Paranormal Activity ist ein absolutes Phänomen. Mit nur wenigen Mitteln schuf Regisseur Oren Peli einen echten Schocker, der unglaubliche Gewinne erzielte.
Paranormal Activity – es lebe die Mundpropaganda
Es ist schon erstaunlich, welch ein entscheidender Faktor die Mundpropaganda sein kann. Wie ein Lauffeuer können sich Informationen verbreiten und Büchern, CDs oder Filmen zu enormen Gewinnen verhelfen. Leider kann man diesen Faktor, im Vergleich zu überdimensionalen Werbeplakaten oder minutenlanger Fernsehwerbung, nur geringfügig beeinflussen. Man braucht auch ein wenig Glück. Natürlich muss auch das entsprechende Werk über ausreichend Qualität verfügen, damit sich positive Nachrichten schnell verbreiten. Paranormal Activity ist einer dieser Filme, die sich mit sehr viel Glück und Mundpropaganda zu einem absoluten Phänomen entwickelten. Denn mit bescheidenen 15000 Dollar Produktionsbudget, erspielte der Film allein an den Kinokassen knapp 200 Millionen Dollar ein. Der feuchte Traum eines jeden Produzenten. Über die Qualität des Streifens lässt sich aber dennoch streiten.
Die Story von Paranormal Activity
Katie (Katie Featherston) und ihr Freund Micah (Micah Sloat) führen ein zufriedenes Leben in einem Vorort. Katie denkt aber, dass sich im Haus ein übernatürliches Wesen befindet. Micah hält nicht viel von Katies Theorie, aber er entschließt sich eine Videokamera in ihrem Schlafzimmer zu installieren, damit das junge Paar beobachten kann, was nachts in ihrem Haus geschieht. Und schon nach wenigen Nächten beginnt Micah Katie zu glauben.
Paranormal Activity – auf den Spuren der Hexe von Blair
Paranormal Activity wurde vollständig mit einer Handkamera gedreht. Nur in den Nachtszenen wird die Kamera auf einem Stativ befestigt und ist ein starrer Punkt. Ansonsten dominieren die verwackelten Bilder. Somit erinnert der Film sehr deutlich an Streifen wie Blair Witch Project, der 1997 einen ähnlichen Erfolg wie Paranormal Activity hatte. Auch neben den handwerklichen Ähnlichkeiten verbindet die Filme mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich. In beiden wird beispielsweise der Protagonistenkreis klein gehalten und beide Filme spielen mit Urängsten. In Blair Witch Project war dies der unheimliche Wald. In Paranormal Activity ist dies die Angst, was während des Schlafens passiert.
In den Szenen während des Schlafens ist Paranormal Activity auch am stärksten. Wirkungsvoll setzt Regisseur Oren Peli die Schockeffekte ein und schafft eine ungemein spannende Atmosphäre. Immer wenn das junge Paar von den paranormalen Aktivitäten übermannt wird, entfaltet der Film einen erstaunlichen Sog. Dabei sollte man unbedingt im Hinterkopf behalten, dass Paranormal Activity mit sehr bescheidenen Mittel agiert, die das Endergebnis aber noch beeindruckender machen. Hier wird der Film auch zu einem echten Schocker, wenn die stillen Augenblicke urplötzlich von einer wehenden Bettdecke oder einer zuknallenden Tür durchbrochen werden.
Paranormal Activity – Opfer der eigenen Inszenierung
Bei aller Brillanz, die in einzelnen Szenen an den Tag gelegt wird, hat Paranormal Activity aber noch zu viel Füllmaterial. Denn die Szenen, in denen gerade nichts passiert, sind teilweise erdrückend langweilig. Peli versucht sich besonders zu Beginn an einem langsamen Spannungsaufbau, erzielt damit aber kaum Interesse sondern nur Längen. Das bei einem Film von nicht mal 90 Minuten so viele Längen auftauchen macht dies noch erschreckender. Auch die Darsteller können in diesen Szenen den Film kaum tragen. Zwar bringen sie ihre Figuren jederzeit glaubhaft rüber aber wirklich interessant angelegt ist weder Katie noch Micah. Nur wenn die Handlungen des mysteriösen Wesens ins Spiel kommen, wird Paranormal Activity wirklich interessant. Dazwischen verharrt man meist im unteren Qualitätsdrittel.
Leider sind auch weitere Schwachpunkte auszumachen. Zu konventionell agieren die Figuren in einigen Passagen. Am deutlichsten ist dies in der Dachboden-Episode, wo der Regisseur eher um des Filmes willen als um die Integrität der Figuren handelt. Außerdem stellt sich auch oft genug die Frage, warum Micah wirklich fast permanent die Kamera dabei haben muss. Beispielweise bei einem zwischenzeitlichen Gespräch mit einem Geisterexperten oder beim Besuch von Katies Schwester.
Paranormal Activity – ein Schocker, aber kein Meilenstein
Das klingt nun vielleicht schlimmer als es eigentlich ist. Paranormal Activity ist ein anständiger Film geworden, der ein bemerkenswertes Resultat aus fast lächerlichen Mitteln vorlegt. An solch perfekt inszenierten Schockmomenten kann sich jeder etablierte Regisseur gern ein Beispiel nehmen. Regisseur Oren Peli hat aber ebenfalls noch viel Nachholbedarf in Sachen Inszenierung. Die Zwischenszenen müssen deutlich interessanter gestaltet werden und auch die Figuren müssten noch vertieft werden. Wenn dies beachtet wird, kann der nächste Film auch deutlich besser werden als Paranormal Activity.
6/10 Punkten
