
- Filmkritik - OCAL
Seit einigen Wochen läuft in deutschen Kinos der Dokumentarfilm "Taste the waste", der sich damit befasst, wie in der westlichen Welt, Lebensmittel weggeworfen und vernichtet werden.
Das Problem: Die Wünsche der Händler und die gesetzlichen Vorgaben
Beim Wegwerfen von Lebensmitteln denkt man meist daran, dass die Verbraucher Essen wegwerfen, das sie nicht mehr brauchen oder aufessen wollen. Der Prozess der Verschwendung von Nahrungsmitteln setzt aber schon viel früher ein. Es gibt gesetzliche Vorgaben, zum Beispiel, dass ein Apfel in der EU mindestens einen Durchmesser von 55 mm haben muss, damit er in der EU verkauft werden kann. Daneben gibt es seit einigen Jahren auch im Zusammenhang mit der BSE-Erkrankung das Verbot, Nahrungsmittelreste, die von Großküchen oder im Handel übrig bleiben, an Tiere zu verfüttern. Diese werden vernichtet und bestenfalls Biogas wird daraus gemacht.
Es ist aber zu kurz gedacht, die Schuld beim Gesetzgeber zu suchen. Die meisten Vorgaben werden von Seiten des Lebensmittelhandels gemacht und reichen damit, dank der Globalisierung, bis auf die Bananenfarmen in Afrika.
Dieses Problem wird im Film zwar aufgezeigt, aber wenig erklärt. So fehlt zum Beispiel ein Erzähler, der in die einzelnen Schauplätze einführt und erklärt, was überhaupt im Film geschieht. Stattdessen gibt es viele Originaltöne in den verschiedenen Sprachen mit passenden Untertiteln. Was die Macher des Dokumentarfilms damit aufzeigen wollen, ist zwar klar, aber dennoch relativ überflüssig. Es hätte genauso gut gereicht, zu erklären, dass auf der ganzen Welt Lebensmittel verschwendet und weggeworfen werden. Stattdessen sieht das Publikum dann eben Müllberge, die sortiert werden, um zu zeigen, wie viel Essbares noch darin ist, in Europa, USA und Japan. Man sieht deutsche Bauern, die sich über die Vorgaben des Handels beschweren, amerikanische Farmer und afrikanische Plantagenbesitzer. Alle sagen, mehr oder weniger, das Gleiche, nämlich dass sie eben so produzieren müssen, wie es die Einkäufer vorgeben.
Wenig Information für einen ganzen Film
Viele Menschen werden sich den Dokumentarfilm "Taste the waste" ansehen wollen, damit sie tiefgreifender informiert werden. Die Informationen, die neben den O-Tönen der Betroffenen mitgeteilt werden, sind aber so wenige, dass sie sich hier wie folgt darstellen lassen können:
- Das Essen, das in Europa und den USA weggeworfen wird, würde ausreichen, die Hungernden der Welt dreimal zu ernähren
- Das Verbot, Lebensmittelreste als Tierfutter in der EU zu verwenden, verursacht einen Mehrbedarf an Getreide, der in etwa der Anbaufläche Österreichs entspricht
- Wir essen zu viel Fleisch
- Wir werfen zu viel weg und sind nicht bereit, bald ablaufende Ware oder nicht "schöne" Ware einzukaufen.
Den meisten Besuchern des Films werden diese Informationen schon vorher bewusst gewesen sein.
Lösungsmöglichkeiten
Viele werden sich erhofft haben, dass der Film Lösungen des Problems der Verschwendung von Nahrungsmitteln aufzeigt. Nachdem aber die wenigsten ihr Essen aus den Müllcontainern holen wollen, wie die sehr ausführlich gezeigten und interviewten Dumpster Divers, bleibt nur darauf zu achten, dass man nicht zu viel einkauft, damit nichts verdirbt und weggeworfen wird.
Fazit: Zu wenig Informationen für aufgeklärte Konsumenten
Ein wichtiger Film für diejenigen, die sich die Problematik bewusst machen sollten. Die werden aber voraussichtlich nicht ins Kino gehen und ihn anschauen. Für aufgeklärte Konsumenten enthält der Dokumentarfilm "Taste the waste" zu wenig Informationen und noch weniger konkrete Lösungsansätze. Schade.
