron Man 2 sollte ein weiterer Schritt zum großen Superhelden-Happening The Avengers werden. Iron Man 2 wurde glücklicherweise keine sterile Selbstkopie der Vorgängers. Erneut standen aber Robert Downey Jr. und die anderen Charaktere im Vordergrund. Die Klasse des überragenden Vorgängers erreicht Iron Man 2 dabei nicht. Viel Spaß bereitet der zweite Auftritt des Eisenmanns dennoch.

Die Geschichte in Iron Man 2

Nachdem Tony Stark (Robert Downey Jr.) der ganzen Welt offenbarte, dass er der mächtige Iron Man ist, haben sich die Zeiten geändert. Zwar wurde durch ihn die Welt deutlich sicherer, aber viele wollen, dass er seine Technologie der Armee zur Verfügung stellt. Besonders Senator Stern (Garry Shandling) und der aufbrausende Waffenfabrikant Justin Hammer (Sam Rockwell) wollen die Waffe von Stark für ihre eigenen Zwecke nutzbar machen. Stark denkt aber nicht daran seine Technologie leichtsinnig abzugeben, da er nicht glaubt, dass die anderen damit verantwortungsvoll umgehen können. Wirkliche Probleme bekommt er aber erst, als der russische Erfinder Ivan Vanko (Mickey Rourke) erscheint. Denn auch er verfügt über einen Anzug wie Stark und bringt damit das Gleichgewicht gehörig ins Wanken.

Iron Man 2 – wieder ein Charakterfilm

Wie schon bei Iron Man ist im Nachfolger Robert Downey Jr. das dominierende Element. Seine Interpretation des arroganten Tony Stark ist mehr als grandios und kann auch mit einem Johnny Depp als Jack Sparrow oder einem Christian Bale als Bruce Wayne mithalten. Downey Jr. ist aber nicht nur als unverschämter Playboy eine Augenweide, sondern überzeugt auch in den Szenen in denen er eine größere Emotionalität ausstrahlt. Anders als bei den Fortsetzungen der Fluch der Karibik-Reihe, beließ man Iron Man 2 aber nicht bei der Leistung seines Hauptdarstellers. Stattdessen formte man erneut lebhafte Charaktere um Tony Stark herum, die diesen richtig fordern. Gwyneth Paltrow ist als Pepper Potts wieder eine Augenweide und hat eine tolle Figur. Don Cheadle übernahm unterdessen die Rolle des James Rhodes von Terrance Howard, welcher ein zu großes Gehalt gefordert haben soll. Eine wirkliche Verbesserung ist nicht zu erkennen, aber auch keine Verschlechterung. Stattdessen ist Cheadle ein gleichwertiger Ersatz und darf in Iron Man 2 auch in den Actionszenen überzeugen.

Neue Figuren gibt es in Iron Man 2 ebenfalls. Besonders interessant ist Scarlett Johansson als Agentin Natascha Romanoff. Denn sie zeigt nicht nur eine gute Leistung als Schauspielerin, sondern wird auch noch in den kommenden Filmen von Marvel wichtig werden. Auf der Seite der Bösewichte baute man gleich zwei Figuren auf, die sich grandios ergänzen. Am wichtigsten ist erst einmal der Hauptbösewicht Ivan Vanko. Eine tolle, mehrdimensionale Figur, die mit Mickey Rourke einen passgenauen Schauspieler gefunden hat. Die tiefe Rachsucht in Vanko ist eine gute Motivation und macht die Figur plausibel. Unterstützt wird er von Sam Rockwell als Justin Hammer, der klar hinter Stark zurückstecken muss. Seine Verachtung und sein Neid gegenüber Tony Stark sind auch hier klar strukturiert und auch hier funktioniert die Besetzung mit Rockwell ganz hervorragend.

Iron Man 2 – etwas zu viel des Guten

Regisseur Jon Favreau, der sich auch als Sidekick Hogan selbst in Szene setzt, inszeniert Iron Man 2 erneut leicht zugänglich und mit viel Charme. Die Einstellungen stimmen über die gesamte Distanz und Favreau behält immer die Übersicht. Auch die Actionszenen funktionieren sehr gut, obwohl hier der erste Auftritt von Ivan Vanko beim Autorennen eindeutig der eindrucksvollste ist. Da es auch insgesamt nur drei Actionszenen gibt, verkommt Iron Man 2 niemals zu einem langatmigen Spektakel, obwohl man beim Final doch etwas zu ausschweifend ist. Das Iron Man 2 nicht die Klasse des ersten Teil erreicht ist aber der Überladung der Geschichte geschuldet. War Iron Man noch ein flotter Trip ist der Nachfolger eine ausschweifende Geschichte. Die Nebenhandlungen um die Initiative der Rächer beispielsweise ist sehr auf die nachfolgenden Verfilmungen wie Thor oder Captain America gerichtet, tut aber Iron Man 2 nicht gut. Auch Senator Stern wird zu stark eingebaut und ist bei Iron Man 2 lediglich für einen grandiosen Gag am Ende gut. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Einzelteile mit The Avengers zu einem stimmigerem Ganzen zusammenfügen, als dies in Iron Man 2 der Fall ist.

Iron Man 2 – wieder ein toller Marvelfilm

Iron Man 2 ist wie auch der Vorgänger packendes Kino geworden. Tolle Schauwerte wechseln sich mit ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen ab und heben auch den zweiten Teil von Iron Man über die Masse der durchschnittlichen Comicverfilmungen. Nur die Fülle an Figuren und Nebenhandlungen ist teilweise etwas zu viel. Hier war Iron Man mit seinem flotten Erzählstil deutlich angenehmer. Auch mit einer komplexen Dimension wie Watchmen kann Iron Man 2 nicht aufwarten. Nichtsdestotrotz ist Iron Man 2 ein toller Film, der bestens unterhält und Lust auf die weiteren Marvelfilme macht.

7,5/10 Punkten

Quellen:

imdb.com

cinema.de

filmstarts.de