Filmkritik - Ziemlich beste Freunde

Ziemlich beste Freunde - der französische Überraschungshit endlich in Deutschland im Kino

Der französische Film Ziemlich beste Freunde war nicht nur ein außerordentlicher finanzieller Erfolg sondern überzeugt auch als ebenso lustiger wie warmherziger Film

Ziemlich beste Freunde – gegen den Trend

Denkt man in Filmkreisen an französische Filme, so wurden in den letzten Jahren häufig die extrem brutalen Horrorfilme genannt. Beispielweise Frontier(s), Inside, Irreversible oder der Überschocker Martyrs. Dass man in Frankreich aber auch wunderbare Komödien produzieren kann, bewies zuletzt Willkommen bei den Sch´tis. Mit Ziemlich beste Freunde kommt nun das neuste Highlight aus Frankreich. Der Film ist nämlich nicht nur eine sehr lustige Komödie, sondern überzeugt darüber hinaus auch mit tragischen Momenten, einer warmherzigen Atmosphäre und zwei glänzend aufgelegten Hauptdarstellern.

Die Handlung von Ziemlich beste Freunde

Seit einem Unfall ist der Millionär Phillippe (Francois Cluzet) querschnittsgelähmt und fristet seitdem ein kompliziertes Leben mit zahlreichen Pflegern und Bediensteten. Phillippe hat zwar seinen Lebenswillen noch nicht verloren, aber das Mitleid, dass im entgegen gebracht wird, beginnt ihn zu zermürben. Genau in diesem Moment kommt der Ex-Sträfling Driss (Omar Sy) zu einem Vorstellungsgespräch in der Villa des Adligen vorbei. Eigentlich will Driss nur einen Stempel für das Arbeitsamt abholen, aber Phillippe hat andere Pläne. Er stellt den Mann aus der Unterschicht als Pfleger ein und nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den grundverschiedenen Männern.

Ziemlich beste Freunde – grandiose Hauptdarsteller

Ziemlich beste Freunde ist zunächst sehr stark auf seine beiden Hauptdarsteller zugeschnitten. Diese sind nicht nur der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Dramaturgie sondern auch das emotionale Zentrum des Films. Sowohl Omar Sy als auch Francois Cluzet meistern ihre Aufgabe dabei mehr als zufriedenstellend. Cluzet hat zunächst die schwierigere Situation. Er muss bei der Darstellung des querschnittsgelähmten Millionärs komplett auf jede Gestik verzichten und sich ganz auf Stimme und Mimik verlassen. Dies gelingt Cluzet auch zu jeder Sekunde. Immer wieder setzt er mit seinen nuancierten Gesichtszügen die Gefühle seiner Figur hervorragend um und gibt Phillippe eine glaubhafte Ausstrahlung. Ganz stark spielt er beispielweise Phillippes Sehnsüchte, wenn er Driss beim Tanzen sieht, oder seine Ängste vor einem Date.

Während Cluzet für die stillen Moment in Ziemlich beste Freunde zuständig ist, trumpft Omar Sy als Driss grandios auf. Dem stämmigen Franzosen nimmt man den sympathischen Charmebolzen sofort ab und schließt ihn ins Herz. Driss ist dabei meist für die Lacher im Film zuständig, zum Beispiel in der ersten Eingewöhnungsphase als Pfleger oder beim ausgiebigen Tanzen in feiner Gesellschaft. Sy spielt dabei mit extrem viel Freude aber ist auch in den tragischeren Szenen ein Garant. So stellt er seinen Driss einerseits als lebensfrohen und gutherzigen Menschen dar, zeigt aber zugleich dessen Tragik, nämlich dass er niemals Geborgenheit und Zuneigung erfahren hat und deshalb auf die schiefe Bahn geriet. Neben zwei solch hervorragenden Hauptdarstellern ist es meist schwer als Nebendarsteller zu bestehen, aber insbesondere Anna Le Ny und Audrey Fleurot, die zudem den besten Twist des Films hat, können prägnante Akzente setzten und harmonieren sehr gut mit Sy und Cluzet.

Ziemlich beste Freunde – Gegensätze ziehen sich an

Stark skizziert ist zudem die Beziehung zu Phillippe und Driss. Diese durchläuft zwar nach gewöhnlichen Entwicklungen und gibt wenig Spannung ab, wird aber ungemein unterhaltsam dargestellt. Die stetig wachsende Vertrautheit zwischen Driss und Phillippe wird immer wieder mit kurzen Szenen äußert glaubhaft verdeutlicht. Driss wollte eigentlich nicht für Phillippe arbeiten, entwickelt sich aber bald zu dessen einzigen wirklichen Freunde. Dies entwickelt sich sogar soweit, dass Driss Phillippe an einem Joint ziehen lässt und dass Driss später sogar Tätigkeiten übernimmt, die ihm zuvor völlig fremd waren. Driss entdeckt zudem seine Liebe zur Malerei und bildete sich unbewusst weiter, während sich Phillippe durch Driss lockeres Mundwerk endlich nicht mehr wie ein gesellschaftlicher Außenseiter vorkommt.

Die tragischen Szenen bilden aber nicht die Mehrheit, sondern sind eher der Unterton. Im Grundton ist Ziemlich beste Freunde eine Komödie, die mit vielen tollen Einfällen aufwarten kann. Ausgesprochen lustig sind zu Beispiel Phillipps Rasur oder auch die Unterhaltungen über dessen erogene Zone. Bei all der Komik vergessen die beiden Regisseure Olivier Nakache und Eric Toledano bisweilen die Konflikte. Zwar zeichnet sich immer wieder kurz ein gewisses Konfliktpotenzial an, aber wirklich dramatisch wird der Film nicht. Auch wenn Driss Phillippe verlässt, wirkt dies eher wie filmische Pflicht anstatt wie ein stringenter Handlungsaufbau. Handwerklich kann man an Ziemlich beste Freunde aber nichts aussetzten. Der Film ist sauber produziert, verfügt über eine außerordentliche optische und akustische Qualität und kommt darüber hinaus auch ohne eine Länge aus.

Ziemlich beste Freunde – über 18 Millionen Franzosen haben Recht

Mit über 18 Millionen Zuschauer allein in Frankreich war Ziemlich beste Freunde 2011 der Kinoüberflieger schlechthin. Hat man den Film aber gesehen, begreift man schnell, warum dieser so erfolgreich werden konnte. Mit einen sehr hohen Gagdichte aber auch tragischen Untertönen nimmt der Film den Zuschauer sofort in Besitz und gibt diesen erst nach dem Abspann wieder her. Dazwischen kann man zwei beeindruckenden Hauptdarstellern bei der Arbeit zusehen und sich einfach nur an der hohen Qualität von Ziemlich beste Freunde erfreuen.

8/10 Punkten

imdb.de