
- Seraphine - der Film - arsenalfilm
Séraphine (Yolande Moreau) gehört zu den allein stehenden Frauen, die es um 1912 weder in ihrer Heimatstadt Senlis noch sonst irgendwo in der Welt einfach haben. Sie verdient ihr Geld mit Waschen, Putzen, Hilfsdiensten in verschiedenen Haushalten und in einer Metzgerei. Ihr ganzes Geld trägt sie zum Krämer, um sich weiße Farbe, Firnis und Pinsel zu kaufen. Sie malt, was ihre innere Stimme ihr befiehlt.
Séraphines Entdeckung durch den Kunstsammler Uhde
Auch bei dem deutschen Kunstsammler Wilhelm Uhde (Ulrich Tukur), der schon Picasso und Roussau entdeckt und gefördert hat, putzt und wäscht sie. Durch Zufall entdeckt Uhde eines Tages ein Bild von Séraphine, Blumen auf einem Holzbrett gemalt. Von Uhde unterstützt, malt Séraphine regelmäßiger und verbessert ihren Stil. Sie kann sich bessere Kleidung leisten, nachdem einige Bilder von ihr verkauft wurden. Diese Zeit währt nicht lang, denn als der erste Weltkrieg ausbricht, müssen Uhde und seine Schwester fliehen.
Als Uhde 1927 wieder nach Frankreich kommt, um seine beschlagnahmte Sammlung zurück zu fordern, entdeckt er in einer Ausstellung Séraphines Bilder. Weil sie nur noch wie eine Besessene malt, verdient sie kein Geld mehr, sondern lebt von den übrig gebliebenen Lebensmitteln, die andere ihr zustecken. Er sorgt für Essen, Trinken und Malutensilien. Jetzt kann sie auch großformatige Bilder malen.
Séraphines tragisches Ende mit Wahnvorstellungen
Der plötzliche Reichtum steigt Séraphine zu Kopf. Sie mietet eine ganze Etage, kauft sich neue Möbel und neuen Hausrat, lässt sich neue Kleider schneidern. Wird ihr eine Rechnung präsentiert, kontert sie mit dem Satz: "Schicken Sie die Rechnung an meinen Mäzen, Monsieur Uhde!" Als sie schließlich in seinem Namen eine Villa kauft, wird es ihm zu viel. Er ist nicht einmal mehr in der Lage, die Notarkosten von 3000 Franc zu zahlen, denn die wirtschaftliche Lage hat sich eindeutig verschlechtert. Sie nimmt es persönlich und meint, ihm gefielen ihre Bilder nicht mehr. Dadurch gerät sie in eine tiefe Krise, die im Irrenhaus endet. In – aus heutiger Sicht – unmenschlichen Zuständen vegetiert sie bis zu ihrem Tode dahin. Gemalt hat sie in der Zeit nicht mehr.
Uhde verkauft noch Bilder von ihr und ermöglicht damit einen angenehmeren Aufenthalt in einem Einzelzimmer. Sogar allein unter einem Baum kann sie sitzen.
Zwei großartige Schauspieler beherrschen diesen Film
Yolande Moreau verkörpert Séraphine perfekt bis in die Fußspitzen – Allein schon durch den Gang, der sie als einen grobschlächtigen Trampel zeigt. Die Wandlung von der Putzfrau über die geachtete Malerin bis hin zur – von Wahnvorstellungen geplagten – Irren ist phänomenal. Erst zeigt sie eine Frau, die immer das tut, was man von ihr erwartet. Séraphine sieht bei den Hausarbeiten etwas abwesend aus. Glücklich ist sie nur in der Natur. Yolande Moreau zeigt sie aber auch in Situationen, in denen sie sich nur auf ihre Arbeit, das Malen, konzentriert.
Glaubwürdig stellt Ulrich Tukur den schöngeistigen Kunstsammler Wilhelm Uhde dar. Er mimt genau den Typ eines Menschen, der sich nur auf seine Urteilskraft verlässt und in einem Bild die künstlerische Kraft entdeckt. Er ist der beherrschte Intellektuelle, dem man ansieht, wie die Gedanken hinter seiner disziplinierten Fassade arbeiten.
Anne Bennent als Uhdes Schwester Anne Marie verkörpert eine Frau zwischen den Fronten.
Stimmig markieren die Kostüme von Madeline Fontaine die Charaktere
Alles beherrschen Seraphines Hut, ihr Korb, in dem alles verschwindet, und der obligatorische Regenschirm. Sie ist immer eine Spur schmuddeliger gekleidet als die festen Hausmädchen.
Die konservativen Groß-Bürger von Senlis unterscheiden sich in ihrer Kleidung von der großstädtischen Eleganz der Geschwister Uhde.
Fazit: Persönliche Empfehlung – unbedingt anschauen
Dieser Film wirkt lange nach, durch die Geschichte, die Darsteller, die Bilder.
SERAPHINE – Ein Film von Martin Provost
Besetzung
Séraphine: Yolande Moreau
Wilhelm Uhde: Ulrich Tukur
Anne Marie: Anne Bennent
Madame Duphot: Geneviève Mnich
Helmut: Nico Rogner
Minouche: Adélaïde Leroux
Duval: Serge Larivière
Mère Supérieure: Françoise Lebrun
