Thor heißt der neue Film aus dem Hause Marvel. Und diesmal schickt das Filmstudio niemand Geringeren als den Donnergott aus der nordischen Mythologie höchst selbst auf die Leinwand.
Thor – Ein Gott als Superheld
Das Superheldengenre erlebte besonders zu Beginn des 21. Jahrhunderts einen wahren Boom. Mittlerweile hat sich das Genre aus dem Bereich der Phantasie wegbewegt und ist zu einer realistischen Erzählweise übergegangen. Besonders Christopher Nolans Batman-Filme und Zack Snyders Watchmen prägten diesen Weg. Auch Iron Man und Iron Man 2 waren mehr realistisch als phantastisch. Mit Thor geht das Filmstudio Marvel nun den anderen Weg. Der Film entfesselt eine Fantasywelt, wie man sie davor nur selten auf der Leinwand sah. Götter, Magie und Monster sind in Thor allgegenwärtig. Die Frage, die einen vor dem Schauen von Thor beschäftigt, war, wie sich diese Phantasie mit dem Realismus mit Iron Man vertragen würde? Immerhin will Marvel 2012 die Superheldenzusammenkunft The Avengers mit Iron Man, Thor, Captain America, Hulk und vielen anderen in die Kinos bringen. Zur großen Überraschung funktioniert Thor und dessen Mythologie ganz hervorragend. Wenn auch nicht über die komplette Distanz.
Thor (Chris Hemsworth) ist der Sohn von Odin (Anthony Hopkins) und einer der stärksten Kämpfer der Welt Asgards. Bald soll der junge aber verzogene und unkontrollierbare Thor König über Asgard werden. Wegen seiner Unbeherrschtheit droht dem Königreich aber ein Krieg mit dem alten Feind, den Eisgiganten. Odin will Thor eine Lehre erteilen und verbannt seinen Sohn auf die Erde. Ohne Kräfte und ohne seinen Hammer Mjölnir. Thor soll sich endlich in Demut beweisen und lernen ein weiser Herrscher zu werden. Odin weiß aber nicht, dass er damit dem niederträchtigen Loki (Tom Hiddelston) in die Karten spielt.
Thor – der neueste Streich von Marvel
Bei Thor kombiniert Marvel die Faktoren, die auch die anderen drei Filme des Studios auszeichneten. Zum einen setzte man keinen klassischen Blockbusterregisseur auf dem Regiestuhl. Mit Kenneth Branagh holte man einen Shakespearkenner und Mann für leise Zwischentöne ins Boot. Branagh erweist sich als ein Glücksgriff für die Regie. Die einzelnen Konflikte zwischen den Figuren arbeitet er sehr gut heraus und inszeniert seinen Film griffig und unkompliziert. Nur den Actionsequenzen fehlt es noch an Übersicht. Neben dem Regiestuhl besetzte Marvel auch die Hauptdarsteller niemals mit kassenträchtigen Stars, sondern mit guten Schauspielern. Dabei machte besonders Robert Downey Jr. als Iron Man seine Sache ganz hervorragend und auch Edward Norton war in Hulk keine Fehlbesetzung. Mit Chris Hemsworth ging man genau in dieselbe Richtung. Auch bei Thor funktioniert dies. Hemsworth spielt Thor als starken Kämpfer aber auch als trotziges und verzogenes Kind. Hemsworth Thor wurde mit dem Silberlöffel im Mund geboren und zeigt dies auch in jeder Sekunde. Auch körperlich und im späteren Filmverlauf ist Hemsworth die ideale Besetzung für den aufbrausenden Gott. Zudem finden sich auch in Thor sehr viele lustige Szenen wieder und auch die Anspielungen auf andere Marvelverfilmgungen sind vorhanden.
Thor – Blockbuster mit Charakteren
Tom Hiddelston als Loki ist Thor mindestens ebenbürtig. Loki ist kein Bösewicht wie jeder austauschbare Gegner von James Bond. Stattdessen ist Loki ein verwirrter Junge, der nur um die Annerkennung seines Vaters kämpft und sich seiner Identität bewusst werden will. Dass er dabei den falschen Weg beschreitet, wirkt wegen Lokis Hintergrundgeschichte folgerichtig und wird von Newcomer Hiddelston hervorragend auf die Leinwand gebracht. Während Thor also in den Hauptrollen weniger bekannte Darsteller einsetzt, sind die Nebenrollen nur mit Topdarstellern besetzt. Anthony Hopkins gibt den Göttervater Odin mit einer Aura der Ruhe und Weisheit und verbreitet bei jedem seiner Auftritte Ehrfurcht. Natalie Portman ist die perfekte Besetzung für die Rolle der klugen und wissbegierigen Wissenschaftlerin und ist besonders in Kombination mit Thor eine Augenweide. Außerdem finden sich Rene Russo als Thors Mutter, Stellan Skarsgard als kluger Wissenschaftler und Idris Elba als mysteriöser Torwächter in der Besetzungsliste wieder. Auch diese sind Volltreffer und haben ganz spezielle Auftritte.
Thor ist auch tricktechnisch eine Augenweide. Das geschätzte Budget von 150 Millionen Dollar wird optimal ausgenutzt und schlägt sich besonders in der detailreichen Götterwelt von Asgard wieder. Der 3D-Effekt ist zwar nicht zwingend notwendig, aber besonders in Asgard und der Wüste von New Mexico ein toller Nebeneffekt. Leider sind besonders das Final und der anfängliche Kampf mit den Eisgiganten zu ausschweifend geraten. Hier wäre weniger mehr gewesen, da sich teilweise doch Ermüdung bei den Zuschauern einstellt.
Passt Thor überhaupt zum Marveluniversum?
Im Gegensatz zu Iron Man oder Hulk ist Thor nur teilweise eine irdische Geschichte. Besonders prägnant ist im Film der mythologische Überbau, dem sich fortan alle Filme von Marvel unterordnen müssen. Die Mythologie funktioniert dabei sehr gut und steht in keinem Gegensatz zu den Pfaden von Iron Man oder Hulk. Besonders die Idee, dass man die Götter und Eisgiganten als Aliens begreifen kann, ist ein interessanter Aspekt. Marvel wird aber gut damit tun, die Welt und die Mythologie nicht zu sehr in die Filme einzubinden und auszuschlachten. Stattdessen ist eine Konzentration auf die Figuren und deren Konflikte deutlich interessanter. Thor und Iron Man würden beispielsweise eine herrlich schräge Charakterkonstellation abgeben. Thor fügt sich somit als Überbau sehr gut in die bisherigen Marvelfilme ein. Man darf aber dennoch gespannt sein, auf The Avengers und die große Superheldenzusammenkunft.
Fazit: Perfektes Blockbusterkino
Thor ist perfektes Blockbusterkino. Der Film protzt mit starken Effekten und wunderbaren Welten. Das Highlight sind aber die Darsteller und die Figuren, die auch abseits der Effekte überzeugen können. Marvel vollzieht also auch mit Thor das Kunststück, eine ganz besondere Comicverfilmung abzuliefern. Kleine Schwächen weist der Film aber bei den Actionszenen und besonders beim überlangen Final auf, bei dem auch die Mythologie zu ausschweifend wird. Bevor es aber mit The Avengers weitergeht, wird Marvel Captain America in die Kinos bringen. Es bleibt abzuwarten, ob der patriotischste aller Superhelden die Klasse von Iron Man oder Thor erreichen kann. Marvel ist aber auch dieses Kunststück zuzutrauen.
8/10 Punkten
