Wie man neben den hohlen Gewaltpornos im schweren Splatterkino noch bestehen kann, zeigt der zugleich komische und brutale Tucker and Dale vs. Evil.
Tucker and Dale vs. Evil – der Geist von Scream
Der klassische Splatter- und Slasherfilm hat sich im Laufe der Jahre sehr gewandelt. Der normale Slasher-Film wurde mehr und mehr verdrängt und an seine Stelle traten stumpfsinnige Gewaltpornos, wo man den Horror größtenteils mit expliziter Gewaltdarstellung zeigte. Im Falle wie den letzten Filmen der Saw-Reihe oder Hostel ist es überdeutlich zu sehen, dass es einfach nicht reicht Gewalt zu präsentieren. Humor, wie bei vielen Splatterfilmen, fehlt bei diesen Fällen beispielsweise komplett. Wie man mit den Regeln der Genres spielen kann, bewies zuletzt der revolutionäre und schon zum Klassiker mutierte Scream. Hier wurde wieder ein tolles Stück des Slasherkinos präsentiert, das sich wohltuend von sämtlichen nachfolgenden Gewaltfilmen abhob. Tucker and Dale vs. Evil schlägt nun in dieselbe Kerbe wie Scream und zeigt, wie man abseits von tumber Gewaltverherrlichung mit viel Humor einen wirklich guten Splatterfilm produzieren kann.
Die Handlung von Tucker and Dale vs. Evil
Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) sind zwei gutmütige, ehrliche Arbeiter. Zwar wirken die zwei oftmals wie schrullige Hinterwäldler, aber dennoch sind sie im Inneren nette Menschen. Gerade als Tucker und Dale ihr Ferienhaus in einem abgelegenen Wald reparieren wollen, taucht auch eine Gruppe von Studenten auf. Allison (Katrina Bowden), Chad (Jesse Moss) und ihre Freunde wollen eigentlich nur eine coole Zeit haben, aber auf die städtischen Studenten wirken Tucker und Dale wie mörderische Psychopathen. Als sich Allison bei einem Badeausflug verletzt, passiert dann eine fatale Verwechslung, die eine Reihe von mörderischen Unfällen in Gang setzt.
Tucker and Dale vs. Evil – hinfort mit den Regeln
Tucker and Dale vs. Evil ist wirklich kein normaler Film des Genres. Denn statt sich brav den Regeln zu beugen, überzeugt der Film, indem er die Konventionen umdreht und herrlich absurdes Kino präsentiert. Die Zutaten sind zunächst die gleichen. Ein Gruppe von hippen Heranwachsenden, zwei skurrile Hinterwäldler und ein einsamer Wald. Der Film dreht die Ausgangslage aber einfach um. Denn die zwei Hinterwäldler sind gewöhnliche Arbeiter, die nur ihr Ferienhaus reparieren wollen und die Studenten voll mit Vorurteilen, die durch zu viele Slasherfilme entstanden sind. Hieraus entwickelt sich eine urkomische Aneinanderreihung von Unfällen, bei denen beide Parteien mehr als ein Missverständnis zu verantworten haben.
Humor ist eindeutig die große Stärke des Films. Über die absurden Situationen und Unfälle muss man einfach lachen. Natürlich ist immer eine gehörige Prise von schwarzem Humor mit dabei. Irrekomisch sind beispielsweise die Erklärungsversuche von Tucker und Dale gegenüber dem Polizisten oder die Kettensägenhatz durch den Wald. Die verschiedenen und sehr brutalen Todesarten sind meist etwas berechenbar, aber verlieren dennoch nicht an Wucht. Dazu kommen noch hervorragende Splattereffekte, mit denen sich Tucker and Dale vs. Evil nicht vor anderen Produktionen verstecken muss. Bei der Dramaturgie muss sich der Film aber einige Abzüge gefallen lassen. Denn leider ist sehr schnell klar, wohin der Hase läuft und auf welche Person man besonders achten muss.
Tucker and Dale vs. Evil – brutal und warmherzig
Punkten kann der Film auch mit seinen Figuren. Die beiden Hauptfiguren sind sehr interessant angelegt und haben auch die idealen Schauspieler bekommen. Besonders im Verbund sind Tucker und Dale aber eine Macht. Tudyk und Labine harmonieren prächtig zusammen und spielen sich leichtfüßig die Bälle zu. Tucker und Dale sind eben beste Freunde und Tudyk und Labine bringen dies auch zu jeder Sekunde rüber. Ein weiteres wichtiges Herzstück ist die junge Studentin Allison. Sie durchschaut schnell die wahren Absichten der beiden Handwerker und hat einige romantische Momente mit Dale. Katrina Bowden spielt zudem mit einer großen natürlichen Ausstrahlung. So passiert es, dass Tucker and Dale vs. Evil, zwischen all den brutalen Unfällen viel Platz für warmherzige Momente hat. Und dies, ohne dass auch nur eine Länge aufkommt. Einziges kleines Manko ist der Gruppenführer Chad, der leider von Jesse Moss deutlich zu überzogen dargestellt wird. Der Rest der Gruppe bleibt natürlich vollkommen austauschbar. Ganz wie es sich für einen Slasherfilm gehört.
Tucker and Dale vs. Evil – ein Gewinn für das Genre
Auch wenn Tucker and Dale vs. Evil zum Ende hin auf zu konventionelle Bahnen gerät, ist und bleibt der Film ein Highlight für das Genre. Zwischen liebevoller Hommage an Genreperlen und beeindruckender Zerteilung der Konventionen schwankend, bleibt ein wirklich guter Film. Man darf aber besonders auf die drei Hauptdarsteller schauen, welche man gern öfter sehen möchte.
7,5/10 Punkten
