
- Shaolin-Kloster - Dieter Schütz / pixelio.de
Wer sich für Martial-Arts-Filme interessiert, kommt nicht an diesem Klassiker der alten Schule vorbei. Viele der amerikanischen Kampfsportfilme der 1980er (von Bloodsport über Karate Tiger bis Karate Kid) haben sich von Liu Chia-Liangs Meisterwerk inspirieren lassen, und wer Kill Bill 2 gesehen hat, wird sich sicherlich an den weisen Kampfsportmeister Pai Mei erinnern - von niemand Geringerem als Gordon Liu gespielt, der in Die 36 Kammern der Shaolin die Hauptrolle des San Te hat.
Widerstand gegen die Manchu - mit Hilfe des Kung Fu der Shaolin-Mönche
China während der Qing-Dynastie. Die Mandschuren unterdrücken das Volk, Rebellionen werden gewaltsam niedergeschlagen. Als der Vater des jungen San Te ermordet wird, entschließt er sich zu den Mönchen in das Shaolin-Kloster zu gehen, um Kung Fu zu lernen und sich verteidigen zu können. Zwar haben sich die Mönche des Klosters dazu entschlossen, sich nicht in die politischen Wirren einzumischen, doch bevor San Te sich überhaupt Gedanken machen kann, mit seinen Fähigkeiten etwas zu erreichen, muß er die 35 Kammern meistern, die die verschiedenen Techniken der Kampfsportart lehren.
Die erste Aufgabe, die der junge Mönch meistern muß, ist über kleine Holzstämme zu springen, die auf dem Weg zum täglichen Essen auf einem Stück Wasser schwimmen. Was sich auf den ersten Blick leicht anhört, ist für den Anfänger nahezu unmöglich. Weitere Aufgaben stärken seine Arm- und Handgelenkkraft, andere sein Reaktionsvermögen, den Überblick über seine Umgebung, härten ihn ab. Eine der schwersten Übungen läßt die Novizen mit ihren Köpfen gegen schwere Sandsäcke stoßen, was San Te in kürzester Zeit absolviert, da anschließend die Kampf- und Waffenausbildung beginnt. Die grundlegenden zehn Fähigkeiten lernt er in gerade zwei Jahren, ein neuer Rekord für das Kloster. Doch San Te hört hier nicht auf, sondern erweist sich als talentierter, geradezu begnadeter Kämpfer. Als er eine neue Waffe entwickelt, den Dreistock, schafft er es endlich, den Meister der Schwertkunst zu besiegen.
Sein größter Wunsch ist es, die sechsunddreißigste Kammer der Shaolin zu gründen: Die Kammer, die allen offensteht, um die Kunst der Shaolin-Mönche zu lernen. Aber da das Kloster offiziell nicht in die Politik des Reiches eingreifen darf, wird San Te für diese Bitte verstoßen - und darf erst zurückkehren, wenn es ihm befohlen wird; eine nur schlecht verborgene Erfüllung seines Wunschs, denn als Ausgestoßener unterliegt er nicht mehr den Regeln des Shaolin. Er macht sich daran, das Volk von seinen Unterdrückern zu befreien.
Ein Klassiker im neuen Kleid - dank Quentin Tarantino
Seit 1999 wird dieser Film und die dazugehörigen drei Anschlußtitel (Die Rückkehr zu den 36 Kammern der Shaolin; Die Erben der 36 Kammern der Shaolin; Crazy Shaolin Disciple) auf den neuesten Stand der Technik gebracht. 2002 wurden Bild und Ton überarbeitet und 2004 in Deutschland im Rahmen des Fantasy Filmfests und seiner Shaw-Brothers-Retrospektive dem begeisterten Publikum vorgeführt. Beworben wurde der Film mit dem Zitat Quentin Tarantinos, daß es sich um den "drittbesten Kung Fu Film aller Zeiten" handelte - ein außergewöhnliches Lob für den großen Martial-Arts-Fan. Dragon Dynasty, ein Joint Venture unter Beteiligung der Weinstein-Brüder, hat 2007 eine DVD- und 2010 eine Blu-Ray-Fassung der 36 Kammern herausgebracht, so daß Freunde der guten, alten Kung Fu-Filme diesen Klassiker auch in bester Qualität genießen können.
Bedauerlich ist lediglich, daß in der deutschen Übersetzung des Filmtitels ein Fehler unterlaufen ist: San Te möchte eine sechsunddreißgiste Kammer eröffnen, um dem Volk zu helfen, denn Shaolin hat nur fünfunddreißig Kammern. Den Film mit Die 36 Kammern der Shaolin zu nennen ist daher irreführend. Aber das soll den Genuß dieser cineastischen Meisterwerks nicht schmälern: Der abschließende Kampf zwischen San Te und General Tien darf mit Fug und Recht als einer der am besten choreografierten Kämpfe aller Zeiten bezeichnet werden.
