Mit The Thing wurde erneut ein Filmklassiker einer Frischzellenkur unterzogen. Der künstlerische Erfolg hält sich dabei aber in Grenzen.
The Thing – ein Prequel zu einem Klassiker
Als John Carpenter, seines Zeichens Mitbegründer des modernen Horrofilms, 1982 Das Ding aus einer anderen Welt in die Kinos brachte, war ihm kein finanzieller Erfolg vergönnt. Denn an den Kinokassen wurde sein brutaler Alien-Schocker vom kindlichen E.T. plattgewalzt. Carpenters Film wurde aber zu einem absoluten Kultphänomen. Mit den Jahren etablierte sich der launige Streifen als Prototyp des Splatterfilms und wurde besonders wegen seiner drastischen Effekte geschätzt. 30 Jahre später ein Remake davon in die Kinos zu bringen, scheint auf den ersten Blick keine gute Idee zu sein. Aber immerhin war Das Ding aus einer anderen Welt selbst ein Remake von Christian Nybys gleichnamigem Film von 1951. Und die windigen Produzenten von The Thing produzierten diesen auch nicht als Remake, sondern als Prequel zu Carpenters Version. Der Film schickt sich an, die Vorfälle in der norwegischen Eisstation zu beleuchten, die vor der 1982er Version passiert sind. Dabei gilt aber, dass man Carpenters Film besser ganz aus dem Gedächtnis streichen sollte. Denn bei jedem noch so kleinen Vergleich mit dem Vorgänger verliert The Thing auf der ganzen Linie.
Die Handlung von The Thing
Als die Pathologie Kate (Mary Elizaeth Winstead) zu einer Entdeckung auf eine norwegische Forschungsstation in der Antarktis eingeladen wird, ahnt sie noch nicht das Ausmaß des Fundes. Die Norweger haben ein gigantisches Raumschiff und den dazugehörigen Passagier ausgegraben. Mary und der seltsame Dr. Halvorson (Ulrich Thomsen) sollen das fremdartige Alien untersuchen, aber sie finden viel mehr heraus es man es gedacht hat. Nicht nur, dass der Gast aus dem All noch lebt, er ist auch noch äußerst aggressiv und kann sich zudem in die exakte Kopie eines Menschen verwandeln. Und schon kurz nach den ersten Todesfällen wird jeder verdächtigt.
The Thing – etwas für Hartgesottene
John Carpenter war niemals ein großer Geschichtenerzähler. Das merkte man nicht nur bei Das Ding aus einer anderen Welt, sondern auch bei Die Klapperschlange oder Halloween. Was der Mann aus New York aber kann, ist eine dichte, glaubwürdige Atmosphäre konstruieren. Die Qualität geht The Thing aber leider vollkommen ab. Der klaustrophobischen Panik, der sich die Protagonisten im 1982er Film noch entgegensahen, blitzt in der 2011er Version nur kurz auf. Beispielweise wenn die Verdächtigungen im Mittelteil beginnen. Regisseur Matthijs von Heijning Jr. versucht sich statt der beengten Atmosphäre eher an ausschweifenden Panoramen des unendlichen Weiß oder einer gewaltigen Höhle. Das Ganze sieht auch nett aus, ist aber auch nicht bahnbrechend. Dies gilt auch im besonderen Maße für den gesamten Film. The Thing ist solide inszeniert und produziert und hat wenig technische Schwächen. Aber der Film reißt eben auch keine Bäume aus.
Spricht man heute von Das Ding aus einer anderen Welt, so ist die klaustrophobische Grundstimmung aber eher ein sekundäres Merkmal. Vielmehr ist der Film wegen der krassen und sehr, sehr deftigen Effekte im kollektiven Gedächtnis verhaftet. Auch bei The Thing sind die Effekte die große Stärke. Die verschiedenen Arten des Aliens sind äußerst ekelhaft und spektakulär in Szene gesetzt und auch die Filmtode können überzeugen. Dass die Effekte diesmal am Computer entstanden sind stört nur, wenn man den Vorgänger als Referenz nimmt. Sollte man dies tun, so geht The Thing ordentlich Charme verloren, aber dennoch hebt sich der Film stark von ähnlichen, aktuellen Werken ab. Womit The Thing ebenfalls punkt kann, sie die außergewöhnlich guten Soundeffekte, die die Splatterszenen noch eindruckvoller machen.
The Thing – eine seichte Angelegenheit
Heijning Jr. setzt zudem vermehrt auf Action- und Schockmomente statt auf die Pracht des Aliens. The Thing verkommt somit mehr zu einem sensationslüsternen Reißer, anstatt zu einem packenden Film. So erinnert der Streife zum Ende hin sogar an den grottigen Alien vs. Predator. Die Charaktere können da ebenfalls nur wenig retten. Mary Elizabeth Winstead gibt ihrer Hauptfigur kein scharfes Profil, aber sie versucht nach Kräften gegen ihre schablonenhafte Kate anzuspielen. Dies gelingt ihr auch ausgesprochen gut und sie hat das Publikum auf ihrer Seite. Bei dem Rest des Cast verhält es sich aber wie in den meisten anderen Horrorfilmen. Die Figuren bleiben zu austauschbar und sehr blass. Eric Christian Olsen bleibt beispielweise nur wegen seiner Tätigkeit bei Navy: CIS LA in Erinnerung und nicht wegen seiner Filmrolle. Ulrich Thomsens Dr. Halvorson hingegen ist der Inbegriff des mittlerweile ausgelutschten, skrupellosen Wissenschaftlers. Kleine aber prägnante Akzente setzt jedoch Jorgen Langhelle als bärbeißiger Lars, der einfach tierisch sympathisch ist.
Vergleicht man also The Thing mit seinem großen Vorgänger, so verliert er in jeder Kategorie. Leider wird man vom Film geradezu aufgefordert, an Carpenters Klassiker zu denken. Die Handlung wird mit nur minimalen Abweichungen erzählt und orientiert sich ansonsten stark am 1982er Film. Auch die Übergänge zum anderen Film haben zwar den einen oder anderen Aha-Effekt, aber besonders das Ende wirkt eher wie eine Pflichtübung. Auch Überraschungen sind sehr selten. Der pfiffige Zuschauer wird beispielsweise schnell erahnen, wer der nächste Infizierte ist, wodurch The Thing einiges an Spannung geraubt wird. Ein weiteres Ärgernis ist zudem die Ausstattung. Dass der Film eigentlich in den 80ern spielt, merkt man nur an kleinen Details, wie den Computern oder der Kamera. Ansonsten könnte der Film auch problemlos in der jetzigen Zeit angesiedelt sein.
The Thing – nicht mehr als der Durchschnitt
The Thing überzeugt nur teilweise. Die Effekte sind wirklich eine abartige Augenweide und beim starken Mittelteil atmet der Film sogar ein wenig des Flairs des Vorgängers ein. Dazu kommen noch saubere Produktionswerte und teilweise überzeugende Schauspieler. Dies alles kann aber nicht die Schwächen überdecken. Zu vorhersehbar ist der Film, zu schwach ist die Handlung und zu wenige Figuren haben eine Identität. Dies alles macht The Thing zu einem durchschnittlichen Streifen. Denkt man aber an Das Ding aus einer anderen Welt, so wirkt The Thing eher wie der missratene kleine Bruder.
3,5/10 Punkten
