
- Wie funktioniert eine Aktie? - Thomas Schmid
Aktiengesellschaft, Kursgewinne und Verluste, der DAX und viele mehr – all das sind Begriffe, die sich durch die Nachrichten und die Wirtschaftsteile der Zeitungen ziehen. Um diese Begriffe zu verstehen, muss man wissen, was eine Aktie ist und wie sie funktioniert.
Die Grundidee der Aktie
Unternehmen brauchen, genauso wie private Haushalte, Geld um wirtschaften zu können und sich ihre Existenz zu sichern. Der Weg, wie ein Unternehmen an Geld kommt, kann sehr verschiedenartig sein. Eine Möglichkeit ist etwa ein Kredit, der bei der Bank aufgenommen wird und dann irgendwann zuzüglich der Zinsen zurückbezahlt werden muss. Das Unternehmen kann aber auch Geld von Privatpersonen oder anderen Unternehmen beziehen. Auf so ein Geschäft lassen sich andere Unternehmen und Haushalte aber nur ein, wenn sie dafür auch etwas zurückbekommen, nämlich das Recht, mitentscheiden zu dürfen und natürlich wollen die Geldgeber auch etwas vom Gewinn abhaben, den das Unternehmen erwirtschaftet.
Die Idee des Unternehmens ist also folgende: "Lieber Herr XY, wenn du uns Geld schenkst, bekommst du im Gegenzug etwas von unserem Gewinn ab, du darfst mitentscheiden, wer bei uns im Aufsichtsrat sitzt und wenn wir neue Aktien ausgeben, bekommst du gegenüber anderen ein Vorkaufsrecht. Hättest du Lust?"
Hierbei gilt natürlich: Je mehr Geld man gibt, desto mehr Mitspracherechte hat man. So ein Angebot kann man aber nur machen, wenn man eine Aktiengesellschaft, kurz: eine AG, ist. Wer solche Angebote macht, muss sich zudem an strenge Regeln halten, die im Aktiengesetz aufgeschrieben sind. Dort steht genau geregelt, welche Rechte und Pflichten der Käufer und die Aktiengesellschaft haben.
Anteile am gezeichneten Kapital
Das Geld, das Unternehmen zum Wirtschaften zu Verfügung haben, kann man unterteilen. Man unterscheidet hier zwischen eigenem und geliehenem Geld. Das Geld, das dem Unternehmen gehört und das es sich selbst erwirtschaftet hat, nennt man Eigenkapital. Das Geld, das das Unternehmen sich geliehen hat, nennt man Fremdkapital oder Verbindlichkeiten, weil es irgendwann auch wieder verbindlich zurückbezahlt werden muss.
Man kann diese beiden Posten, Eigenkapital und Fremdkapital, noch genauer aufteilen. Ein Unterposten des Eigenkapitals (neben vielen anderen) ist das sogenannte Grundkapital, das man bei Aktiengesellschaften auch gezeichnetes Kapital nennt. Wer einem Unternehmen Geld gibt, bekommt dafür Anteile am Grundkapital. Diesen Anteile nennt man Aktien. Merke: Eine Aktie ist ein Bruchteil des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft.
Nennwert und Stückwertaktien
Es gibt zwei grundlegende Möglichkeiten, die Aktienanzahl, die man ausgeben kann, zu ermitteln. Hat ein Unternehmen eine Million Euro gezeichnetes Kapital, könnte es sagen: "Wir vergeben Anteile im Wert von 50 Euro." Die 50 Euro nennt man auch Nennwert oder Nominalwert. Insgesamt wären das dann 20.000 Anteile zu einem Nennwert von je 50 Euro. (Die Rechnung dazu: eine Million gezeichnetes Kapital geteilt durch 50 Euro.)
Dieser Anteil, der ja nach dem Kauf dem Käufer gehört, also die Aktie, ist, wie wir jetzt wissen, ein Bruchteil des gezeichneten Kapitals und würde in unserem Beispiel 50 Euro vom gezeichneten Kapital ausmachen. Die Ausgabe von Aktien durch die Aktiengesellschaft nennt man Emission. Man muss aber nicht unbedingt einen Nennwert festlegen. Man kann auch eine Stückzahl, in die das Grundkapital aufgeteilt wird, festlegen. Die AG könnte etwa eine Anzahl von 25.000 Stück festlegen, dann hätte ein Anteil des Grundkapitals den Wert von 40 Euro. (Die Rechnung dazu: eine Million geteilt durch 25.000 Anteile.)
Merke:
- Bei Nennwertaktien wird der Nominalwert am Grundkapital festgelegt und die Stückzahl errechnet.
- Bei Stückaktien, wird die Stückzahl festgelegt und der anteilige Wert errechnet.
- Bei beiden Vorgehensweisen darf der Wert nicht kleiner als ein Euro sein.
Wer solche Anteile kaufen möchte, muss aber oft noch einen Aufschlag bezahlen, den man Agio nennt. Würde das Unternehmen ein Agio in Höhe von 20 Euro verlangen, müsste der Käufer folgende Rechnung begleichen:
50 Euro Nennwert + 20 Euro Agio = 70 Euro. Würde der Käufer 100 Aktien kaufen und nicht nur eine, wäre die Rechnung folgende: 100 Stück x 50 Euro Nennwert = 5.000 Euro. Dazu kommen noch: 100 Stück x 20 Euro Agio = 2.000 Euro. Der Käufer müsste in diesem Beispiel also 7.000 Euro bezahlen, um 100 Aktien zu erwerben, die einen Anteil in Höhe von 5.000 des Grundkapitals verbriefen.
Fassen wir kurz zusammen
Unternehmen geben Aktien aus, weil sie Geld von den Käufern möchten, mit dem sie wirtschaften können. Dafür geben sie Anteile ihres gezeichneten Kapitals ab. Käufer kaufen Aktien, weil sie am Gewinn des Unternehms beteiligt werden möchten und ein bei Entscheidungen, die das Unternehmen fällt, mitreden möchten. Dafür zahlen sie Geld. Eine Aktie ist ein Bruchteil des gezeichneten Kapitals. Den Wert, den so ein Bruchteil hat, nennt man Nennwert oder Nominalwert. Wird mehr als nur der Nennwert/Nominalwert bezahlt, nennt man den Aufschlag Agio.
Wenn eine AG hohe Gewinne erzielt, sind die Aktien auf dem Markt sehr begehrt, denn der Aktionär bekommt natürlich von den hohen Gewinnen entsprechend etwas ab. Diese abgegebenen Gewinne nennt man Dividende. Die Auszahlung nennt man Ausschüttung. Viele Aktien werden an der Börse gehandelt. Das heißt, dort werden sie gekauft, verkauft und dort wird auch der Preis festgelegt. Beachte aber, dass dort nicht jede Aktie gehandelt wird, denn wenn eine Aktie an der Börse gehandelt werden soll, muss sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit sie für den Börsenhandel zugelassen wird.
Der Börsenhandel und der Aktienmarkt sind sehr komplexe Angelegenheiten. Diese kurze Einführung sollte dir einen grundlegenden Überblick geben. Sie ersetzt aber niemals ein Schulbuch! Ebenso sind lange nicht alle Aktienarten hier benannt und erläutert, sondern nur die, die für das Grundverständnis wichtig sind.
