Fingerabdruck – die Anfänge der Daktyloskopie

Die Suche nach Fingerabdrücken - Bildnachweis: Siegfrid Fries/www.pixelio.de
Die Suche nach Fingerabdrücken - Bildnachweis: Siegfrid Fries/www.pixelio.de
Auch im Zeitalter modernster Untersuchungsmethoden ist für die Aufklärung krimineller Taten immer noch der Vergleich von Fingerabdrücken unverzichtbar.

Die Stunde der Kriminaltechnik schlug in Paris am 20.02.1881, als es Alphonse Bertillon gelang, einen Wiederholungstäter anhand seiner registrierten Körpermerkmale zu identifizieren. Kriminalisten der Sûreté (Polizeipräfektion in Paris) waren bemüht, das Verbrechen einzudämmen, indem von allen überführten Tätern Karteikarten angelegt wurden, auf welchen ihr Aussehen festgehalten wurde. Die Angaben darauf waren jedoch sehr vage, selbst dann noch, als später Fotografien dazu geheftet wurden, welche zur damaligen Zeit allerdings recht ungenau waren.

Anthropologie

Bertillon stammte aus einer der Wissenschaft gegenüber aufgeschlossenen Familie. Die Erkenntnisse von Darwin, Pasteur, John Dalton und auch Adolphe Quételet waren ihm vertraut. Der Belgier Quételet hatte durch Schädelmessungen in Gefängnissen versucht, aus bestimmten Messdaten – ähnlich wie nach ihm der Italiener Cesare Lombroso – den geborenen Verbrecher als Tätertyp zu ermitteln. Weitere wissenschaftliche Messungen haben diese Thesen indes nicht erhärtet. Jedoch wurde dabei festgestellt, dass die genauen Messdaten des gesamten Körpers individuell unterschiedlich waren. Je mehr Daten einer Person erhoben wurden, desto häufiger traten Unterscheidungsmerkmale zu Tage. Eine präzise Identifizierung schien gefunden zu sein: durch die nach Bertillon benannte Bertillonage. Sein Verfahren setzte sich nach anfänglichen Widerständen weltweit durch. Eine entscheidende Schwachstelle hatte das Messsystem dennoch: es musste sehr exakt gemessen und registriert werden. Kleinste Ungenauigkeiten verfälschten das Ergebnis. Zudem konnte es nur für ausgewachsene Personen angewendet werden.

Daktyloskopie

Ein unveränderliches Merkmal, ein nahezu unauslöschliches Siegel hingegen ist der Fingerabdruck, ein genetisch festgelegtes Muster von Linien auf Fingern und Handflächen, welche bei jedem Menschen, selbst bei eineiigen Zwillingen, unterschiedlich ist und lebenslang Bestand hat. Auch bei Toten und sogar bei Mumien lassen sie sich nachweisen. Die Entdeckung, Personen anhand ihrer Papillarlinien zu identifizieren, wurde an drei unterschiedlichen Orten von drei sehr verschiedenen Männern gemacht.

William J. Herschel

Herschel, ein englischer Regierungsbeamter in Hooghly/Indien berichtete am 05.08.1879 dem Generalinspekteur der Gefängnisse von Bengalen von seiner Methode, Personen über den stempelartigen Abdruck der rechten Zeige- und Mittelfinger zu identifizieren. Bereits 1859 hatte Herschel beobachtet, wie chinesische Händler in Bengalen ihre Verträge mit dem Abdruck des geschwärzten Daumens siegelten. Seitdem hatte Herschel große Mengen von Fingerabdrücken gesammelt, verglichen und gelernt, Menschen an ihren „Fingerbildern“ zu erkennen und gezahlte Löhne mit einem Abdruck zu bestätigen. So konnte er Betrügereien ausschließen. Die Antwort auf seinen Brief war freilich eine Enttäuschung: man hielt die Erkenntnis des gesundheitlich angeschlagenen Herschel für Fieberphantasien.

Dr. Henry Faulds

Der schottische Arzt Dr. Henry Faulds, tätig an einem Krankenhaus in Tokio, sandte im Jahr 1880 einen Brief an die britische Zeitschrift „Nature“, in dem er seine Forschungen über die Papillarlinien schilderte. Er war zu dem gleichen Ergebnis wie Herschel gekommen, von dessen Erkenntnis er allerdings keine Kunde hatte. In China und Japan war es durchaus Usus, Dokumente mit Handabdrücken in roter oder schwarzer Farbe zu signieren. Welche Tragweite seine Forschung haben sollte, wurde ihm vollends bewusst, als er einen Täter, welcher auf der Flucht vom Tatort einen schwarzen Handabdruck auf einer weißen Mauer hinterlassen hatte, überführen und einen unschuldig Verdächtigen dagegen entlasten konnte. Die Bedeutung seiner Erkenntnis wurde überdies eindrucksvoll bestätigt, als er einem Dieb dessen Tat auf Grund seiner auf einem gestohlenen Gefäß hinterlassenen Fingerspuren nachweisen konnte. Schweißdrüsen auf dem glatten Untergrund hatten eine ebenso deutliche Spur hinterlassen, wie von einem gefärbten Finger. Am 28.10.1880 veröffentlichte die Zeitschrift „Nature“ seinen Bericht. Herschel las in England diesen Artikel und forderte ältere Rechte an der Entdeckung ein. Daraufhin schickte Faulds seine Erkenntnisse an zahlreiche Wissenschaftler (auch an Charles Darwin), Staatssekretäre und Polizeipräsidenten in England und Frankreich. Vergebens. Man hielt seine Vorstellung, Straftäter mit Hilfe der Fingerabdrücke zu überführen, für ausgemachten Schwindel.

Dr. Wilhelm Eber

1988 schickte der Berliner Tierarzt Dr. Wilhelm Eber einen Brief an das Innenministerium, in welchem er seine Entdeckung schilderte. Auf Handtüchern im Berliner Schlachthof war er auf blutige Handabdrücke von Metzgern und Tierärzten gestoßen. Aufmerksames Beobachten und Vergleichen versetzte Eber in die Lage, an den Abdrücken festzustellen, wer das jeweilige Tuch benutzt hatte. Aus dieser Feststellung zog auch Eber den Schluss,

Täter zu überführen, wenn diese (Finger-)Spuren hinterlassen hatten. Doch auch seine Erkenntnis stieß zunächst ins Leere und wurde damit abgetan, dass „derartige Spuren an Tatorten auch nach sorgfältiger Inspektion nicht gefunden werden“ können. Auch Ebers Beobachtungen und seine daraus gezogenen Schlüsse stießen genau wie die seiner britischen Kollegen auf taube Ohren. Bis die Daktyloskopie, das Verfahren zur Auswertung von Fingerspuren, ihren Siegeszug antreten sollte, war es noch ein weiter Weg.

Bildnachweis: Siegfrid Fries/www.pixelio.de

Christian Goldmann, Christian Goldmann

Christian Goldmann - Mein Name ist Christian Goldmann. Ich bin 33 Jahre alt und arbeite seit einigen Jahren als Journalist in Bremen und Umgebung. Zuvor habe ...

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