Filmprojekt "Podknast" an der Justizvollzuganstalt Köln-Ossendorf

Leben hinter Gittern - Peter Reinäcker / PIXELIO
Leben hinter Gittern - Peter Reinäcker / PIXELIO
Junge Frauen der JVA Köln präsentieren im Filmprojekt "Podknast" ihre Sicht auf das Leben hinter Gittern. Bereits der dritte Knast-Kurzfilm ist in Arbeit.

Ein Filmprojekt ermöglicht Jugendlichen in den Justizvollzuganstalten in NRW, das Knastleben durch die Augen der Insassen zu zeigen. Auch die jungen Frauen der JVA Köln sind seit einem halben Jahr dabei.

Gegenwart und Zukunftsträume in Filmform verarbeiten

„Podknast – wie es wirklich ist“ flimmert es vor dem Kurzfilm über den schwarzen Bildschirm, bevor die erste Szene zu sehen ist. Die Kurzfilme, die in sechs Justizvollzuganstalten von den Betroffenen selbst gedreht werden, spiegeln die eigenen Erlebnisse im Gefängnis sowie Hoffnungen und Träume für die Zeit danach wider. Der Dreh läuft unter professioneller Anleitung und die Ergebnisse sind auf der Internetseite des Projektes für jedermann zugänglich.

Knastalltag und Zukunftsperspektiven spezifisch aus der Sicht einer Frau

Die jungen Filmemacherinnen der JVA Köln-Ossendorf können bereits auf zwei fertige Kurzfilme zurückblicken. In ihren Beiträgen erfassen sie einerseits die Atmosphäre in einer Vollzuganstalt im Allgemeinen, gehen aber gleichzeitig spezifisch auf Frauenthemen ein.

Der erste Kurzfilm ist der Situation einer schwangeren Frau im Knast gewidmet. In der Sequenz wird deutlich, dass Schwangerschaft und Geburt während der Haftzeit keine Seltenheit darstellen. „Darf ich nach der Geburt das Kind behalten? Wie ist es, in dieser Zeit vom Lebenspartner und von der Familie getrennt zu sein? Werde ich auf die Geburt irgendwie vorbereitet, wo und wie läuft diese ab?“ Mit solchen und ähnlichen Fragen müssen sich die jungen Frauen auseinandersetzen, im Interview wie im Alltag. Sie befinden sich in unterschiedlichen Phasen der Schwangerschaft oder haben während der Zeit im Gefängnis ein Kind zur Welt gebracht.

Im zweiten Film geht es um das Gemeinschaftsleben in der Justizvollzuganstalt und um Hepatitis C, anschaulich gemacht an einem Streit, der mit dem harmlosen Angebot, einen Joghurt zu teilen anfängt. Der Kurzfilm, der aktuell in Arbeit ist, befasst sich mit der Entlassung und den Ängsten vor dem Leben nach der Haftstrafe.

Intensive Arbeit und professionelle Unterstützung

Einmal in der Woche treffen sich die Teilnehmerinnen zur Redaktionssitzung. Im Laufe der zwei Stunden besprechen sie mögliche Themen und deren filmische Umsetzung, überlegen sich die Story und die einzelnen Szenen. Bei dem Dreh bekommen sie Hilfe von einem professionellen Team. „Die Unterstützung beim Schneiden und Filmen wird immer weniger, bis sie die Filme schließlich alleine produzieren können“, erklärt Ulrike Böhm, Abteilungsleiterin in der Kölner JVA bei einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger.

Von Interesse für die Öffentlichkeit und für den Einzelnen

Nicht nur die Presse begibt sich an Ort und Stelle, um sich ein Bild zu machen, auch die Politik bekundet ihr Interesse. Der Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) erscheint am 13. April zu den Dreharbeiten in Köln.

Letzten Endes sind die Kurzfilme aber für jeden Interessierten gedacht und im Internet zugänglich. Winzige Details geben einen Eindruck vom Alltag im Knast, wie etwa eine kurze Sequenz, in der Tattoos gezeigt werden, die aus Langeweile selber gestochen werden oder der Einblick in ein Doppelzimmer als Drehort einer Szene.

Ein Sprichwort besagt, man solle den Patienten und nicht den Arzt befragen, möchte man sich wirklich über eine Krankheit informieren. Dieses Filmprojekt bestätigt die Idee hinter diesem Sprichwort: dass Betroffene selbst manchmal eindrücklicher zu berichten vermögen als Betrachter.

Quellen und weiterführende Links:

Der Kölner Stadtanzeiger berichtet über das Medienprojekt auf seiner Internetseite.

Auf der Podknast-Seite können die beiden Kurzfilme der JVA Köln-Ossendorf „Schwangerschaft im Knast“ und „Joghurt-Schwestern“ sowie Kurzfilme der anderen Justizvollzugsanstalten eingesehen werden.