Filmkritik: Darren Aronowskys "The Wrestler"

Mickey Rourke überzeugt als alternde Wrestler-Legende

Mickey Rourke als  - Kinowelt
Mickey Rourke als - Kinowelt
In Darren Aronowskys Sportler-Drama feiert Mickey Rourke als abgebrannter Wrestler Randy "The Ram" Robinson ein großartiges Comeback

In den 80ern zählte Randy „The Ram“ Robinson (Mickey Rourke) zu den Wrestling-Superstars. Zwanzig Jahre später ist der Ruhm nahezu verblasst. Zwar trainiert Randy noch regelmäßig und kehrt immer mal wieder in den Ring zurück, aber körperlich ist er bereits ein Wrack, hat Probleme mit dem Rücken und seiner Kondition, trägt Hörgerät und Brille. Um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, muss er in einem Supermarkt jobben. Als er nach einem Kampf in der Umkleidekabine zusammenbricht, bekommt er einen Bypass gesetzt und soll seine Wrestler-Karriere endgültig an den Nagel hängen.

Randy „The Ram“ Robinson auf der Suche nach sozialer Anerkennung

Doch Randy muss schnell feststellen, dass der Kampf im Ring sein einziges Lebenselixier darstellt. Die plötzliche Sinnlosigkeit seines Daseins versucht er mit Leben zu füllen, indem er engeren Kontakt zu der Stripperin Cassidy (Marisa Tomei) sucht, die ihren Grundsatz, nichts mit einem Kunden anzufangen, aber nicht aufgeben will. Und auch Randys studierende Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood) lässt ihren Vater auflaufen, nachdem er sich nie um sie gekümmert hatte und seinen Versöhnungsversuch verbockt, weil er lieber Abwechslung auf einer Party sucht. Zwar kommt er so zu einer schnellen Nummer auf dem Klo, verliert aber endgültig seine Tochter. Der zusätzliche Job in der Delikatessenabteilung des Supermarkts macht Randy auch nicht glücklicher, und die schlecht besuchten Autogrammstunden ausgebrannter Alt-Wrestler tragen auch nicht zur Besserung der Laune bei …

The Wrestler“: Eine intensive Studie über den Niedergang eines alternden Sportler-Stars

Nach seinen visuell beeindruckenden Filmen „Pi“, „Requiem For A Dream“ und „The Fountain“ kommt Darren Aronofskys neuer Film „The Wrestler“ ungewohnt ungekünstelt daher und zeigt einen Mickey Rourke („9½ Wochen“, „Angel Heart“, „Sin City“, „Im Jahr des Drachen“) in Bestform. Ohne großen visuellen Schnickschnack dokumentiert Aronofsky den sozialen Abstieg einer Wrestler-Legende. Schonungslos direkt begleitet die Kamera jeden von Randys verzweifelten und allesamt zum Scheitern verurteilten Versuchen, sein Leben mit etwas Würde zu versehen. Vielleicht übertreibt der Regisseur bei der jederzeit offensichtlichen Trostlosigkeit des Schicksals, das Randy erleidet, aber dank der herausragenden Performance von Mickey Rourke überzeugt „The Wrestler“ als intensive Studie über den Niedergang eines alternden Sportler-Stars.

Darren Aronofsky demonstriert eindrucksvoll seine künstlerische Vielseitigkeit

An seiner Seite glänzen auch Marisa Tomei, die wie bereits in Sidney Lumets „Tödliche Entscheidung“ einige sehr freizügige Szenen hat, und Evan Rachel Wood. Beeindruckend sind auch die Szenen im Ring, vor allem, als sich Randy auch mit Klammertackern, Glas und Stacheldraht herumplagen muss und seinen ohnehin schon geschundenen Körper noch übler zurichtet. Diese körperlichen Qualen nimmt Randy recht gelassen auf sich, aber sie korrespondieren perfekt mit seinen seelischen Leiden. Clint Mansells schlichter, aber eindringlicher Score unterstreicht die tragische Geschichte ebenso perfekt wie die effektive Kameraarbeit von Maryse Alberti. Mit „The Wrestler“ demonstriert Darren Aronofsky eindrucksvoll seine künstlerische Vielseitigkeit. So wird er auch in Zukunft für Überraschungen gut sein.

Dirk Hoffmann, Dirk Hoffmann

Dirk Hoffmann - Jahrgang 1967, M.A. Angewandte Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg in 1997, 18 Jahre freier Mitarbeiter beim ZILLO ...

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