
- Finanzwissen für Schüler - Thomas Schmid
Neben dem Bankkredit haben Unternehmen, Nationen oder Gemeinden auch andere Möglichkeiten, um an Geld zu kommen: die festverzinslichen Wertpapiere. Man nennt sie auch Anleihen, Bonds, Obligationen oder Rentenpapiere. Sie funktionieren ähnlich wie ein Kredit. Kreditgeber ist hier aber nicht die Bank, sondern es sind die Käufer der festverzinslichen Wertpapiere, die irgendwann einmal ihr Geld zuzüglich Zinsen zurückbezahlt bekommen.
Festverzinsliche Wertpapiere sind verbriefte Kredite
Wer die festverzinslichen Wertpapiere ausgibt (das können wie gesagt Länder, Unternehmen, Gemeinden sein), wird Emittent genannt. Diesen Ausgabevorgang nennt man auch Emission. Die Laufzeit und der Betrag stehen schon im Vorfeld fest. Der Betrag, der dem Emittenten geliehen wird, nennt man auch Nennbetrag. Der Zinssatz kann, je nachdem wie die Anleihe konzipiert wurde, festgesetzt sein oder sich verändern. Sämtliche Modalitäten sind in den Emissionsbedingungen schriftlich niedergelegt. Ist der Zinssatz veränderlich, nennt man das Wertpapier auch „Floater“. Sie passen ihren Zinssatz in der Regel an den Geldmarktzins an. Der Geldmarktzins im europäischen Wirtschaftsraum heißt EURIBOR. Steigt der EURIBOR, steigt auch der Zinssatz des Floaters, sinkt der EURIBOR, sinkt der Zinssatz des Floaters.
Zusammenfassend: Wer auf das Angebot eingeht und festverzinsliche Wertpapiere kauft, gibt dem Emittenten für einen festgelegten Zeitraum durch seinen Kredit einen Geldbetrag, den der Emittent nach Ablauf der Zeit entsprechend zurückzahlen muss. Hinzu kommen Zinsen, die entweder während der Laufzeit oder am Ende der Laufzeit ausbezahlt werden. Kaufen kann man festverzinsliche Wertpapiere an der Börse zum aktuellen Kurs. Der Börsenkurs darf aber nicht mit Zinssatz oder Nennbetrag verwechselt werden. Er schwankt und hängt von der Nachfrage ab. Bei hoher Nachfrage steigt der Kurs, aber Nennbetrag und Zinssatz bleiben davon unberührt.
Wer profitiert wie davon?
Der Emittent bekommt für einen festgelegten Zeitraum Geld zu Verfügung gestellt, mit dem er wirtschaften kann. Er muss sich dabei nicht, wie bei der Ausgabe von Aktien, Fremde mit ins Boot holen, die eigene Interessen vertreten und mitentscheiden dürfen. Dafür muss er aber das Geld zuverlässig und zuzüglich der vereinbarten Zinsen zurückzahlen. Es ist ja nicht sein Geld, sondern nur ein Kredit. Der Inhaber der Schuldverschreibung gibt das Geld für eine gewisse Zeit dem Emittenten und bekommt dafür regelmäßige Zinszahlung. Er verdient also an den Zinsen. Die Bank als Vermittler zwischen Emittent und Käufer verdient durch Verkaufs- und Verwaltungsgebühren.
Wo liegen die Risiken?
Auch wenn festverzinsliche Wertpapier zu den eher sicheren Anlagen gezählt werden, gibt es Risiken. Kann nämlich der Emittent das Geld an die Inhaber der festverzinslichen Wertpapiere nicht mehr zurückzahlen, bleiben diese auf ihren Ansprüchen sitzen. Ob der Emittent das geliehene Geld und die Zinsen zurückzahlen kann, hängt von seiner Zahlungsfähigkeit ab. Die Zahlungsfähigkeit nennt man auch Bonität. Je höher die Bonität des Emittenten, desto sicherer ist die Anleihe, weil die Rückzahlung entsprechend wahrscheinlicher ist.
Bundesschatzbriefe sind ein Beispiel für eine sehr sichere Anleihe. Der Emittent ist der Bund, also Deutschland. Es weist als wirtschaftsstarkes Land eine ausgezeichnete Bonität auf. Dafür sind die Zinsen bei Bundesschatzbriefen vergleichsweise niedrig. Man kauft sich quasi Sicherheit gegen niedrigere Zinsen. Im Umkehrschluss muss man aber auch davon ausgehen, dass ungewöhnlich hohe Zinsen die Anleihen weniger zahlungskräftiger Emittenten attraktiv machen sollen. Was so verlockend klingt, stellt sich spätestens dann als Flop heraus, wenn der Emittent sich als zahlungsunfähig herausstellen sollte. Als weitere Faustregel gilt also: Je höher die Zinssätze sind, desto genauer sollte hingeschaut werden. Die argentinischen Staatsanleihen etwa, die 2002 emittiert wurden, warben mit sehr hohen Zinssätzen. Argentinien erklärte kurz darauf aber seine Zahlungsunfähigkeit und sorgte für viel Kummer bei den Anlegern.
Ratingagenturen helfen weiter
Als Privatperson, die festverzinsliche Wertpapiere kauft, möchte man sich natürlich sicher sein, dass man sein Geld auch pünktlich zurückbekommt. Dafür gibt es Unternehmen, die sich ausschließlich damit beschäftigen, die Emittenten zu prüfen. Sie geben Gutachten ab, die die Bonität der Emittenten bewerten. Man nennt diese Unternehmen Ratingagenturen. Die beiden wichtigsten Ratingagenturen heißen Standard & Poor's und Moody's. Zu beachten ist dabei jedoch, dass beide auf unterschiedliche Bewertungssysteme zurückgreifen. Bei beiden wird nicht in Schulnoten bewertet, sondern in Buchstaben. Die Skala reicht bei Standard & Poor's von A bis D und bei Moody's von A bis C. Die einzelnen Buchstaben werden wieder unterteilt (AAA, AA+, AA, AA-…BB+, BB...). Es empfiehlt sich, den Finanzberater der Bank nach diesen Bewertungen zu fragen, bevor man etwas kauft. In der Regel werden sie aber immer auf dem Informationsbogen mit abgedruckt.
Die Wandelschuldverschreibung als Sonderform
Die Wandelschuldverschreibung ist eine besondere Form der Anleihe. Sie wird von einer Aktiengesellschaft zu relativ niedrigen Zinsen emittiert. Sie beinhaltet dafür aber das Recht, die Anleihe in Aktien umzuwandeln, falls dies gewünscht ist. Alles in allem sind festverzinsliche Wertpapiere eine solide Anlagemöglichkeit. Viele verschiedene Emittenten schaffen eine Vielzahl von Angeboten, die in der Anlageberatung der Banken eine wichtige Rolle spielen.
