Guy Ritchie perfektionierte mit Bube, Dame, König GrAS und Snatch das Genre der englischen Krimikomödie. Mit RocknRolla wollte er an alte Erfolge anknüpfen.
RocknRolla – ein echter Ritchie
Bekannt machten Guy Ritchie seine beiden herausragenden Frühwerke Snatch und Bube, Dame, König GrAS. Berühmt aber seine Hochzeit mit Madonna und sein Kapitalflop Swept Away, mit seiner damaligen Ehefrau in der Hauptrolle. Swept Away war so gnadenlos schlecht, dass er sowohl bei den Kritikern einheitlich durchfiel als auch vom Publikum verschmäht wurde. Auch mit der goldenen Himbeere, dem Preis für schlechte Filme, wurde der Film mehr als einmal bedacht. Für Guy Ritchie muss dieser Flop wie eine Ohrfeige gewesen sein. Denn er entfernte sich seit Swept Away von Madonna als Schauspielerin und der Filmform des Dramas. Stattdessen besann er sich auf die Form seiner Anfangserfolge. Ein coole Inszenierung, verrückte Charaktere, straffe Dialoge und eine unüberschaubare Story. Mit Revolver fand er seine Erfolgsformel nur im Ansatz wieder. Mit RocknRolla kommt er dieser aber verdammt nah.
Lenny (Tom Wilkinson) ist der König der Unterwelt von London. Er zieht die Fäden bei jedem krummen Immobiliendeal in der Stadt. Egal ob der russische Milliardär Omovich (Karel Roden) eine Großinvestition tätigen will oder die zwei Kleinganoven OneTwo (Gerard Butler) und Mumbels (Idris Elba) auch ein Stück vom Immobilienkuchen abhaben wollen, ohne Lenny geht nichts. Lenny braucht allerdings von Omovich die stattliche Summe von sieben Millionen Euro, damit das Geschäft des Russen funktioniert. Das Problem ist nur, dass Omovichs Buchhalterin Stella (Thandie Newton) auch gern das Geld haben möchte. Da kommen ihr OneTwo und Mumbels gerade recht.
RocknRolla - alles was Ritchie auszeichnet
RocknRolla ist ein echter Guy Ritchie. Eine straffe Anfangsszene, in der die Ausgangslage von dem extrem charismatischen Mark Strong vorgestellt wird, macht dies sehr deutlich. Coole Musikstücke, schnelle Schnitte und eine wunderbare Optik: Ritchie zeigt sein Talent in jeder Sekunde des Films. Besonders der Einsatz der Musikstücke von bekannten Bands des Indie- und Britrock passt punktgenau. Ritchie beherrscht zudem viele Techniken, um eine langweilige Szene interessanter zu gestalten. Beispielweise finden die üblichen Slow-Motion-Einstellungen oder Rückblenden oft Verwendung. Aber auch weniger übliche Tricks finden Eingang in Ritchies neuen Film. Zum Beispiel unterlegt der Regisseur eine Szene mit Sprechblasen, fügt immer wieder spannende Tonschnitte ein oder serviert die lustigste Sexszene seit langem. Auch kultverdächtige Dialoge sind in RocknRolla zur Genüge vorhanden. Die Gespräche zwischen OneTwo und Stella beispielweise oder die philosophischen Monologe des Titelhelden Johnny Quid (Toby Kebbell). Auch der Erzähler Archie (Mark Strong) hat einige knackige Sprüche parat.
Ritchie hat seine Figuren nur mit den Topschauspielern der britischen Inseln besetzt. Gerard Butler, Tom Wilkinson, Tom Hardy, Mark Strong, Thandie Newton etc. - eine solche Ansammlung an britischen Superstars findet man sonst nur in den Harry Potter Filmen. Besonders denkwürdige Auftritte liefern sie zwar nicht ab, aber es gibt auch keine wirklichen Ausfälle in der Darstellerriege. Nur Toby Kebell´s Johnny Quid ist etwas zu abgedreht. Ritchie und seine Schauspieler schaffen es aber dennoch, über die komplette Distanz des Films blendend zu unterhalten.
RocknRolla – nicht der ganz große Wurf
Ritchie mischt all seine bekannten Zutaten in den Film. Leider schmeckt dieser nicht so gut wie seine Anfangsfilme. Denn diesmal ist das Rezept die Schwachstelle. Ritchies Geschichte bietet zwar mit dem Immobilenfaktor eine neue Ausgangslage, aber wirklich frisch ist sie nicht. Im Grunde kopiert Ritchie sich selbst. Wer also bereits Snatch und Bube. Dame, König, GrAS gesehen hat, wird einiges wiedererkennen. Auch der Erzählstil hat sich nicht verändert. Ritchie beginnt mit einer großen Figurenanzahl und mit verschiedenen Handlungssträngen. Im Laufe des Films laufen diese Figuren und Handlungsstränge ineinander und werden im Finale zu einem logischen Ganzen zusammengefügt. Leider verpasst RocknRolla dieses Ziel. Bei Ritchies Frühwerken liefen die Handlungsstränge zwar sehr kurios, aber dennoch zwangsläufig ineinander. Bei RocknRolla wirkt das Final aber nicht zwangläufig, sondern zwanghaft. Dies hinterlässt doch einen bitteren Nachgeschmack und lässt RocknRolla, besonders im Vergleich zu Snatch und Bube, Dame, König GrAS, deutlich abfallen.
Fazit
RocknRolla ist zweifelsohne ein unterhaltsamer Film. Ritchie zeigt sein ganzes Talent und knüpft eine geistige Verbindung zu den beiden Erfolgen aus seiner Frühzeit. Deren Klasse erreicht RocknRolla aber nicht ganz. Dafür ist die Story nicht originell genug. Stattdessen variiert er seine Erfolgsformel nur. Ein guter Film ist es dennoch geworden. Auch kann Ritchie begangene Sünden wie Swept Away und teilweise auch Revolver vergessen machen. Aber RocknRolla steht eindeutig im Schatten vom tollen Sherlock Holmes, den Ritchie wenig später in die Kinos brachte und mit dem er ganz groß absahnte.
6/10 Punkten
