Filmkritik: Breaking Dawn-Part 1

Breaking Dawn - Traumkulisse für Edward und Bella - Privatfoto
Breaking Dawn - Traumkulisse für Edward und Bella - Privatfoto
Infos und ob es sich wirklich lohnt, diesen Blockbuster im Kino anzusehen.

Geht man von den Fan-Aufmärschen bei der Weltpremiere von "Breaking Dawn-Part 1" aus, ist der Twilight-Hype noch nicht gebrochen. Diese Woche startet der bisher vierte Teil der Reihe rund um die ungewöhnliche Beziehung zwischen dem Vampir Edward und der – trotz ihres Namens – eher unscheinbaren Bella in den heimischen Kinos.

Bei so viel Aufsehen und Medieninteresse fragt man sich natürlich, was einen beim Kinobesuch erwartet. Fans der Buchreihe wissen wohl, was mit Edward und Bella passieren wird; sie haben schon ihren Film im Kopf gesehen.

Für Kinofans zählt aber ebenso die filmische Qualität; und dieser soll nun auf den Grund gegangen werden.

Die Hochzeit: eine Herausforderung für die Kostümbildner

Im dritten Teil der Reihe ("Eclipse") hat Edward seiner Bella das Heiratsversprechen abgerungen. Im vierten Teil ist es nun soweit und die Hochzeit geht über die Bühne.

Das vielleicht wichtigste Element ist Bellas Hochzeitskleid. Für den Traum in Weiß wurden klassische Formen wie die lange Schleppe mit einem fast gewagten, in durchsichtiger Spitze gehaltenen Rückenausschnitt kombiniert. Zur Braut gehört der perfekte Bräutigam im feinen Anzug. Allein die Abstimmung der Kostüme unterstreicht, dass Edward und Bella zusammengehören, wobei das Outfit und das Styling des Paares ein wenig kitschig geraten sind.

Viel Mühe steckt wohl auch hinter den Festgewändern der Hochzeitsgäste. Dies gibt dem Publikum die Möglichkeit, Charlie Swan im feinen Anzug zu sehen – für den Festtag seiner Tochter legt er die Uniform ab. Es sind vor allem er und Bellas Mutter, die im Umgang mit der bevorstehenden Hochzeit ihrer Tochter für berührende und oft ebenso witzige Momente sorgen, und somit die Handlung etwas auflockern.

(Vorsicht Spoiler) Zur Hochzeit bleibt noch zu erwähnen, dass das romantische Potential vollends ausgenützt wird; für manchen Geschmack ein bisschen zu viel. Vor allem ist hier das 'Hochzeitsversprechen-Duett' zu nennen, das in der Bildsprache und Montagetechnik stark an Szenen aus der Serie "Vampire Diaries" erinnert, die gewisse inhaltliche Gemeinsamkeiten mit der "Twilight"-Reihe aufweist.

Hochzeitsreise: Trauminsel und kreative Aktivitäten

In einer beeindruckend gefilmten Traumkulisse (Meer, Mondlicht, etc.) dürfen Bella und Edward ihre Flitterwochen verbringen. Da die beiden aber kein "normales" Paar sind, ergeben sich doch einige Schwierigkeiten. Für Bella (und die Verantwortlichen für Kostüme und Ausstattung) ist das vor allem die von Alice ausgewählte Unterwäsche.

Die Skriptautorin Melissa Rosenberg hat sich außerdem einen kreativen Zeitvertreib für das Paar einfallen lassen, der für Schmunzeln sorgt. Dieser kommt immer dann zum Einsatz, wenn die Turteltauben einmal nicht gemeinsam schwimmen oder das Bett benützen. Zu den Abenteuern der Frischvermählten sei nur erwähnt: Als Zuseher fragt man sich, wie viele Betten beim Dreh gebraucht wurden.

Komplikationen als Handlungsfortschritt

Die Hochzeitsnacht hat, was Fans der Buchvorlage schon wissen, Folgen. Bella wird schwanger, wodurch ihr eigenes Leben in Gefahr gerät. Die Schwangerschaft und der mögliche Ausgang bringen (endlich) Schwung in die Geschichte und ein wenig Spannung (und Action) auf. Die Situation wirkt sich nämlich nicht nur auf Bella und Edward aus, sondern auch auf andere Figuren. Im Zentrum steht hier Jakob, der seine Loyalität zum Leitwolf hinterfragen muss, um Bella zu helfen.

Schauspielerische Herausforderungen

Die unnatürliche Schwangerschaft zeigt eines: Kristen Stewart hat Mut zur Hässlichkeit. Die Schmerzen und Komplikationen zeichnen sich auf ihrem ganzen Körper ab. Stewart unterstreicht die äußerlichen Merkmale durch ihre Darstellung.

Weniger Herausforderungen bieten die anderen Rollen. Robert Pattinson muss meist verliebt dreinblicken, darf lächeln oder sich um seine Bella sorgen. Die Cullen-Geschwister dürfen für Lacher sorgen oder für Action.

Taylor Lautner hat als Jakob eine etwas schwierigere Aufgabe. Seine Figur muss viele Entscheidungen treffen und Emotionen durchleben. Seine Darstellung ist solide, auch wenn manche Momente etwas zu pathetisch wirken. (Vielleicht liegt das aber ebenso an den Sätzen, die er sprechen muss; die sind oft kryptisch und/oder pseudo-gewichtig – zumindest in der deutschen Übersetzung.)

Als wirkliche Herausforderung könnten vielleicht die Szenen der Liebesnacht bezeichnet werden, da den beiden Darstellern auch im realen Leben eine Liebesbeziehung nachgesagt wird. Diese, so weit man sie als Zuseher zu sehen bekommt, sind ganz gut gelungen, zeigen sie doch die zärtliche, aber auch die wilde (und mitunter gefährliche) Seite des Vampirs. Die Chemie zwischen den Darstellern stimmt; allerdings gibt es wohl unzählige "heißere" Liebesnächte. (Aber bei einer Freigabe ab 12 ist es nicht anders zu erwarten.)

Fazit: Solide Unterhaltung auf der kitschigen aber spannungsarmen Seite

"Breaking Dawn-Part 1" ist an sich kein schlechter Film. Er bietet vor allem romantische Szenen und einigermaßen viel Humor. Was der Geschichte allerdings fehlt, ist ein Mindestmaß an Spannung, das in den Vorgängerfilmen (durch Gegner, Geheimnisse und Gefahren) noch vorhanden war. Dieses Fehlen liegt an der Geschichte selbst; sie bietet kaum Fortgang und komplizierte Problemsituationen. Die Hochzeitsfeier und die Flitterwochen sind aufwendig und in beeindruckenden Bildern gestalten; sie weisen aber kaum Platz für Entwicklung und Überraschungen auf. Wahrscheinlich kommen die wirklich spannenden Momente dann im zweiten Teil von "Breaking Dawn".

Tipp: Abspann wirklich verfolgen

Der Abspann belohnt die fleißigen Zuseher noch mit einem Blick zu den Volturi, die bis dorthin kaum vorkommen. Es ist eine Art Cliffhanger, der Spannung für die Fortsetzung aufbaut.

Quellen: Film "Breaking Dawn-Part 1"

"Breaking Dawn-Part 1" bei imdb

Ursula Rathensteiner - Bin erst Anfang November als Autor eingestiegen. Mehr zu mir: Bin Studentin - Diplomstudium Deutsche Philologie (abgeschlossen) und ...

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