Zack Snyders neuster Film Sucker Punch will unterhaltend und anspruchsvoll sein. Funktioniert hat dies aber nur zum Teil.
Sucker Punch – viel Lärm und ein bisschen mehr
Zack Snyder gehört noch nicht zu den besten Regisseuren, die Hollywood zu bieten hat. Zu schwankend sind seine bisherigen Regieleistungen, um den Mann in die erste Liga zu befördern. Snyder gehört aber mit Sicherheit zu den talentiertesten Filmemachern, die es derzeit gibt. Nicht ohne Grund ist ihm die Regie für den neusten Superman-Film übertragen worden. Snyder agiert mit einer beeindruckenden Bildersprache und zaubert visuell berauschende Welten auf die Leinwand. Bislang hakte es bei Snyder aber immer auf der inhaltlichen Ebene. 300 war ein optisches Spektakel ohne Nährwert und mit langweiligen Dialogen. Auch Dawn of the Dead hätte mehr sein können, darf aber, anders als 300, als gelungen betrachtet werden. Nur mit Watchmen konnte Snyder bislang auch inhaltlich punkten, was aber auch an der epischen Vorlage von Alan Moore lag. Mit Sucker Punch hat Snyder aber erst mal die Karten selbst in der Hand. Denn Sucker Punch ist der erste Film, der auf einem Drehbuch des Regisseurs basiert. Das Ergebnis ist aber sehr zwiespältig.
Die Handlung von Sucker Punch
Die junge Baby Doll (Emily Browning) wird nach dem Tod ihrer Mutter von ihrem Stiefvater in eine Psychiatrie eingewiesen. Hier soll sie, auf Wunsch des Stiefvaters, einer Lobotomie unterzogen werden. Baby Doll bleiben nur fünf Tage, bis der Arzt kommt und sie ihrer Erinnerungen beraubt wird. Verängstigt und verzweifelt flüchtet sie sich in eine Fantasiewelt, in der die Psychiatrie zu einem Stripclub wird. Aber auch hier ist sie nur ein wertloses Objekt. Zusammen mit ihren Leidensgenossen (unter anderem Vanessa Hudgens und Abbie Cornish) will sie die Flucht wagen. Aber um zu flüchten, muss sie sich in eine gefährliche Fantasiewelt begeben, in der sie sich aber endlich zur Wehr setzen kann.
Sucker Punch – visuell und akustisch auf der Höhe der Zeit
Snyder zeigt schon in der Anfangssequenz, zu was er fähig ist. Baby Dolls Kampf mit ihrem Stiefvater wird packend eingefangen und mit einer von Emily Browning interpretierten Version von „Sweet Dream“ musikalisch perfekt unterlegt. Auch im Filmverlauf bleibt die Musik und die Kameraarbeit eine der großen Stärken des Films. Zweifelsohne versteht Snyder sein Handwerk als Regisseur. Es ist egal, ob sich die Handlung gerade in einer kühlen Psychiatrie, einem farbenfrohen Stripclub oder einer ausschweifenden Fantasiewelt befindet, Snyder inszeniert stets stimmig. Eine seiner großen Stärken aus seinen bisherigen Filmen konnte Snyder aber nicht auf Sucker Punch übertragen: Packende Actionszenen. Sowohl Dawn of the Dead, 300 und Watchmen profitierten ungemein von den starken Actionsequenzen und den Fast-Slow-Fast-Einstellungen. In Sucker Punch wirken die Actionszenen fast schon langweilig. Die Samuraiszene weiß noch zu gefallen und auch im Kampf gegen deutsche Zombiesoldaten finden sich noch interessante Einstellungen. Die anderen beiden Kampfszenen sind aber belanglos und können nicht fesseln. Der Kampf gegen den Drachen ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten und auch die Robotersequenz wirkt mehr lachhaft als cool. Somit sind diese Sequenzen eine der größten Schwächen von Sucker Punch. Dies war nach dem ersten Trailer und nach Snyders bisherigen Filmen nicht zu erwarten.
Das Drehbuch von Sucker Punch
Kann ein Film von Zack Snyder, in dem die Action nicht stimmt, überhaupt gelungen sein? Jein. Die Story aus der Feder des Regisseurs ist eine zweischneidige Angelegenheit. Die Verlegung auf mehrere Storyebenen erweist sich mehr als Bremsklotz denn als Antrieb. Ganz schlüssig kann Snyder dies auch nicht erklären. Aber das Thema ist durchaus interessant. Snyder inszeniert den Film nicht aus einem chauvinistischen Blickwinkel, sondern präsentiert ein Plädoyer für mehr starke Weiblichkeit im Kino und der Popkultur. Frauen sind in der Welt der Filme und Videospiele Spielzeuge. Lustobjekte ohne Gefühle, die nur dem Zweck der sexuellen Befriedigung der Männer dienen. Die Protagonisten in Sucker Punch werden von Männern dominiert und sind komplett wehrlos. Nur in der Fantasiewelt ist Baby Doll stark. Snyder zeigt, dass unsere gesamte Popkultur von Männern dominiert ist und Frauen eine untergeordnete Rolle spielen. Diese Ehrlichkeit ist bewundernswert und gibt Sucker Punch viele Pluspunkte.
Probleme bekommt Snyder aber bei der Charakterisierung. Keiner Figur wird eine größere Persönlichkeit gegeben. Sie sind Figuren, aber keine Menschen. Besonders bei den weiblichen Protagonisten ist dies sehr schade, da man als Zuschauer kein Interesse für ihr Schicksal bekommt. Welche von ihnen wann und wie ihr Ableben findet, ist dem Zuschauer herzlich egal. Auch hebt sich niemand aus der Darstellerriege in den Vordergrund. Nur Oscar Isaacs als Bösewicht setzt einige Akzente. Jon Hamm wird sogar total verschenkt. Bei einem Schauspieler seines Formats ist das mehr als traurig.
Sucker Punch - ein gemischter Eindruck
Sucker Punch hinterlässt einen gemischten Eindruck. Ohne Zweifel macht Snyder visuell und akustisch viel aus dem Film. Der Stil des Regisseurs ist jederzeit erkennbar. Auch das Drehbuch ist nicht schlecht und sollte Snyder Hoffung geben, es weiter als Drehbuchautor zu probieren. Jedoch unterlaufen auch Fehler, die nicht hätten sein müssen. Die Actionszenen sind für den Regisseur ungewohnt schwach und die Charakterisierung hat er gar total verhauen. Somit ist Sucker Punch nicht der beste Film aus Snyders Vita. Diesen Titel hat immer noch Watchmen inne. Besser als 300 ist der neuste Streich von Snyder aber allemal und vielleicht landet er mit dem neuen Superman-Film endlich den ganz großen Wurf für die erste Liga in Hollywood.
5,5/10 Punkten
Quellen:
