Die Mission: Impossible Reihe verzeichnete schon einige Hochs und Tiefs. Glücklicherweise ist der vierte Teil wieder ein Höhepunkt der Reihe.
Eine Filmreihe im Schatten von J.B.
Jason Bourne und James Bond heißen im 20. Jahrhundert die Top-Agenten schlechthin. Bourne und Bond haben nicht nur die gleichen Initialen auch ihre letzten Filmauftritte sind von derselben Natur. Denn sowohl die Bourne-Reihe als auch die letzten Bond Filme, Casino Royal und Ein Quantum Trost, waren ungemein körperlich und wirklichkeitsnah inszeniert. Agenten waren wieder Menschen und keine Superhelden. Die wurden freilich in ein anderes Genre verschoben. Der dritte große Agent, der sich neben diesen beiden behauptet, ist Ethan Hunt, Held aus der Mission: Impossible Reihe. Hunt durchlebte in seinen nunmehr vier Filmabenteuern ebenso viele Neuinterpretationen wie James Bond in seinen 22. Nach dem fürchterlichen Mission Impossible 2, orientierte man sich aber sichtbar an Bourne und Bond. Aus Hunt wurde kein unbesiegbarer Weltenretter, sondern ein verletzbarer Mensch mit Fehlern und Schwächen. In Mission: Impossible 3 zündete das neue Konzept, trotz Regiewunderkind J. J. Abrams, noch nicht richtig. Mission: Impossible - Phantom Protokoll macht aber vieles wett, was in den letzten beiden Teilen versäumt wurde. Der Film wurde ein gradliniger, harter und vor allem ein extrem spannender Actionfilm.
Mission: Impossible 4 – die Handlung
Ethan Hunt (Tom Cruise) ist gerade wieder auf einer unmöglichen Mission. Auf der Spur nach dem Kriminellen Cobalt (Michael Nyqvist) bricht er in den Kreml ein und kann nur knapp den Wachen entkommen. Als aber eine Bombe mitten auf dem Roten Platz detoniert, beginnt für Hunt und seine Kameraden Dunn (Simon Pegg) und Carter (Paula Patton) erst der richtige Ärger. Denn fortan wird das IMF geleugnet und das Team muss auf eigene Faust und ohne Unterstützung nach Cobalt suchen. Mithilfe des Analysten Brandt (Jeremy Renner) gelangen sie nach Dubai und entdecken bald Cobalts wirklichen Plan.
Mission: Impossible 4 – Brad Bird, die Lichtgestalt
In Anbetracht der großen Konkurrenz durch andere Agentenfilme, musste man Mission: Impossible – Phantom Protokoll in eine neue Richtung lenken. Nicht nur wollte man die Reihe im neuen Jahrhundert besser verankern, man wollte ihr auch ihre eigene Identität, ihre Unverwechselbarkeit wiedergeben. Es überrascht aber schon sehr, dass man sich an den Macher von Ratatouille und Die Unglaublichen Brad Bird wandte, und ihm die Regie für einen solch großen Blockbuster übertrug. Bird ist zwar der vielleicht beste Animationsfilmregisseur unserer Zeit ,aber dennoch waren Bedenken angebracht, ob er auch einen Mission: Impossible Teil realisieren könnte. Bird erweist sich aber als der ideale Mann und macht aus Mission: Impossible – Phantom Protokoll einen gleichsam schnörkellosen wie spektakulären Actionfilm.
Mission: Impossible – Phantom Protokoll überzeugt vor allem durch seine spannende Inszenierung. Vom packenden Gefängnissausbruch über die Kreml-Episode bis hin zum letzten Duell in Mumbai ist Bird immer auf der Höhe der Zeit und lässt kaum Längen aufkommen. Bird gewinnt dabei jedem Drehort eine eigene Identität ab und gibt jedem einen individuellen Look. Das Highlight bleibt aber der Dreh im Burj Khalifa in Dubai. Bird beweist hier sein ganzes Können und inszeniert sowohl die Actionszenen sehr sauber und greifbar, als auch die dialoglastigen Teile enorm spannend. Nach den Szenen im Hotel lässt Bird aber auch ein wenig die Luft heraus, nur um dann im letzten Filmabschnitt die Spannungsschrauben nur noch stärker anzuziehen.
Hervorzuheben ist auch, dass der Film nicht durch ermüdende Serien von Explosionen und Kollisionen daher kommt. Vielmehr beweisen Regisseur Bird und die Drehbuchautoren Andre Nemec und Josh Appelbaum Kreativität, indem sie Szenen servieren, die man vorher nur selten im Kino zu sehen bekam. Anstrengende Actionszenen überlässt man dann lieber Transformers 3. Negativ ins Gewicht fallen da nur die etwas schlechten Computereffekte, wie der Sandsturm oder die Explosion in Moskau. Gerade von Brad Bird hätte man hier deutlich mehr erwarten können. Da Mission: Impossible 4 aber fast gänzlich ohne solche Effekte auskommt, fällt dies auch kaum auf. Stattdessen gibt es harte, spannende und sehr abwechslungsreiche Actionszenen.
Mission: Impossible 4 – ein Team mit Biss
Auch das Casting kann sich durchaus sehen lassen. Tom Cruise hat seine Tauglichkeit als Actionheld schon bewiesen und zeigt auch hier, was er kann. Langsam beginnt er sich auch von seinen früheren Peinlichkeiten zu rehabilitieren, indem er als Ethan Hunt erneut auftrumpft. Auch Jeremy Renner, mit ziemlicher Sicherheit der nächste große Hollywoodstar weiß, wie man Schauspiel und physische Präsenz perfekt in Einklang bringt und liefert eine tolle Performance ab. Simon Pegg ist mittlerweile für die Rolle des Sidekicks prädestiniert. Auch in Mission: Impossible – Phantom Protokoll überzeugt der sympathische Engländer mit viel Witz und wunderbaren Sprüchen. Zu guter letzt weiß Paula Patton nicht nur mit Sexappeal, sondern auch mit Ausdrucksstärke zu überzeugen. Sicherlich wird aber ihr packender Fight mit Lea Seydoux vielen in Erinnerung bleiben. Eine Enttäuschung bleibt aber Michael Nyqvist. Der schwedische Topschauspieler holt leider nicht mehr als den Bösewicht von der Stange aus seiner Rolle hinaus und entwickelt keinerlei Bedrohung.
Mission: Impossible hat zudem seine Eigenständigkeit wieder. Die doppelten Böden und die Twists des ersten Teils sind es aber nicht, die den Film ausmachen. Nur zwei, drei Wendungen hat der vierte Teil zu bieten, die zwar durchaus zu überzeugen wissen, aber nicht die Qualität des Erstlings erreichen. Stattdessen sind es besonders die vielen Gadgets, mit denen Ethan Hunt und sein Team operieren. Diese sind nicht besonders realitätsnahe, aber einfach sehr spaßig anzusehen. So wirkt es fast, als hätte Mission: Impossible das Erbe der alten Bond Filme angetreten, ohne aber die Stärken der physischen Bourne Werke zu vernachlässigen.
Mission: Impossible 4 – so muss ein Agentenfilm sein
Mit selbstsicherer Leichtigkeit stemmt der Animationsmeister Brad Bird auch seinen ersten Realfilm. Mission: Impossible – Phantom Protokoll ist ein schnurgerader, spannungsgeladener Actionfilm, der kreativ, spaßig und extrem unterhaltsam ist. Nur geringe Schwächen führen dazu, dass Casion Royal oder Das Bourne Ultimatum leicht besser zu bewerten sind und auch der erste Mission: Impossible unerreicht bleibt. Dies kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der neueste Teil der Reihe ein eigenständiges, unverwechselbares Werk ist und ebenso schnell wie stilsicher inszeniert ist. So muss Actionkino im Jahre 2011 aussehen, damit man zufrieden den Kinosaal verlässt.
8/10 Punkte
