Ben Affleck scheint endlich seine Berufung gefunden zu haben. Auch sein zweiter Film als Regisseur ist großes Kino.
Das Dilemma des Ben Affleck
Ben Affleck wurde für seine Schauspielleistungen von den Kritikern oft geschunden. Besonders für Armagedon, Daredevil und Paycheck musste er viel Prügel einstecken. Teilweise auch zu Recht. Es wird aber auch gern vergessen, dass Affleck auch gute Auftritte als Schauspieler hatte. Beispielsweise in Dogma, State of Play oder auch sein herrlich kurioser Auftritt in Smokin Aces. Dass Affleck mehr den Ruf als Medienstar denn als Schauspieler hat, lag auch an seiner klatschträchtigen Beziehung mit Jennifer Lopez. Mittlerweile ist er mit Jennifer Garner verheiratet, Familienvater und aus der Regenbogenpresse verschwunden. Seine Schauspielerei bleibt dennoch eine zumindest diskussionswürdige Angelegenheit. Ben Affleck zeigt sein wahres Talent vielmehr als Regisseur. Gone Baby Gone, Afflecks Regieerstling, war eines der spannendsten Krimidramen 2007 und auch finanziell ein Gewinn. 2010 folgte dann Afflecks Nachfolgewerk, The Town. Auch sein Zweitwerk wurde ein sehr guter Film und zeigte, dass in dem durchschnittlichen Schauspieler ein ausgezeichneter Regisseur steckt.
Die Handlung von The Town
Doug MacRay (Ben Affleck) ist im Nordosten von Boston, im berüchtigten Stadtteil Charlestown, aufgewachsen. Doug wurde von der Kriminalität des Stadtteils geprägt, trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde Bankräuber. Zusammen mit seinem engen Freund James Coughlin (Jeremy Renner) und anderen Freunden, raubt er professionell und effektiv Banken und Geldtransporter aus. Bei einem Bankraub wird jedoch die schöne Filialleiterin Claire (Rebecca Hall) als Geisel genommen. Doug und seine Bande können aber unentdeckt entkommen und lassen Claire wieder frei, ohne dass diese die Gesichter der Bankräuber gesehen hat. Doug und seine Freunde haben dennoch ein mulmiges Gefühl. Möglicherweise hat Claire doch etwas mitbekommen. Doug bekommt die Aufgabe Claire zu beschatten. Jedoch entwickelt Doug Gefühle für die Bankangestellte, was die Sache nicht vereinfacht. Auch das FBI ist der Bande bereits auf den Versen. Besonders der beinharte Agent Frawley (Jon Hamm).
The Town – Affleck in Topform
Die Geschichte von The Town ist nicht besonders innovativ. Die Story des gutmütigen Verbrechers, der noch einen letzten Coup machen möchte und sich danach zur Ruhe setzen will, wurde einfach schon viel zu oft erzählt. Auch die obligatorische Liebesgeschichte ist altbekannt. Jedoch ist dies schon der einzige große Kritikpunkt an The Town. Denn von der altbekannten Ausgangslage des Films abgesehen ist Afflecks zweites Werk spannend und abwechslungsreich. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, ist dabei dennoch immer übersichtlich. Zudem werden die Charaktere sehr sorgsam aufgebaut und immer mit einer plausiblen Motivation versehen. Jeder Beweggrund ist folgerichtig, wodurch die fortlaufende Handlung von The Town absolut zwangsläufig ist. Aus der bekannten Ausgangslage wird also dank spannender Charaktere eine reizvolle Geschichte. Affleck stand jedoch vor der schwierigen Aufgabe, die Charaktere mit den richtigen Darstellern zu besetzen. Die Aufgabe hat Affleck mit der Bestnote gelöst. Die Hauptrolle hatte er in Gone Baby Gone noch seinem Bruder Casey Affleck überlassen. In The Town besetzt er sich prompt selbst mit der Rolle des Doug MacRay. Ben Affleck ist dabei schauspielerisch und vor allem körperlich sehr beeindruckend. Doug ist einerseits der harte Hund, andererseits auch der nachdenkliche und romantische Mann. Affleck setzt sich dabei immer gekonnt selbst in Szene und präsentiert sich als guter Darsteller.
Highlights bei den Nebendarstellern und der Kulisse
Affleck muss sich als Schauspieler aber hinter seinen furiosen Nebendarstellern anstellen. Jon Hamm verkörpert seinen stereotypen FBI-Agenten extrem charismatisch und bekommt viele Sympathien. Auch Rebecca Hall ist eine Topbesetzung und besonders in den emotionalen Momenten überzeugend. Das Highlight ist Jeremy Renner. Sein James ist ein Vollblutgangster und Pulverfass, das jederzeit explodieren könnte. Immer hat er jedoch das Wohl seiner Familie und seiner Freunde im Blick. Renner spielt diesen schmalen Grad ungemein spannend und erhielt zu Recht eine Oscarnominierung. Bei den Awards musste er sich dann nur Christian Bale aus The Fighter geschlagen geben. Der eigentliche Star ist jedoch Boston. Affleck fängt eine wunderbare Atmosphäre der ostamerikanischen Stadt und des irisch-amerikanischen Arbeitermilieus ein.
Affleck verwendet in The Town sowohl spannende Actionszenen als auch geschliffene Dialoge. Die Raubzüge werden von Affleck sparsam eingesetzt, aber sind gerade deshalb eine Wucht. Besonders im Finale zieht der Regisseur alle Register des modernen Actionkinos. Das moderate, gleichwohl nicht überdurchschnittliche Budget von 34 Millionen Dollar wird optimal eingesetzt. Auch viele Dialogszenen sind packend und bleiben im Gedächtnis. Die Gespräche mit Doug und seinem Vater im Gefängnis, der Dialog am Zaun von James und Doug oder die Szenen mit Agent Frawley beispielweise. Ebenfalls stark an The Town sind die vielen Motive. Die Freundschaft zwischen Doug und James wird oft thematisiert und ist eine große Reibungsfläche. Auch Fragen nach dem Wert der Familie, der Tradition oder den Sünden der Vergangenheit werden gestellt, wodurch man mit The Town viel Diskussionszeit verbringen kann.
Fazit - The Town ist großes Kino
The Town ist ein erstklassiges Krimidrama. Affleck zieht seinen Film vordergründig als Actionfilm auf, setzt diese Szenen allerdings sehr sparsam, jedoch kraftvoll ein. Zudem sind die Darsteller und die Figuren selbst ein Highlight von The Town. Nur die Ausgangsgeschichte ist nicht originell genug um den Film zu einem Meilenstein zu machen. Affleck zeigt also mit nur zwei Filmen, wie gut er als Regisseur ist. Bleibt zu hoffen, dass bald noch weitere Filme von Affleck herauskommen. Gerne auch wieder mit dem wunderschönen Boston als Kulisse.
8,5/10 Punkten
