Robert Downey Jr. in einer fliegenden Metallrüstung? Klingt absurd, ist aber perfektes Kino.
Iron Man – das Comeback des Robert Downey Jr.
Iron Man ist in zweierlei Hinsicht ein sehr interessanter Film. Zum einen, weil er der erste Film ist, den der Comicverlag Marvel eigenständig produzierte. Zum anderen, weil er das endgültige Comeback von Robert Downey Jr. bedeutete - jenem Schauspieler, dessen Karriere in den 1990er Jahren so hoffnungsvoll begann und die vorläufig mit einer Oscarnominierung für Chaplin 1993 gipfelte. Downey Jr. war aber auch ein Skandalschauspieler wie er im Buche steht. Waffenbesitz und wiederholter Drogenkonsum führten dazu, dass seine Karriere zum Ende des 20. Jahrhunderts schlagartig stoppte. Nur mühsam kämpfte er sich mit Rollen wie in Gothika oder Zodiac wieder an Hollywood heran. Sein wirkliches Comeback war aber Iron Man, der nicht nur ein Erfolg für Downey Jr. als Schauspieler bedeutete, sondern auch ein beeindruckendes Einspielergebnis vorweisen konnte.
Die Handlung von Iron Man
Tony Stark (Robert Downey Jr.) ist nicht nur ein brillanter Wissenschaftler und Firmenchef eines Multimillionendollar-Unternehmens, sondern auch ein Lebemann und Playboy. Tony hatte einst das Waffenunternehmen von seinem Vater geerbt und leitet dies fortan mit dem alten Freund seines Vaters Obadiah Stane (Jeff Bridges). Bei einem Waffengeschäft in Afghanistan wird Tony aber Opfer eines Anschlages. Er wird gefangen genommen und soll seinen brillanten Verstand nutzen, um eine Waffe für seine Geiselnehmer zu bauen. Tony aber baut sich stattdessen einen gewaltigen Metallanzug, mit dem er seinen Peinigern entkommt. Zurück in den USA kennt er nur noch das Ziel, die Waffengeschäfte seiner Firma zu beenden und für das Gute zu kämpfen. Dabei soll ihm sein eine neue Version seiner gewaltigen Kampfrüstung helfen. Wenig beeindruckt zeigen sich davon aber seine Assistentin Pepper (Gwyneth Paltrow) und seine bester Freund James (Terrence Howard).
Iron Man – ein Schauspielerfilm im Blockbustergewand
Iron Man ist ein Sommerfilm. Es gibt Actionszenen, es wird scharf geschossen und er ist rasant geschnitten. Dass Iron Man kein flacher Film geworden ist, liegt daran, dass er mit viel Herz ausgestattet ist. Denn die Schauspieler sind eine absolute Augenweide. Der Star ist natürlich Robert Downey Jr. als Tony Stark. Die erste halbe Stunde wird der Film von Downey Jr. nach Belieben beherrscht, da er Tony Stark als die coolste Sau im Staate gibt. Stark ist überheblich, eingebildet und extrem arrogant. Dass er niemals zu einer Karikatur oder einer reinen Witzfigur verkommt, ist Downey Jr. zu verdanken. Denn durch ihn wird Tony Stark zu einer emotionalen Figur, die den kompletten Film über zu fesseln weiß, da er niemals ein glattgebügelter Held, sondern ein Mensch mit Ecken und Kanten ist.
Eigentlich könnte man einen Film bei der Leistung eines solch dominanten Hauptdarstellers belassen. Die Produzenten agierten aber cleverer und verpflichteten nur ambitionierte Schauspieler, die als verschiedene Gegenpunkte zu Downey Jr. aufgebaut werden. Gwyneth Paltrow bringt die Zweifel von Pepper über Starks Handlungen sehr glaubwürdig auf die Leinwand und ist ein guter Gegenpunkt zu Downey Jr. auf der emotionalen Ebene. Gleiches gilt für James Rhodes, der von Terrence Howard, als grundsolide Figur, die gleichzeitig Misstrauen und Freundschaft für Stark empfindet, gezeigt wird. Ein echter Blockbuster kann natürlich nicht ohne einen guten Bösewicht bestehen. Und auch hier zaubern die Macher mit Jeff Bridges als finsterer Obadiah Stane, eine Traumbesetzung aus dem Hut. Dass Bridges überhaupt einen Antagonisten verkörpern kann, hätte wohl kaum jemand vermutet. Bridges spielt jedoch mit traumwandlerischer Sicherheit und ist in jeder Szene eine präsente Figur. Diese drei Figuren funktionieren nicht nur für sich genommen hervorragend, sondern geben Iron Man somit viel Antrieb durch die Reibungen mit dem Hauptcharakter.
Iron Man – handwerklich perfekt
Um die genialen Schauspieler bauten Regisseur Jon Favreau und sein Team einen handwerklich einwandfreien Film. Iron Man ist von Anfang bis zum Ende sauber und gleichmäßig inszeniert. Niemals wird es zu hektisch oder zu langatmig. Auch die Actionszenen sind toll montiert. Sie sind übersichtlich, wissen zu fesseln und sind niemals ermüdend. Zudem sind diese hoch abwechslungsreich. So gibt es nicht nur Prügeleien mit Terroristen, sondern auch einen Luftkampf und zum Abschluss einen spektakulären Fight zwischen den Kampfrüstungen. Bei Iron Man überwiegen aber die Charakterszenen. Hier wird nicht nur auf der Darstellerebene viel geboten, sondern auch Humor gibt es in Iron Man reichlich. Beispielweise die verrückte Reise in Starks eigenem Jet, die ersten Flugversuche von Stark oder Peppers „Müllentsorgung“. Favreau findet dabei immer eine punktgenaue Mischung zwischen Humor, Action und Zwischentönen. Dass der Mann, der für leichte Unterhaltung wie Buddy – Der Weihnachtself oder Zathura – Ein Abenteuer im Weltall bekannt ist, eine solch griffige Inszenierung beherrscht, erstaunt schon sehr. Selbstredend sind die Spezialeffekte auf höchstem technischem Niveau, wie es sich für eine Produktion mit einem Budget von über 140 Millionen Dollar auch gehört.
Iron Man – eine Bereicherung für das Kino
Mit Iron Man hat Marvel gezeigt, wie Comicverfilmungen eigentlich aussehen sollten. Tolle Unterhaltung paart sich mit anspruchsvollen Charakteren. Denn Iron Man ist trotz allem Bombast ein Film mit Herz, was insbesondere am grandiosen Robert Downey Jr. liegt. Diesen Weg ging Marvel auch konsequent mit den weiteren Verfilmungen weiter und schickte mit Thor und Der unglaubliche Hulk weitere Comicverfilmungen von einem guten Kaliber ins Rennen. Dass dem Sommerfilm Iron Man die geschichtliche Tiefe von Batman Begins fehlt, ist zu verschmerzen. Denn im Grunde ist Iron Man der lockere Batman. Der Film ist humorvoller, freundlicher und auch deutlich cooler. Beide haben aber gemeinsam, dass sie bewiesen haben, dass Comicverfilmungen und Tiefe kein Widerspruch ist, sondern eine wunderbare Ergänzung.
8,5/10 Punkten
